Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Vranyczány, Ambroz

Vranyczány (Vragnizan, Vranjican), Ambroz (Ambros) d. J., kroatischer Unternehmer und Politiker, * Stari Grad (Hvar) 13.10. 1801, † Ragaz (Schweiz) 12.07.1870, aus mitteldalmatinischer Familie, die, seit Anfang des 19. Jh.s im ungarisch-kroatischen Küstenland, dort zu einer der reichsten Unternehmerfamilien aufstieg.

Leben

Ambroz V. d. Ä. und V.s Vater Simon begründeten ein Handelskapital, das sie nach der Bestätigung des dalmatinischen (1822) und der Verleihung des ungarischen Adels (1827 bzw. 1837) teilweise in Großgrundbesitz anlegten. Die von V.s Vater begründete Fiume- Karlstädter Linie der Familie betrieb ein durch ihre Mitglieder an den wirtschaftlichen Schlüsselpunkten des nordadriatisch-kroatischen Raums vertretenes Unternehmen, das in der Krise des ungarländischen Getreidehandels nach 1830 durch den Export von Eichenholz prosperierte. V., in Karlstadt als dem Zentrum des Transithandels an die nordadriatischen Häfen, erkundete selbst Waldbestände in Slawonien und Bosnien.
Ende der 1830er Jahre gehört V. zum Karlstädter Kreis der Illyristen, gründet hier 1838 die „Illyrische Lesegesellschaft“ mit. Sein besonderes Interesse galt dem Ausbau der Verkehrswege. V. initiierte die Gründung der „Save-Kulpa Dampfschiffahrts-Gesellschaft“, die jedoch nach einem Jahr im Herbst 1845 den Betrieb einstellte. Mit deren Dampfer ließ er das von ihm finanzierte illyristische Blatt „Branislav“ aus Belgrad einschmuggeln. In diesen Jahren vermittelte V. mehrfach zwischen der kroatischen „Nationalpartei“ (Narodna stranka) und Wiener Hofkreisen. 1846 wurde ihm der österreichische Ritterstand mit dem Prädikat ,,von Dobrinović“ verliehen. 1848 einflußreich in der Nationalpartei, war V. Mitglied der am 17. März entsandten Deputation des Zagreber Magistrats an den König und blieb in Wien, bis er die Stadt Senj im am 5. Juni eröffneten Zagreber Landtag vertrat. Dort Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten, leitete V. im Banalrat bis zu dessen Auflösung im Juni 1850 die selbständigen WirtSchafts- und Finanzangelegenheiten Kroatiens. 1851 wurde er in den Reichsrat berufen, 1851-1858 war er Vorsitzender der „Matica ilirska“, widmete sich aber in den Jahren des Neoabsolutismus vor allem seinen Geschäften. 1860 vertrat V. mit dem Banus Josip Sokčević und Josip Juraj Strossmayer Kroatien im Verstärkten Reichsrat. 1861 half er im Banalrat, den kroatischen Landtag vorzubereiten, in dem er wiederum die Stadt Senj vertrat. 1862 wurde ihm der österreichische Freiherrnstand (Baronat) verliehen. V. schloß sich der gegenüber der Regierung loyalen „Selbständigen Nationalpartei“ (Samostalna narodna stranka) an, trat jedoch im politischen Leben nicht mehr hervor.
V. gehört zum aufstrebenden Handels- und Industriekapital, das aufgrund seiner wirtschaftlichen Vormachtstellung an die Stelle des durch das Geburtsprivileg bestimmten Magnatentums tritt, sich dabei aber alle Attribute dieser bisherigen politischen Führungsschicht zulegt. Politisch konservativ und der Regierung gegenüber loyal, wußte er wirtschaftliche Interessen mit nationalpolitischen zu verbinden.

Literatur

Vranyczány von Dobrinović, Giorgio: Zur Geschichte der Familie Vranyczány. (Als Familienmanuskript gedruckt). Fiume 1912.
Karaman, Igor: Ambroz Vranjican - lik jednoga hrvatskog trgovca i društvenog radnika u preporodno doba. In: Ders.: Privreda i društvo Hrvatske u 19. stoljeću. Zagreb 1972, 23-37.

Verfasser

Wolfgang Kessler (GND: 124485324)

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Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Kessler, Vranyczány, Ambroz, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 444-445 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1862, abgerufen am: (Abrufdatum)

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