Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

In den Suchergebnissen blättern

Treffer 
 von 1526

Michael I. Rangabe

Michael I. Rangabe, byzantinischer Kaiser 811-813, * Konstantinopel (?), † auf der Propontisinsel Prote 845, Schwiegersohn des Kaisers Nikephoros I.

Leben

 M.s Vorleben liegt im Dunkel. Wahrscheinlich war sein Vater der 781 erwähnte Drungarios der Dodekanes Theophylaktos, vielleicht geht der Familienname auf slawisch rǫkavŭ („mit der großen Hand“) zurück. Den entscheidenden Schritt seines Lebens tat er um 794, als er Prokopia, die Tochter des späteren Kaisers Nikephoros I., heiratete. Aber auch unter dessen Herrschaft blieb M., inzwischen mit dem Titel Kuropalates bedacht, im Hintergrund. Aus dem friedlichen Hofdasein riß ihn der katastrophale Ausgang der Schlacht am Vurbica-Paß, wo am 26. Juli 811 Nikephoros I. im Kampf gegen den Bulgaren Krum fiel und sein Sohn und designierter Nachfolger Staurakios tödliche Verletzungen erlitt. Um den Thronambitionen  der Theophano, der Gattin des Staurakios, ein Ende zu machen, wurde M. am 2. Oktober 811 zum Kaiser ausgerufen und von Patriarch Nikephoros in der Hagia Sophia gekrönt. M.s kurze Herrschaft blieb bei den Byzantinern in angenehmer Erinnerung, da er in krassem Gegensatz zu seinem sparsamen Vorgänger mit Geschenken, vor allem an den Klerus, sehr großzügig war. De facto hat nicht er regiert, sondern seine Ratgeber, voran Patriarch Nikephoros I. und Tbeodoros Studites. Sie konzedierten Karl dem Großen 812 den bislang strikt verweigerten Titel „Kaiser“, freilich nicht „Kaiser der Römer“. Tbeodoros und seine Anhänger waren es auch, die mit ihrer Meinung durchdrangen, daß die ultimativen Friedensangebote Krums, der Develtos und Mesembria erobert hatte, abzulehnen seien und M. in den Krieg zu ziehen habe. Er gehorchte, obwohl er für eine solche Aufgabe offenbar wenig geeignet war. Von den Truppen des Strategen Leon des Armeniers (als sein Nachfolger Leon V.) im Stich gelassen, unterlag er am 22. Juni 813 bei Versinikia, wurde am 10. Juli zum Rücktritt gezwungen und nahm danach widerspruchslos unter dem Namen Athanasios das Mönchsgewand; seine männlichen Nachkommen, darunter der spätere Patriarch Ignatios, wurden entmannt.

Literatur

Bury, John B.: A History of the Eastern Empire from the Fall of Irene to the Accession of Basile I (802-867). London 1912, 21-42, 346-352.
Zlatarski: Bd I/1, S. 338-340, 344-349, 536-538.
Ostrogorsky: S. 165-168 (mit Bibliographie).  

Verfasser

Erwin Fenster (GND: 106391216)

RDF: RDF

Vorlage (GIF-Bild):  Bild1   Bild2   

Empfohlene Zitierweise: Erwin Fenster, Michael I. Rangabe, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 174-175 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1342, abgerufen am: (Abrufdatum)

Druckerfreundliche Anzeige: Druckerfreundlich

Treffer 
 von 1526