Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

In den Suchergebnissen blättern

Treffer 
 von 1526

Crnojevići

Crnojevići, auch Djurasi, Djurasevici, Gojcinovici oder Kalodjurdjevici, doch seit Mitte des 15. Jh.s überwiegt das Patronymikon C., eine seit 1331 (mit Radič Crnojević, † 1396) nachweisbare Adels- und Herrscherfamilie in Montenegro (Zeta), die seit Ende des 14. Jh.s mit den Balšići den Kampf um die Vorherrschaft in der Zeta führte, in dem sie nach dem Aussterben der Balšići (mit dem Tod von Balša III. 1421) den Sieg davontrug. Ihr Herrschaftsbereich lag im Gebiet von Katun nahe der Küste, vom Ende des 14. Jh.s an in Budva und Umgebung; ab Mitte des 15. Jh.s war ihre Residenz Žabljak an der Mündung der Morača in den Skutari-See. Sie vertraten meist die Interessen Venedigs, das sie reichlich mit Titeln, Geschenken und Pensionen belohnte.

Leben

Stefan Crnojević (Stefanica), Herrscher der Zeta 1426-1465, Sohn des Djuradj C. Er sicherte sich die Macht dadurch, daß er seine Brüder ausschaltete und von Herzog Stefan Vukčić, dem serbischen Despoten Djuradj Branković und vor allem der Republik Venedig Unterstützung annahm. Die Venezianer bestätigten ihm 1451 die Erbbesitztümer, die die C. bereits zur Zeit des Despoten Stefan Lazarević besessen hatten, ferner Salzwerke am Meer und Zollrechte in Kotor. 1452 leistete er, unter Annahme der venezianischen Fahne, der Republik Venedig den Treueeid und erhielt eine Urkunde über die Ernennung zum venezianischen Hauptmann sowie den Titel eines Woiwoden der Gornja Zeta, verbunden mit einer Pension von 600 Dukaten im Jahr. Im gleichen Jahr nahm er Podgorica in Besitz und verdrängte den Despoten Djuradj Branković aus der Zeta, womit er wesentlich zur Festigung der venezianischen Macht im Küstengebiet beitrug. In Voraussicht der Kämpfe mit den Türken pflegte er eine freundschaftliche Politik mit den benachbarten albanischen Feudalherren. Mit Skanderbeg stand er in verwandtschaftlicher Beziehung: Seine Gattin Marija war die Tochter von Ivan Kastriota und eine Schwester von Skanderbeg.
Ivan Crnojević, Herrscher der Zeta 1465-1490, Sohn des Stefan C. In der mündlichen Tradition bekannt als Ivan Bey (vgl. die epischen Lieder Karadžić: Bd 2, Nr. 88; Bd 4, Nr. 36, 45; Milutinović: Nr. 70; Bogišić: Nr. 76 u. a.), verbrachte er einen guten Teil seiner Jugend als Geisel für seinen Vater bei Herzog Stefan Vukčić. Sein Leben war voller Krisen. Im Gegensatz zu seinem Vater war er von Anfang an antivenezianisch eingestellt, d. h. daß er sofort bei Herrschaftsantritt sein Vasallenverhältnis zu lösen versuchte. Dadurch kam es zum offenen Konflikt mit Venedig, das sogar ein Kopfgeld auf ihn aussetzte. Da erkannte Ivan jedoch auf Anraten von Herzog Stefan und Skanderbeg die venezianische Oberhoheit erneut an und erhielt 1466 eine Summe von 1200 Dukaten. Von da an nahm er erfolgreich auf Seiten Venedigs an den Türkenkämpfen in Albanien und um Skutari (Shkodra) teil und wurde 1473 für seine Verdienste geadelt. Als dieser Kampf während der türkischen Großoffensive in Albanien eine ungünstige Wende nahm, ließ ihn Venedig im Stich, schloß 1479 Frieden mit den Türken und trat ihnen Skutari ab. Ohne Unterstützung konnte Ivan jedoch den ständigen Einfällen der Türken nicht standhalten und mußte, nachdem die Türken Žabljak und andere Gebiete in der Zeta eingenommen hatten, nach Venedig fliehen. Nach zweijährigem Aufenthalt in Venedig kehrte er, die aus dem Tod Mehmeds II. und den Erbfolgekämpfen resultierenden Erschütterungen im Osmanischen Reich ausnutzend, in die Zeta zurück, befreite einen großen Teil des Landes von den Türken und erneuerte 1481-1490 den Staat, wenn auch in etwas verringertem Umfang, da die Donja Zeta mit Žabljak auch weiterhin unter türkischer Herrschaft blieb. Mittelpunkt des erneuerten Staates war zuerst Obod, dann aber aus Sicherheitsgründen Cetinje in der Gornja Zeta. Ivan wurde türkischer Vasall und mußte als Unterpfand seiner Loyalität seinen Sohn Staniša zu Sultan Bayezid II. nach Istanbul schicken. Staniša trat zum Islam über, nannte sich Skender und war unter dem Namen Skenderbeg-lvanbegović 1514-1528 türkischer Statthalter (Sandschakbey) in Montenegro. - 1484 errichtete Ivan in Cetinje ein Kloster und schenkte ihm Besitztümer mit Urkunde vom 4. Januar 1485. Doch auch hier fand er keine Ruhe: Während er weiterhin gegen die Türken kämpfte, wurde er häufig gleichzeitig von den Venezianern erpreßt und wichtiger Einnahmequellen (Salinen) beraubt. Im Kampf nach beiden Seiten starb er 1490.
Djuradj Crnojević, Herrscher der Zeta 1490-1496, † Anatolien 1503, ältester Sohn und Nachfolger von Ivan C. Er übte, um sich gegen den Druck von außen und die Schwierigkeiten im Innern (Bruderzwist) zu behaupten, eine schwankende Politik gegenüber den Türken aus, wobei er gleichzeitig auch bei der Republik Venedig Rückhalt suchte. Der Einfluß Venedigs machte sich auch über seine Gattin Jelisaveta (im Volkslied wird sie beschuldigt, Zwietracht zwischen Djuradj und seinem Bruder Stefan gesät und damit indirekt den Untergang Montenegros verschuldet zu haben), eine Tochter des venezianischen Patriziers Antonio Erizzo, bemerkbar. Als 1494 Karl VIII. von Frankreich als Erbe der Anjous das Königreich Neapel mit dem Ziel einer Erneuerung des byzantinischen Imperiums erobert hatte und einen Kreuzzug gegen die Türken plante, nahm Djuradj Verbindung mit ihm auf. Das Vorhaben bestand darin, in Albanien, Montenegro und anderen Balkanländern Aufstände zu entfachen. Djuradjs Bruder Stefan, der die Kreuzzugsidee nicht billigte, enthüllte dem Sultan den Plan. Feriz, Sandschakbey von Skutari, erhielt darauf den Befehl, mit einem Heer gegen Djuradj zu ziehen. Da Djuradj nicht ausreichend Kräfte zum Widerstand besaß, mußte er 1496 per Schiff über Budva nach Venedig fliehen, wo er z. T. schwere Zeiten erlebte und einmal sogar (wegen Kritik an den venezianischen Behörden) eingekerkert war. Während in der Zeta Stefan als Exponent der Türken (1496-1499) fungierte, bemühte sich Djuradj in Venedig um eine Erneuerung der Kreuzzugspläne gegen die Türken. Als er mit seinen Bestrebungen jedoch keinen Erfolg hatte, setzte er während des venezianisch-türkischen Kriegs (1498-1503) heimlich nach Montenegro über, wo sein Bruder 1499 den ganzen Staat an die Türken verloren hatte, und versuchte vergeblich einen Aufstand. Feriz Bey lockte ihn nach Skutari, nahm ihn gefangen und schickte ihn nach Istanbul, wo er allen Rechten auf die Zeta abschwören mußte. Begnadigt wurde er nach Anatolien gebracht, wo er ein Lehen erhielt. - Während seiner Herrschaft wurde 1493 in Cetinje die erste serbische Druckerei gegründet, die bis 1496 in Betrieb war.

