Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Michael VIII. Palaiologos Angelos Dukas Komnenos

Michael VIII. Palaiologos Angelos Dukas Komnenos, byzantinischer Kaiser 1258 (1261)-1282, * Nikaia oder Nymphaion 1224/1225, † bei Pachomiu 11.12.1282, aus einer alten Adelsfamilie, Sohn des Statthalters von Thessaloniki Andronikos Palaiologos und der Theodora Palaiologina.

Leben

 M. wurde am Hof des Kaisers Johannes III. Dukas Vatatzes in Nikaia erzogen. Als glänzender Feldherr hatte er schon 1246 das Kommando in Melnik und Serrhes, das er verlor, als er 1253 eines Thronkomplotts beschuldigt wurde, aber Eide und eine Heirat mit Theodora, der Großnichte des Kaisers - mit ihr hatte M. vier Söhne und drei Töchter (Manuel, Andronikos (II.), Konstantinos, Theodoros, Irene, Anna, Eudokia; dazu hatte er noch zwei uneheliche Töchter Euphrosyne und Maria) -, brachten ihm 1254 die Ernennung zum Megas Kontostaulos. Vor einer Verhaftung durch den adelsfeindlichen Kaiser Theodoros II. Laskaris floh M. 1256 zum Seldschukensultan Izzedin Keykâvus II. (1238-1278). 1258 mit einer Loyalitätserklärung für den Kaiser nach Nikaia zurückgekehrt, wurde er zum Kampf gegen den Despoten von Epirus, Michael II., kommandiert. Nach einer neuerlichen Verhaftung und Freilassung wurde der Sohn des 1258 verstorbenen Kaisers, Johannes IV. Laskaris, in seine Obhut gegeben. Im September 1258 Anführer des Mordkomplotts gegen den für Johannes IV. eingesetzten Regenten Georgios Muzalon, wurde M. mit Unterstützung der Kirche zum Megas Dux, am 13. November 1258 zum Despotes ernannt und wohl zu Weihnachten 1258 in Nikaia zum Mitkaiser gekrönt. Im Herbst 1259 errang M. den wichtigen Sieg in der Schlacht von Pelagonia gegen den antibyzantinischen Dreibund (Manfred von Sizilien, Michael II. von Epirus, Wilhelm II. Villehardouin von Achaia). Gezielt arbeitete M. auf die Rückeroberung Konstantinopels hin: Durch Feldzüge, Bündnisse und diplomatische Missionen isolierte er die lateinische Stadt von ihrer Umgebung, und der Vertrag von Nymphaion, den M. am 13. März 1261 mit Genua schloß, sicherte den Flottenaufbau. Am 25. Juli 1261 gelang dann Alexios Strategopulos die eher zufällige Einnahme der Hauptstadt, in die M. - nach der Flucht Balduins II. - am 15. August feierlich einzog, und in der er im September nochmals von Patriarch Arsenios Autoreianos gekrönt wurde. Den legitimen Kaiser Johannes IV. ließ er wenig später blenden. In den Folgejahren mußte M. sein Hauptaugenmerk auf den Schutz vor den westlichen Eroberungsplänen richten, denen er durch geschickte Diplomatie begegnete. Das Angebot, das Schisma mit der römischen Kirche zu beenden, hielt die Päpste Urhan IV., Klemens IV. und Gregor X. davon ab, die Pläne von Manfred von Sizilien und dessen Nachfolger (seit 1266 Karl von Anjou) zu unterstützen. Andererseits versuchte M. auch, sich durch dynastische Bindungen (mit Ungarn, Epirus, den russischen Tataren) aus der militärischen Umklammerung zu lösen. Gute Beziehungen hatte er auch zu den Mongolen in Vorderasien und den Mameluken in Ägypten. Trotz eines mit Wilhelm II. von Achaia geschlossenen Gewaltverzichtsvertrags gab es 1262 und 1263 Kämpfe auf der Peloponnes. Militärischen Erfolgen - 1262 am Schwarzen Meer und 1264 in Epirus, das die Suprematie des Kaisers anerkannte - standen schwere Niederlagen - 1264 in Achaia bei Makry-Plagi - gegenüber. Das Bündnis mit Genua zerbrach an der permanenten Erfolglosigkeit der genuesischen Flotte, und am 4. April 1268 wurde ein neuer Vertrag mit Venedig ratifiziert. 1267 bereits war die Situation für M. durch den Vertrag von Viterbo (Aufteilung des byzantinischen Reiches auf die Lateiner unter Karl von Anjou und
