Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Mavromichalis, Petros

Mavromichalis, Petros (Petro Bey), griechischer Freiheitskämpfer und Politiker, * (Mani) 1765, † Athen 29.01.1848.

Leben

 Im 18. Jh. beherrschte die Rivalität zwischen den Familien Tzanitakis und M. das Leben in der südpeloponnesischen Berglandschaft Mani. Ab 1781 war den M. die Lokalverwaltung als „Beys“ von den Türken übertragen. Nach dem Tode seines Vaters Pierros (1800) war M. das Oberhaupt der weitverzweigten Familie. 1804 verhalf er einer Gruppe von Türken verfolgter Kleften zur Flucht nach den Ionischen Inseln. Er soll in dieser Zeit auch Verbindung zu Napoleon aufgenommen haben. Das von lokalen Gegnern geschürte Mißtrauen der Pforte konnte er zwar zerstreuen, 1816 wurde er als „Bey“ bestätigt, seit dieser Zeit trug er den Beinamen Petro Bey, aber seine Söhne Anastasios und Georgios mußte er als Geiseln nach Istanbul senden. Von seinem Wohnsitz Kitries aus sorgte er für die öffentliche Ordnung in der Mani. 1818 ließ er sich durch Ilias Chrisospathis und Christojoros Perrevos für die „Hetärie“ werben, versuchte aber im folgenden Jahr - freilich vergeblich - bei Kapodistrias zu klären, ob Rußland einen griechischen Aufstand unterstützen werde. Durch die Heirat eines Bruders mit der Schwester des Primaten Panajotis Venakis von Kalamata dehnte er seinen Einfluß nach Messenien aus. Mit etwa 2000 Kriegern nahm M. am 23. März 1821 die Hafenstadt Kalamata und richtete von dort aus einen Appell zur Unterstützung der Erhebung an die Großmächte. Während er seinen Sohn Ilias mit Theodoros Kolokotronis ins Innere der Peloponnes vorrücken ließ und sein Bruder Antonios M. mit den übrigen Maniaten gegen Koroni zog, organisierte er die Gerusia von Kaltezä (26.05.1821), die ihn zum vorläufigen Regierungschef bestimmte. Als dann am 19. Juni 1821 Dimitrios Ipsilantis in Astros auf der Peloponnes eintraf, wurde dieser Präsident des Senats, während M. die militärische Führung des Aufstandes erhielt. Im Oktober 1821 war M. wesentlich mit seinen Maniaten an der Eroberung von Tripolitsa beteiligt. Im August des folgenden Jahres stellte er sich mit Kolokotronis dem in die Peloponnes einbrechenden Heer des Mahmud Pascha Dramali entgegen und schlug es zurück. Im November 1822 brach er mit den Truppen von Andreas Zaimis, Kanellos Dilijannis und Andreas Lontos die erste türkische Belagerung von Missolunghi. Im Dezember 1822 wurde er zu Astros zuerst zum Vorsitzenden der 2. Nationalversammlung, dann zum Regierungschef berufen. Der Quertreibereien des Alexandros Mavrokordatos müde, zog er sich als Privatmann nach Kalamata zurück (31.12.1823). In den bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen den Kapetani (Kolokotronis) und den Primaten (M., Mavrokordatos, Kunturiotis) suchte er zwischen den streitenden Parteien zu vermitteln. Sein Bruder Konstantin war immerhin Mitglied der Regierung Georgios Kunturiotis. Am 19. Mai 1825 wurde er zum Mitbefehlshaber von Kolokotronis ernannt; nicht nur infolge seiner Erkrankung an Gicht blieb diese Funktion auf dem Papier. Als immer wieder gewähltes Mitglied der Nationalversammlung setzte sich M. für die Berufung von Kapodistrias ein und wurde am 3./4. Februar 1828 neben Georgios Kunturiotis (Finanzen) und Andreas Zaimis (Inneres) einer der drei Vorsitzenden des Panhellenions und war für die militärischen Angelegenheiten zuständig. Wegen der Zentralisierungstendenzen des „Kivernitis“ und wegen der Regelung der Kriegsentschädigung kam es aber bald zu Spannungen. Zuerst wurde sein Bruder Tzanis, dann M. selbst in Nauplia inhaftiert und des Hochverrats angeklagt. Sein Bruder Konstantinos und sein Sohn Georgios rächten die Demütigung durch das Attentat auf Kapodistrias (09.10. 1831). Unter König Otto wurde M. am 27. (15.) Oktober 1835 zusammen mit Andreas Zaimis und Georgios Kunturiotis Vizepräsident des Staatsrates, konnte aber ebensowenig wie als Senator nach der Revolution von 1843 noch politischen Einfluß ausüben. Unter den Primaten des Festlandes war M. in den ersten Kriegsjahren wohl der bedeutendste politische Führer, hat aber in den späteren Jahren seine Schwächen - partikularistische Perspektive und materielle Interessen - nicht überwinden und damit auch nicht für ein größeres Griechenland wirksam werden können.

Literatur

Gudas, Anastasios: Vii parallili ton epi tis anagenniseos tis Eliados diaprepsanton andron. Bd 7. Athen 1876, 117-152.
Filimon, Ioannis: Dokimion istorikon peri tis ellinikis epanastaseos. 4 Bde. Athen 1859/61, passim.
Petropulos, John Anthony: Politics and Statecraft in the Kingdom of Greece, 1833-1843. Princeton 1968.
Stasinopulos, Christos A.: Lexiko tis ellinikis epanastaseos. Bd 3. Athen 1972, 90-98.

Verfasser

Gerhard Grimm (GND: 13735374X)

GND: 116857919


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Empfohlene Zitierweise: Gerhard Grimm, Mavromichalis, Petros, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 129-130 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1314, abgerufen am: (Abrufdatum)

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