Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Arsenios Autoreianos

Arsenios Autoreianos, Patriarch von Konstantinopel 1254-1260, 1261-1264, * Konstantinopel um 1200, † 1273, Sohn des Richters Alexios Autoreianos.

Leben

A. hieß mit weltlichem Namen Georgios. Unter dem Namen Gennadios wurde er Mönch und Abt auf der Prinkipo-Insel Oxeia und lebte später in einem Kloster in Bithynien. Von geringer Bildung, bestieg er Ende November 1254 mit dem Namen Arsenios auf Wunsch Theodoros II. Laskaris den Patriarchenthron von Konstantinopel, nachdem er im gleichen Jahr als Mitglied einer Unionsgesandtschaft Rom besucht hatte. Um die Jahreswende 1258/1259 krönte er zwar Michael VIII. Palaiologos zum Mitkaiser des kleinen Johannes IV. Laskaris, nahm aber darauf in Anbetracht der Verdrängung des legitimen Kaisers eine feindliche Haltung gegen Michael VIII. ein, und zog sich Februar/März 1260 aus Protest wohl ohne förmliche Abdankung von der Kirchenleitung zurück. Als dann sein wenig beliebter Nachfolger Nikephoros II. (1260-1261) starb, bestieg er Mai/Juni des nächsten Jahres erneut den Patriarchensitz und krönte nach der Wiedereroberung Konstantinopels durch die Byzantiner im September 1261 Michael VIII. in der Hagia Sophia zum zweiten Mal. Die kurz darauf erfolgte Blendung des verdrängten Laskariden beantwortete er mit der Exkommunikation des Kaisers, und wurde somit allmählich zum Aushängeschild einer hauptsächlich in Kleinasien beheimateten antipalaiologischen Partei. Erst 1264 gelang es Michael VIII. den Patriarchen durch Synodalbeschluß abzusetzen und in die Verbannung zu schicken, wo er 1273 starb.
Seine zahlreichen, vornehmlich dem Mönchtum angehörenden Anhänger, die sog. Arseniten, weigerten sich, seine Nachfolger auf dem Patriarchenthron anzuerkennen, und opponierten unter Mobilisierung der Volksmassen trotz gelegentlicher Verfolgungen recht erfolgreich sowohl gegen den Kaiser wie auch die Kirchenhierarchie. Diese Situation, „Ausdruck jener Umschichtung der byzantinischen Gesellschaft, die sich im Gefolge der Verarmung des Reiches einerseits und der damit zusammenhängenden Auflösung der zentralen Reichsgewalt anderseits offenbarte“ (H.-G. Beck), wurde besonders bedrohlich, als nach der Union von Lyon (1273/74) die Arseniten ihre Agitation gegen die neue Dynastie mit antiunionistischen Parolen verbrämten. Erst 1310 konnte das Schisma der Arseniten, das zu den verworrensten Kapiteln byzantinischer Geschichte gehört, endgültig bereinigt werden.

Literatur

Sykutres, J.: Peri to schisma ton Arseniaton. In: Hellenika 2 (1929) 267-312, 3 (1930) 15-44, 5(1932) 107-126.
Laurent, V.: Les grandes crises religieuses à Byzance. La fin du schisme arsénite. In: Bull. sect. Hit. Acad. Roumaine 26, II (1945) 225-313.
Beck: S. 702-703 (mit Bibliographie).
Geanakoplos, D. J.: Emperor Michael Palaeologus and the West. Cambridge/Mass. 1959.
Ostrogorsky: S. 382-384 (mit Bibliographie).
Beck, H.-G.: Die byzantinische Kirche. Das Zeitalter des Palamismus. In: H. Kempf, H.-G. Beck, E. Ewig, J. A. Jungmann: Handbuch der Kirchengeschichte. Bd III, 2. Freiburg 1968, S. 590 (mit Bibliographie).
Laurent, V.: La Chronologie des Patriarches de Constantinople au XIIIe s. (1208-1309). In: Rev. Ét. byzant. 27 (1969) 139-140, 142-143.

Verfasser

Viktor Tiftixoglu (GND: 109239067)


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