Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Leon V. der Armenier

Leon V. der Armenier, byzantinischer Kaiser 813-820, * Armenien um 775, † Konstantinopel 24. XII. 820.

Leben

 L. wurde in bescheidenen Verhältnissen in Pidra (Thema Anatolikon) groß, wohin sein Vater Bardas gezogen war. Danach ging er zum Militär und fand dort in Michael dem Stammler (Traulos) und Thomas dem Slawen, der an den Garzula-See verschlagen worden war, Kameraden, mit denen er sich zur Gefolgschaft des Bardanes Turkos, des Monostrategos (Oberbefehlshaber) der fünf anatolischen Themen, zusammentat. Sie unterstützten Bardanes 803 beim Versuch, die Kaiserkrone an sich zu reißen, L. und Michael freilich nur solange, bis die erdrückende Überlegenheit des regierenden Kaisers Nikephoros I. feststand. Das rechtzeitige Umschwenken zahlte sich aus: L. wurde zum Kommandanten einer Palastgarde (Federatoi) ernannt. Von einem weiteren Usurpationsversuch, dem seines Schwiegervaters Abasger 808, war er wohl nicht ganz ahnungslos; der große Sprung, nämlich auf den Gouverneursposten des Thema Anatolikon, glückte unter Michael I. Rangabe (811-813). In dieser Funktion sollte er den Kaiser in dessen Kampf gegen den Bulgarenkhan Krum unterstützen, der nach seinem denkwürdigen Sieg über Nikephoros I. Develtos und Mesembria erobert hatte. L. kam auch, hielt aber bei der entscheidenden Schlacht bei Versinikia in der Nähe von Adrianopel am 22. Juni 813 seine Truppen zurück, was den Byzantinern die Niederlage, ihm jedoch die Kaiserkrone einbrachte (11.07. 813). Er trug sie noch keine Woche, als Krum mit seiner Armee vor Konstantinopel erschien, sich aber zu Verhandlungen bereit erklärte. Der Versuch, ihn dabei in einen Hinterhalt zu locken, schlug fehl; aufgebracht plünderte Krum die Umgebung Konstantinopels, besetzte Adrianopel und rüstete, durch eine im Eierbst 813 bei Mesembria erlittene Niederlage wenig beeindruckt, zum Generalangriff, starb aber plötzlich am 13. April 814. Sein Nachfolger Omurtag schloß einen dreißigjährigen Frieden. Die Zeichen für eine außenpolitisch ungestörte Regierung, in der L. neben seinen bewiesenen strategischen auch seine staatspolitischen Fähigkeiten hätte zeigen können, standen günstig. Der Anhänger des Ikonoklasmus und glühende Verehrer Leons III. wollte anderes: er beauftragte Johannes Grammatikos mit der Vorbereitung einer Synode, die 815 den Ikonoklasmus wiederherstellte. Neue Argumente wurden nicht beigebracht; die von Theodoros Studites und dem abgesetzten Patriarchen Nikephoros repräsentierte Opposition hatte es somit nicht schwer, zumal das Interesse an der Bilderfrage erlahmt war. L. spürte das und lebte in ständiger Angst. Sie war berechtigt: während des Weihnachtsgottesdienstes des Jahres 820 wurde er ermordet, und seine Frau Theodosia nebst drei Söhnen - der vierte überlebte die Entmannung nicht - verbannt. Unter den Mördern war sein einstiger Kamerad Michael, der als Michael II. sein Nachfolger wurde.

Literatur

Zlatarski: Bd 1, passim.
Alexander, Paul J.: The patriarch Nicephorus of Constantinople. Oxford 1958.
Ostrogorsky: S. 168-170 (mit Bibliographie).
Adontz, Nicolas: Sur l’origine de Léon V, Empereur de Byzance. In: Ders.: Études Armeno-Byzantines. Lissabon 1965, 37-45.
Zankles, Demetrios D.: Leon o E'. O Armenios basileus-autokrator tis byzantinis (ellinikis) autokratorias 813-820 m. Ch. I machi tis Mesembrias ke o thanatos tu Krumu. In: Archion tu Trakiku Laografiku ke Glossiku Thisauru 33 (1967) 64-82.
Beck, Hans-Georg: Byzantinisches Gefolgschaftswesen. In: Ders.: Ideen und Realitäten in Byzanz. London 1972, 1-32.

Verfasser

Erwin Fenster (GND: 106391216)

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Empfohlene Zitierweise: Erwin Fenster, Leon V. der Armenier, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 19-20 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1241, abgerufen am: (Abrufdatum)

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