Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Zaimis, Alexandros

Zaimis, Alexandros, griechischer Politiker, Präsident der Republik 1929-1935, * Athen 1856, † ebd. 15.09.1936, Sohn des Thrasivulos Z., Enkel des Andreas Z.

Leben

Z. studierte an den Universitäten Athen, Berlin, Heidelberg und Paris Rechts- und Staats Wissenschaften. 1855 wurde er als Abgeordneter von Kalavrita, des Heimatwahlkreises seiner Familie, ins Parlament gewählt und schloß sich der Fraktion des Theodoros Dilijannis an. In dessen Kabinett setzte er als Justizminister 1890 Reformen im Justizwesen durch. 1891 übernahm er das Innenministerium und ging energisch gegen illegales Waffentragen und Kartenspiele vor. Im September 1897 trennte er sich von seiner Partei. Als nach dem verlorenen Krieg gegen die Türkei das Parlament am 30. (18.) September 1897 den Istanbuler Vorfrieden vom 18. (6.) September verwarf und die Regierung des Dimitrios Rallis stürzte, beauftragte ihn Georg I. mit der Bildung einer neuen Regierung, die am 3. Oktober (21. 9.) vereidigt wurde. Z., der auch das Außenministerium leitete, gelang es, am 4. Dezember (22. 11.) Frieden zu schließen und das Parlament zur Annahme der von den Gläubigermächten und besonders Deutschland geforderten Internationalen Finanzkontrolle zur Sicherung des Schuldendienstes trotz der Zahlung einer Kriegsentschädigung von vier Millionen türkischen Pfund an das Sultansreich zu bewegen. Seither genoß der bedächtige, konservative und ungewöhnlich wortkarge Z. das besondere Vertrauen des Königs. Obwohl in den Wahlen am 19. (7.) Februar 1899 nur 14 Kandidaten seiner neuen Partei einen Sitz erhalten hatten, berief ihn Georg I. , als Georgios Theotokis nach den Krawallen wegen der Bibelübersetzung zurückgetreten war, am 25. (12.) November 1901 wieder zum Ministerpräsidenten. Das Parlament reagierte mit einem Sturm der Entrüstung auf diese Praktiken des Königs aus der Zeit vor dem Verfassungskonflikt und der Einführung des parlamentarischen Regierungssystems 1875. Mit Zustimmung der Mächte folgte Z. am 1. Oktober (18. 9.) 1906 Prinz Georg als Hochkommissar der autonomen Insel Kreta nach. 1912 wurde er ins griechische Parlament gewählt, übernahm 1913/14 diplomatische Sondermissionen und 1914-1920 die Leitung der Nationalbank. Nachdem Eleftherios Venizelos wegen seines Konfliktes mit Konstantin I. in der Frage des Kriegseintritts Griechenlands am 5. Oktober (22. IX.) 1915 zum zweiten Male zurückgetreten war, wurde Z., der den Neutralitätskurs des Königs unterstützte, aber bei der Entente Ansehen genoß, am 7. Oktober (24. 9.) Ministerpräsident und Außenminister in einer Koalition mit Dimitrios Gunaris. Das britische Angebot einer Abtretung Zyperns und Ostthraziens im Falle der Kriegsbeteiligung griff er nicht auf. Wegen des Verhaltens des Heeresministers General Ioannis Giannakitsas am3. November(21.10.)im Parlament entzog ihm die liberale Kammermehrheit das Vertrauen. Die Übergabe der Rupelfestung an deutsche und bulgarische Truppen am 27. (14.) Mai 1916 beantwortete die Entente am 21. (8.) Juni mit harten Forderungen (Demobilisierung, neue Regierung ohne politischen Charakter, Einhaltung wohlwollender Neutralität, Parlamentsauflösung, Neuwahl, Entlassung hoher Polizeioffiziere), für deren Annahme sich wieder Z. am 22. (9.) Juni 1916 als Ministerpräsident und Außenminister zur Verfügung stellte. Nach dem Ausbruch der Rebellion in Saloniki, die später zur Bildung einer Gegenregierung unter Venizelos führte, nach dem Kriegseintritt Rumäniens und dem Vorrücken der Italiener in Nordepirus sondierte Z. am 30. August 1916 die Möglichkeit der Kriegsbeteiligung an der Seite der Entente. Doch wollten die Regierungen in London und Paris nicht vorher über Bedingungen verhandeln Z. akzeptierte auch die neuen Forderungen der Westmächte (Ausweisung deutscher Agenten, Kontrolle von Post, Telefon- und Telegrafenverbindungen, Eisenbahnen und Häfen durch die Entente), trat aber am 11. September (29. 8.) wegen des fortgesetzten Druckes der Entente, Deutschlands und Bulgariens sowie der starren Haltung des Königs zurück. Am 4. Mai (21. 4.) 1917 folgte er Spiridon Lampros als Ministerpräsident und hatte das von Frankreich durchgesetzte neue Ultimatum entgegenzunehmen, mit dem die Abreise Konstantins I. und des Thronfolgers Georg (II.) gefordert wurde. Am 24. (11.) Juni 1917 trat er zurück. Sowohl Nikolaos Plastiras und Stilianos Gonatas wie auch die Führer des mißglückten Putsches von 1923 hatten Z. als möglichen Regierungschef vorgesehen. Nach dem Sturz des Diktators Theodoros Pangalos wurde Z. am 4. Dezember 1926 Ministerpräsident einer Regierung der großen Koalition. Am 14. Dezember 1929 favorisierte Venizelos seine Wahl zum Präsidenten der Republik, weil er hoffte, Z. werde auf Grund seiner politischen Vergangenheit für die Gegner der Liberalen akzeptabel sein, andererseits sein Amt nicht durch extensiven Gebrauch seiner Vollmachten in unerwünschtem Grade stärken. Die Folge war, daß der energielose, als Repräsentant der umstrittenen Republik wegen seiner Teilnahmslosigkeit und Apathie höchst ungeeignete Mann in den Krisen der dreißiger Jahre versagte. Seine Wiederwahl am 19. Oktober 1934 gegen die Stimmen der Liberalen, die inzwischen die Auswirkung seiner Schwäche erkannt hatten, war eine weitere Voraussetzung für den Erfolg derjenigen Kräfte, die eine Restauration des Königtums anstrebten: Am 10. Oktober 1935 wurde die Republik durch einen Militärputsch beseitigt.

Literatur

Aspreas, Georgios: Politiki istoria tis neoteras Eliados. Bd 2. Athen 1923.
Leon, George: Greece and the Great Powers 1914-1917. Thessaloniki 1974.
Dafnis, Grigorios: I Ellas metaxi dio polemon 1923-1940. 2 Bde. Athen 1955.

Verfasser

Gunnar Hering (GND: 1078119694)

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Empfohlene Zitierweise: Gunnar Hering, Zaimis, Alexandros, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 479-480 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1886, abgerufen am: (Abrufdatum)

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