Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Vreto, Jani

Vreto, Jani, albanischer Patriot, * Postenan, Leskovik (Südalbanien) 1822, † Athen 1900.

Leben

V. erhielt seine Grundausbildung an einer griechischen kirchlichen Schule und besuchte dann das berühmte Zosimea-Gymnasium in Janina. Im Gymnasium begann er sich für die albanische Sprache zu interessieren und schrieb ein Poem über Skanderbeg Gleichzeitig sammelte er Redewendungen für ein albanisches Wörterbuch, das er zu veröffentlichen plante, sowie Volkslieder, und stellte ein auf dem Griechischen beruhendes Alphabet für die albanische Sprache zusammen. Begegnungen mit Naum Veqilharxhi und Anastas Kullurioti bestärkten ihn in seinen patriotischen Bestrebungen. In den 1860 er Jahren befand sich V. in Istanbul und versuchte ohne Erfolg ein Handelsgeschäft aufzubauen. 1872 kam er mit einer Gruppe albanischer Patrioten in Kontakt, die bedeutende Stellungen im öffentlichen und kulturellen Leben des Osmanischen Reiches einnahmen, wie Ferid Pascha Vlora, Hoxha Tahsin, Sami Frashëri, Pashko Vasa usw. 1867 bereits hatten die in Istanbul ansässigen albanischen Notabein erkannt, daß es notwendig wäre, ein einheitliches albanisches Alphabet zu schaffen, denn die Muslime schrieben ihre Muttersprache in arabischer, die orthodoxen Christen in griechischer, die Katholiken in lateinischer Schrift. Mit Zustimmung des damaligen Großwesirs Ali Pascha begann man in Istanbuler Albaner- Kreisen die Alphabetfrage zu diskutieren. Es wurde eine Kommission gebildet, der Hoxha Tahsin, Sami Frashëri, Pashko Vasa und V. angehörten und deren einzige Aufgabe darin bestand, ein albanisches Einheitsalphabet zu schaffen. Die Mitglieder der Kommission waren sich aber selbst nicht einig, denn Hoxha Tahsin proklamierte ein eigenes von ihm erfundenes Alphabet, Pashko Vasa bevorzugte das lateinische und V.-das griechische. Angenommen wurde schließlich das von Sami Frasheri vorgeschlagene Alphabet, das auf dem lateinischen beruhte, sich aber für Laute, die das Lateinische nicht hatte, griechischer Buchstaben bediente. Die Kommission gab ein „Alfabetare e gluhese shqip“ (Fibel der albanisehen Sprache) heraus, in dem sich zwei längere Beiträge von V. befanden: „Udhe e te shkruarit te gluhësë shqip“ (Weg zur Schreibung der albanischen Sprache) - eine erste Phonetik der albanischen Sprache, und „Numërëmësonjë“ (Rechenkunde) - eine Einführung in die vier Grundrechenarten. Im gleichen Jahre wurde die „Shoqeri e te shtypurit shkronja shqip“ (Gesellschaft für den Druck albanischer Bücher) gegründet, im Volksmund „Istanbuler Gesellschaft“ genannt. Das Statut dieser Gesellschaft verfaßte V.; die Aufgabe der Gesellschaft bestand danach im Druck albanischer Bücher, vor allem Schulbücher, und in der Eröffnung albanischer Schulen im Heimatland.
Während des Berliner Kongresses veröffentlichte Abdyl Frashëri in der Istanbuler Zeitung „Basiret“ (Umsicht) einen Artikel, in dem er die Berechtigung griechischer Ansprüche auf albanisch besiedelte Gebiete in Epirus bestritt. Auf diesen Artikel reagierte die griechische Presse in Istanbul sehr heftig, besonders die Zeitung „Neologos“. Daraufhin veröffentlichte V. in griechischer Sprache eine „Apologie“, in der er sich mit der Herkunft der Albaner, der albanischen Sprache und Geschichte, der albanischen Siedlungsausbreitung und den Rechten der Albaner beschäftigte.