Literatur

Miklosich, Franz: Die serbischen Dynasten Crnojevići. Wien 1886.
Tomić, Jovan N.: Crnojevići i Crna Gora od 1479. do 1528. god. In: Glas SA 58 (1900) 143-200; 60 (1901) 65-152; 62 (1901) 47-111.
Ders.: Prilozi za istoriju Crnojevića i Crne Gore. In: Spomenik SA 47 (1909) 1-48.
Jireček: passim.
Radojičić, Djordje: O štampariji Crnojevića. In: Glasn. Skop. nauč. Društ. 19 (1938) 133-172.

Verfasser

Dagmar Burkhart (GND: 12883322X)

GND: 1018225811


Warning: file_get_contents(): SSL operation failed with code 1. OpenSSL Error messages: error:1414D172:SSL routines:tls12_check_peer_sigalg:wrong signature type in /www/htdocs/w00daf99/BioLex/BioLexViewview.php on line 1443

Warning: file_get_contents(): Failed to enable crypto in /www/htdocs/w00daf99/BioLex/BioLexViewview.php on line 1443

Warning: file_get_contents(https://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks/-biolex-ios?format=seealso&id=1018225811): failed to open stream: operation failed in /www/htdocs/w00daf99/BioLex/BioLexViewview.php on line 1443

RDF: RDF

Vorlage (GIF-Bild):  Bild1   Bild2   Bild3   

Empfohlene Zitierweise: Dagmar Burkhart, Crnojevići, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 335-337 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=685, abgerufen am: (Abrufdatum)

Druckerfreundliche Anzeige: Druckerfreundlich

Treffer 
 von 1526
Ok, verstanden

Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Mehr Infos