Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Ignatios, Patriarch von Konstantinopel

Ignatios (eigentlich Niketas), Patriarch von Konstantinopel 847-858, 867-877, Heiliger (Fest am 23. Oktober), * Konstantinopel 797/798, † ebd. 23.10. 877, Sohn des Kaisers Michael I. Rangabe.

Leben

Der heranwachsende Niketas begleitete zunächst seinen 813 entthronten Vater auf die Insel Prote. Dort wurde er Hegumenos des ersten von ihm gegründeten Klosters, dem noch drei weitere folgten, so daß der Prinz zu Recht als „Ktitor der byzantinischen Inselklöster“ bezeichnet wird. Während der zweiten Phase des Bilderstreites (837-842) verteidigte er entschlosen die Bilderverehrung. Nach dem Tod des Patriarchen Methodios (843-847) ernannte ihn Kaiserin Theodora ohne Wahlsynode zu dessen Nachfolger. Die Entscheidung, wohl mit Rücksicht auf die eifernde Mönchspartei getroffen, erwies sich als Fehlgriff. Nach Erziehung und Haltung selber dem starren Dogmatismus der zelotischen Partei anhängend, vermochte er die Gegensätze in der Kirche nicht auszugleichen. Der Widerstand der gemäßigten Hierarchen wuchs, als er 853 einige Bischöfe absetzte, die in Rom gegen seine unkanonische Wahl protestiert hatten. Nach dem Staatsstreich des Bardas 856 stand I. völlig auf verlorenem Posten, da er dessen Macht- und Kulturpolitik nicht unterstützte, so daß sich der Regent von der Kirche im Stich gelassen fühlte. Nach einem Konflikt mit Bardas fiel er endgültig in Ungnade und mußte 858 abdanken. Sein Nachfolger wurde Photios, ein Laie, bisher Lehrer an der neubegründeten Magnaura. Das riß die Kluft zwischen den beiden Kirchenflügeln noch tiefer auf. Die Ignatianer verlangten mit Zustimmung von Papst Nikolaus I. die Wiedereinsetzung des Verbannten, während die Photianer die Lösung von Rom betrieben. Den Streit entschied erst Kaiser Basileios I. aus politischen Gründen zu I.’ Gunsten. Am 23. November 867 kehrte dieser auf den Patriarchenthron zurück; Photios kam in Klosterhaft und wurde exkommuniziert. Das 8. ökumenische Konzil bestätigte 869/70 das kaiserliche Edikt. Das zweite Patriarchat des I. war nicht glücklicher als sein erstes. Er hatte Schwierigkeiten mit der größtenteils photiostreuen Geistlichkeit; zudem geriet er mit Johan nes VIII. in Konflikt wegen Bulgarien, das sich 870 für die byzantinische Kirche entschied. Dem Patriarchen drohte der Kirchenbann. Das Verhältnis des stets romtreuen I. zu den Päpsten entbehrt nicht tragischer Züge. Als der Kaiser 875 Photios zurückberief, söhnten sich die beiden Kirchenfürsten aus; I. bat sogar um Einberufung eines neuen Konzils zur Schlichtung des leidigen Kirchenstreites, starb jedoch vor Ankunft der päpstlichen Legaten. Sein alt-neuer Nachfolger Photios sprach I. heilig.

Literatur

Dvornik, Francis: The Patriarch Photios in the light of recent research. Cambridge 1958.
Ders.: Patriarch Ignatius and Caesar Bardas. In: Byzantinoslavica 27 (1966) 7-22.

Verfasser

Josef Hahn (GND: 1121331297)


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