V. zeigte nicht nur große Aktivität innerhalb der „Istanbuler Gesellschaft“, er arbeitete auch an der Herausgabe der Zeitung „Drita“ (Das Licht), nach der dritten Nummer umbenannt in „Dituria“ (Wissen), mit, die 1884 in Istanbul herauskam. Als die türkische Regierung begann, der Arbeit der Gesellschaft Schwierigkeiten zu machen, dehnte V. seine Aktivität in das Ausland aus: Zunächst eröffnete er im ägyptischen Alexandria eine Filiale, und dann gründete er am 16. Dezember 1884 in Bukarest eine neue Gesellschaft namens „Drita“ (Das Licht). Einigen Quellen zufolge soll V. Leiter dieser Gesellschaft gewesen sein, neuere Forschungen ergaben aber, daß Anastas Avramidi Lakge diesen Posten einnahm. Die Gesellschaft schaffte sich eine Druckerei an und begann 1886 mit dem Druck albanischer Bücher. Allein im Laufe des ersten Jahres wurden 10 Bücher veröffentlicht - sechs von Naim Frashëri, zwei von Sami Frashëri und zwei von V. selbst. Eines dieser Werke V.s war die „Mirevetija“ (Ethik). Der Druck dieses Buches wurde im wesentlichen von V. selbst besorgt: Er setzte den Text, las die Korrekturen, führte die Bindearbeiten und die Spedition durch. V. sorgte auch dafür, daß zwei bisher unveröffentlichte, in arabischer Schrift verfaßte und von ihm transkribierte Bücher gedruckt wurden: Es waren dies „Erveheja“ von Muhamed Kyçyku-Çami und „Vehbije“ von Tahir Boshnaku aus Gjakovica. In einer Quelle werden noch zwei weitere Werke V.s erwähnt: „Mendime rreth shkrimit të gjuhës shqipe“ (Gedanken über die Schreibung der albanischen Sprache) und „Shenime për shkrimin e gjuhës shqipe“ (Anmerkungen zur Schreibung des Albanischen); es ist aber nicht festzustellen, ob es sich dabei um Bücher, Artikel oder Vorträge handelt.
In den 90 er Jahren des vergangenen Jh.s spielte V. kaum noch eine Rolle in der albanischen Kolonie von Bukarest, deren Führung an seinen politischen Gegner Nikolla Naço übergegangen war. V., Anastas Avramidi Lakçe, Konstantin Eftimiu und Vasil Tarpo vertraten eine progriechische Haltung, während Naço in Griechenland die größte Gefahr für die Zukunft des albanischen Volkes und der albanischen Kultur sah. Während des griechisch-türkischen Krieges (1897), in dem Griechenland offen seine Ansprüche auf mehrheitlich von Albanern besiedelte Gebiete anmeldete und eine große Zahl von Albanern auf türkischer Seite kämpfte, befürwortete V. eine griechisch-albanische Union. Das mag der Grund dafür sein, daß Faik Konica V. einen „Graecomanen“ nannte. Trotzdem steht ohne Zweifel fest, daß V. in der Zeit der albanischen Nationswerdung eine große Rolle spielte. Er blieb seinen Ideen bis zum Tode treu und verbrachte sein Leben in Armut.

Literatur

Uçi, Alfred: Shënime mbi pikëpamjet filozofike dhe shoqërore të Jani Vreto. In: Bul. Univ. shtet., Ser. Shk. shoq. 14 (1960) 3, 48-90.
Historia e letërsisë shqipe. Prishtinë 1968, 448-449.
Iancovici, Sava: Relations roumano-albanaises à l’époque de la renaissance et de l’emancipation du peuple albanais. In: Rev. Ét. sud-est europ. 9 (1971) 3-48.
Uçi, Alfred: Jani Vreto. Vepra të zgjedhura. Tiranë 1973.

Verfasser

Hasan Kaleshi (GND: 1084144948)

GND: 1096211483


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Empfohlene Zitierweise: Hasan Kaleshi, Vreto, Jani, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 445-447 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1863, abgerufen am: (Abrufdatum)

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