Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Dilijannis, Theodoros

Dilijannis, Theodoros, griechischer Staatsmann, * Tripolis (Peloponnes) 19.05.1824, † Athen 13.05.1905, Sohn von Panagos D.

Leben

Nach Absolvierung des Gymnasiums in Nauplia kam D. 1840 nach Athen und nahm das Jura-Studium an der Athener Universität auf. Nach seiner Promotion (1845) wurde er zunächst als Protokollführer im Parlament eingestellt, ging dann ins Sekretariat des Innenministeriums und wurde 1859 zum Generalsekretär desselben Ministeriums befördert. In dieser Zeit unternahm er gemeinsam mit Georgios Zinopulos eine große Gesetzessammlung der Jahre 1833-1860, die er in drei Bänden veröffentlichte (1860-1862).
Wohlwollend gegenüber der Monarchie Ottos eingestellt, enthielt er sich der antimonarchistischen Bewegung in den Jahren 1859-1862. In der Zeit des Interregnums trat er vom Staatsdienst zurück und wandte sich der Politik zu. Er wurde in die 2. Nationalversammlung als Abgeordneter seiner Heimat, Gortyniens, gewählt (November 1862), von der Nationalversammlung zum Außenminister ernannt und mit der Leitung der Verhandlungen zur Wahl des neuen Königs beauftragt (27.03.1863).
In der Nationalversammlung nahm er gegen die geplanten Maßnahmen des Revolutionsrates zur Abwehr von konterrevolutionären Umtrieben der Anhänger des verbannten Otto Stellung. Auch in der Frage der Veröffentlichung des geheimen Briefwechsels Ottos (April 1863) verteidigte er die Geheimhaltung der den abgesetzten König kompromittierenden Dokumente.
Nach der Ankunft König Georgs I. bekam er von neuem das Außenministerium in den beiden Kabinetten Kanaris’ (5.03.1864 bis 16.04.1864 und 26.07.1864 bis 2.03.1865). Beim Ausbruch des griechischen Aufstandes auf Kreta wurde er als Botschafter nach Paris gesandt (1866), um die Unterstützung Frankreichs zu erreichen, was ihm jedoch nicht gelang. Am 25. Januar 1869 wurde er als Außenminister ins Kabinett seines Vetters Thrasivulos Zaimis berufen (bis 8.07.1870) und mußte nach dem Scheitern des kretischen Aufstandes die für Griechenland ungünstigen Beschlüsse der Pariser Konferenz hinnehmen.
Als Wirtschaftsminister im neuen Kabinett Zaimis' (28.10. 1871) traf er eine Reihe von Sparmaßnahmen. In der kurzlebigen Kanaris-Regierung (26.05.1877 bis 10.1. 1878) übernahm er das Kultusministerium. Nach Kanaris' Tod wechselte er zu Alexandros Kumunduros über und wurde zum Außenminister in dessen Kabinett ernannt (11.1. bis 20.10. 1878).
Während des russisch-türkischen Krieges organisierte D. die griechische Intervention in Thessalien, und beim Berliner Kongreß (1878) gelang es ihm, die Abtretung Thessaliens und des Arta-Gebietes an Griechenland zu erwirken.
Nach Kumunduros’ Tod (1883) übernahm er die Führung der starken konservativen Partei und wurde somit zum Hauptgegner der Erneuerungsbestrebungen von Charilaos Trikupis. Die Wahlen vom 7. April 1885 konnte er gewinnen: als skrupelloser Demagoge hatte er den Wählern die Abschaffung der von Trikupis verabschiedeten Steuern versprochen. Während seiner ersten Regierung (19.04.1885 bis 26.04.1886) ließ er seine Wahlversprechungen jedoch unerfüllt.
Während der Krise in Ostrumelien (September 1885) betrieb er eine abenteuerliche Mobilisierungspolitik, die die Großmächte am 26. April 1886 zur Blockade der griechischen Küste veranlaßte und zum Rücktritt D.s führte.
Auch das nächste Kabinett Trikupis (9.05.1886 bis 24.10. 1890) konnte er mit harter Opposition gegen dessen Wirtschaftspolitik und demagogischen Appellen ans Volk zu Fall bringen. Sein neues Kabinett (24.10. 1890 bis 18.02.1892), in dem er auch das Innen- und das Kriegsministerium leitete, mußte der anschwellenden Inflation und Wirtschaftskrise weichen. Die neuen Wahlen von 1893 brachten wieder Trikupis an die Macht und mit ihm die Bankrotterklärung vom 30. Oktober 1895.
Nach Trikupis' Ausscheiden bildete D. eine neue Regierung. Er traf Sparmaßnahmen zur Rettung der griechischen Währung, verfolgte jedoch in der kretischen Frage (1897) unter dem Druck des „Nationalen Bundes“ und anderer nationalistischen Organisationen eine verantwortungslose Rüstungs- und Kriegspolitik, die zum Krieg mit der Türkei führte, was den wirtschaftlichen Ruin und den politischen Zusammenbruch Griechenlands zur Folge hatte.
Später kam D. noch einmal an die Macht (1902-1903) und gewann von neuem die Wahlen vom 20. Februar 1905, wurde jedoch kurz danach, im Mai 1905, vor dem Abgeordnetenhaus ermordet.
D. vertrat eine konservative Innenpolitik, die die Bestrebungen des griechischen Bürgertums, mit der ökonomischen und politischen Entwicklung Westeuropas Schritt zu halten, ignorierte.

Literatur

Aspreas, Georgios: Politiki istoria tis Neoteras Eliados. Bd 1. Athen o. J.(2), 134-271.
Kordatos, Janis: Istoria tis Neoteris Elladas. Bd 4. Athen 1958, 471-485, 536-562.

Verfasser

Georg Veloudis (GND: 124116787)

GND: 1100093907


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Empfohlene Zitierweise: Georg Veloudis, Dilijannis, Theodoros, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 398-400 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=731, abgerufen am: (Abrufdatum)

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