 Balduin IL), den Wilhelm II. von Achaia, Michael II. von Epirus, Stefan Uroš I. von Serbien und Konstantin Asen von Bulgarien unterstützten, kritisch geworden; die bewährte Unionspolitik verhinderte aber das Ärgste. Durch den starken äußeren Druck auf Byzanz - den Ablauf des Vertrages mit Venedig, die Aktivitäten Karls von Anjou auf dem Balkan (Herrschaft in Albanien, Bündnis mit Serbien, Bulgarien und dem Sebastokrator Johannes I. Angelos von Thessalien) - mußte M. am 6. Juli 1274 auf dem Konzil von Lyon gegen den Willen des größten Teils der orthodoxen Bevölkerung und des Klerus die Kirchenunion endgültig vollziehen. Ein inneres Schisma mit grausamen Verfolgungen der Antiunionisten durch M. war die Folge. Außenpolitisch wendete die Union zunächst die angiovinische Gefahr ab. Gegenoffensiven in Albanien und auf der Peloponnes brachten sogar Erfolge, in Thessalien scheiterte M. aber 1277. Inzwischen war auch die byzantinische Flotte zur dominierenden Macht der Ägäis geworden. Am 3. Juli 1281 beschlossen in Orvieto Karl von Anjou, der Titularkaiser Philipp I. von Courtenay und Venedig die Wiederherstellung des römischen Imperiums; der von Karl protegierte Papst Martin IV. verdammte M. als Schismatiker und erklärte ihn für abgesetzt, was die im Innern so umstrittene Unionspolitik auch nach außen hin endgültig scheitern ließ. Dieser antibyzantinischen Front folgten auch die Balkanstaaten (Nikephoros I. von Epirus, Johannes I. Angelos von Thessalien, Milutin von Serbien und Georgi I. Terter von Bulgarien, der den mit M.s Hilfe an die Macht gekommenen Asen III. 1280 abgelöst hatte). Erneut konnte M. die Katastrophe durch geschickte Taktik verhindern: mit byzantinischer Unterstützung löste im August 1282 in Sizilien Peter III. von Aragon durch einen Aufruhr, der in der blutigen „Sizilianischen Vesper“ gipfelte, Karl von Anjou ab. Das Reich, das unter M.s Nachfolgern wieder zerfiel, war noch einmal davongekommen.

Literatur

Papadopulos, Averkios Th.: Versuch einer Genealogie der Palaiologen 1259-1453. München 1938 (Neudruck Amsterdam 1962), 3-4.
Geanakoplos, Deno J.: Emperor Michael Palaeologus and the West 1258-1282. Cambridge, Mass. 1959 (mit Bibliographie).
Grégoire , Henri (Hrsg.): Imperatoris Michaelis Palaeologi, De vita sua. In: Byzantion 29/30 (1959/60) 447-476.
Wirth, Peter: Die Begründung der Kaisermacht Michaels VIII. Palaiologos. In: Jb. Österr. Byzant. Ges. 10 (1961) 85-91.
Ostrogorsky: S. 364-384 (mit Bibliographie).
The Cambridge Medieval History. IV. The Byzantine Empire. 1. Byzantium and its Neighbours. Cambridge 1966, 319-340 (mit Bibliographie).
Tsirpanlis, Constantine N.: The Involvement of Michaael VIII in the Sicilian Vesper. In: Byzantina 4 (1972) 299-329 (mit Bibliographie).
Nicol, Donald M.: The Last Centuries of Byzantium 1261-1453. New York 1972, 33-95 (mit Bibliographie).

Verfasser

Rainer Walther (GND: 119004585)


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