Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Mavromichalis, Kiriakulis

Mavromichalis, Kiriakulis, griechischer Politiker, * Athen 12.11.1850, † ebd. 20.01.1916, Großneffe von Petros M.

Leben

 M. studierte nach Absolvierung des Gymnasiums fünf Jahre in Paris politische Wissenschaften. 1879 wurde er als Abgeordneter für den Wahlkreis Itilos (Peloponnes) ins Parlament gewählt und schloß sich der von Alexandros Kumunduros geführten „Partei“ an. Nach dessen Tod (1883) bildete sich ein Zweiparteiensystem heraus, das aber immer noch mehr von der Persönlichkeit der Parteiführer als von politischen Programmen geprägt war. M. wurde zum Organisator und stellvertretenden Vorsitzenden der konservativen Partei von Theodoros Dilijannis. In dessen drittem Kabinett bekleidete er zum ersten Mal ein Regierungsamt, - das des Außenministers (11.06.1895 - 29.04.1897). Der für Griechenland unglückliche Krieg mit der Türkei (1897) brachte für einige Jahre die konkurrierende Partei von Alexandros Zaimis an die Macht. Erst am 2. Dezember 1902 konnte Dilijannis seine vierte Regierung bilden, in der M. gleichsam selbstverständlich wieder Außenminister wurde. Er blieb auch im Amt, als Dilijannis durch den Führer der „Neo-Trikupis- Partei“ Georgios Theotokis am 25. Juni 1903 und dieser durch Dimitrios Rallis am 11. Juli 1903 abgelöst wurde. Als nach deren Rücktritt (24.12.1904) Dilijannis erneut Ministerpräsident wurde, berief er M. nicht in seine Regierung. Nach der Ermordung des Regierungschefs (13.06.1905) erhielt M. im dritten Kabinett Rallis (26. 06. - 11.12.1905) die Doppelfunktion des Kriegs- und Marineministers. Aus den Resten der sich auflösenden Anhängerschaft von Dilijannis formte er eine eigene Partei. Gegen die Instabilität des damaligen parlamentarischen Systems, die eine stärkere militärische Rüstung und eine nachdrücklichere Verfechtung der griechischen Interessen in der kretischen und mazedonischen Frage verhinderte, hatte sich im Offizierskorps unter Oberst Nikolaos Zorhas der „Stratiotikos Sindesmos“ (Militärverband) gebildet, der wegen der Ungerechtigkeiten des Steuersystems, des Landmangels der Kleinbauern und der öffentlichen Unsicherheit auf Rückhalt in breiten Bevölkerungskreisen rechnen konnte. Durch den Militärputsch von Gudi (östlich Athen) am 28. (15.) August 1909 erzwang Zorhas den Rücktritt des vierten Kabinetts Rallis. Als Führer der stärksten parlamentarischen Gruppierung wurde M. nun mit der Regierungsbildung beauftragt. Da es ihm im folgenden Jahr nicht gelang, die mißliche Finanzlage Griechenlands zu bessern, mußte er auf Druck des Militärverbandes am 07. Februar 1910 sein Amt wieder niederlegen. Seine kurze Regierungszeit ist mit dem Ankauf des Panzerkreuzers „Georgios Averof“ verknüpft, der im ersten Balkankrieg eine wichtige Rolle spielen sollte. Es ist die Ironie des politischen Schicksals von M., daß sich der Militärverband, der ihn aus dem Amt gedrängt hatte, wenige Wochen später (30.03.1910) selbst auflöste. M. blieb noch bis 1912 Abgeordneter, zog sich aber immer mehr aus der Politik zurück. In dieser Zeit veröffentlichte er eine größere Zahl von Zeitungsartikeln unter dem Pseudonym „Evrotas“. M.’ politische Fähigkeiten reichten nicht aus, die damaligen Schwächen des griechischen Regierungssystems zu überwinden, doch markiert die Zeit seines politischen Wirkens den allmählichen Übergang zum Prinzip des parlamentarischen Vertrauens für den Regierungschef, was die Möglichkeiten des Monarchen, persönliche Parteigänger mit geringem Rückhalt in der Abgeordnetenkammer zum Regierungschef zu bestimmen, stark einschränkte.

Literatur

Aspreas, Georgios: Politiki istoria tis Neoteras Ellados. Bd 1. Athen o. J.(2).
Kordatos, Janis: Istoria tis Neoteris Elladas. Bd 4. Athen 1958.
Malenos, Miltiadis I.: I epanastasis tu 1909. Athen 1965.
Korisis, Hariton: Die politischen Parteien Griechenlands. Hersbruck, Nürnberg 1966.

Verfasser

Gerhard Grimm (GND: 13735374X)

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Empfohlene Zitierweise: Gerhard Grimm, Mavromichalis, Kiriakulis, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 128-129 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1313, abgerufen am: (Abrufdatum)

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