Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Michael III.

Michael III., byzantinischer Kaiser 842-867, * Konstantinopel 839 (nach anderen 836), † (ermordet) ebd. 23./24.09. 867, Sohn von Theophilos und Theodora, letzter Amorier.

Leben

 Da M. nach dem Tode seines Vaters (842) noch minderjährig war, führte seine Mutter für ihn die Regierung, freilich nur nominell, da in Wirklichkeit alle Staatsgeschäfte der Logothet Theoktistos leitete. Theoktistos hatte seinen Rivalen Bardas, einen Bruder Theodoras, völlig ausgeschaltet. Bardas fühlte sich durch seine Verbannung vom Hof sehr zurückgestellt, ebenso hatte der heranwachsende Kaiser unter den Gängeleien seiner Mutter zu leiden. So bildeten M. und Bardas bald eine gleichgesinnte Opposition gegen das herrschende Regime. Ihre Beziehungen wurden nach der M. aufgezwungenen Heirat mit Eudokia Dekapolita (855) noch enger; M. erlaubte seinem Oheim die heimliche Rückkehr in den Palast. In dem folgenden Staatsstreich des Bardas (856) wurde Theoktistos umgebracht und die Kaiserinmutter abgesetzt. Als 860 die Russen vor Konstantinopel erschienen, verteidigte M. zusammen mit dem Patriarchen Photios die Stadt. Ab dieser Zeit trat Byzanz in Beziehung zum russischen Reich und begann eine großangelegte Missionstätigkeit. 862 bat der mährische Fürst Rastislav Konstantinopel um Entsendung von Missionaren, und M. sowie Photios entsandten die beiden Brüder Kyrill und Method nach Mähren. Auch Boris von Bulgarien sah sich 864 veranlaßt, das Christentum von Byzanz anzunehmen und erhielt den Namen Michael nach seinem kaiserlichen Taufpaten. Aber wie schon bisher zeigte sich auch weiterhin die mangelnde Willensstärke des Kaisers, die gelegentlich zu unberechenbarer Launenhaftigkeit ausartete, als dessen markantester Wesenszug. So vermochte sich M. trotz allem gegen Bardas nicht durchzusetzen, der als der eigentliche Regent zusammen mit dem Patriarchen Photios das Zeitalter des größten politischen und kulturellen Aufschwunges in der byzantinischen Geschichte einleitete. Die Rolle des Kaisers nahm sich neben den beiden, obgleich er des öfteren als Anführer seines Heeres in Erscheinung trat und Photios in seinem Kampf gegen Papst Nikolaus I. unterstützte, recht bescheiden aus. Sein ehrgeiziger Plan, wirklich Alleinherrscher zu werden, führte dann zu einer doppelten Katastrophe. So ließ M. während eines Feldzuges gegen Kreta (865) Bardas ermorden.
Der Mörder Basileios, vom kaiserlichen Stallburschen zum intimsten Berater M.s aufgestiegen, wurde dafür im nächsten Jahr zum Mitkaiser ernannt. Als er jedoch befürchten mußte, die Gunst seines Herrn zu verlieren, ließ er diesen nach einem Zechgelage umbringen und bestieg als Kaiser Basileios I. den Thron.

Literatur

Bury, John B.: A History of the Eastern Roman Empire from the Fall of Irene to the Accession of Basile I (802-867). London 1912.
Grégoire, Henry: Michael III et Basile le Macédonien dans les inscriptions d’Ancyre. In: Byzantion 5 (1929/30) 327-346.
Vasiliev, A[leksandr] A.: Byzance et les Arabes. Bd 1. La dynastie d’Amorium (820-867). Bruxelles 1935.
Jenkins, Romilly: Constantine VII’s portrait of Michael III. In: Bulletin de l’Académie de Belgique 34 (1948) 71-86.
Ostrogorsky: S. 181-193.
Mango, C.: When was Michael III born? In: Dumbarton Ooaks Papers 21 (1967) 253-258.

Verfasser

Josef Hahn (GND: 1121331297)


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