Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Theodoros Studites

Theodoros Studites, byzantinischer Theologe, Vorsteher des Studiosklosters in Konstantinopel, * Konstantinopel 759, † Prinkipo (Prinzeninseln) 11.11.826.

Leben

Th., Sohn eines höheren Steuerbeamten Photinos und einer in der byzantinischen Kirche als hl. verehrten Mutter Theoktista, wurde zusammen mit seinem Vater und zwei Brüdern von seinem Onkel mütterlicherseits, dem berühmten Abt von Sakkudion, Platon, für das Klosterleben gewonnen. Wie dieser widmete er sich der Reformation des koinobitischen  Mönchslebens, hielt es aber auch für seine Pflicht, in den wichtigen kirchlichen Auseinandersetzungen seiner Zeit Stellung zu beziehen. So protestierte er energisch gegen die moichianische Ehe Konstantins VI. im Jahre 795 und brach mit Patriarch Tarasios (der ihn 788/89 zum Priester geweiht hatte), da dieser sich in der Sache passiv verhielt. Er wurde deswegen aus der Hauptstadt verbannt und ging (797) nach Thessalonike ins Exil. Als Kaiserin Irene alle Macht an sich gezogen und Patriarch Tarasios den Priester Joseph, der die moichianische Ehe eingesegnet hatte, abgesetzt hatte, kehrte Th. nach Konstantinopel zurück und machte, unterstützt von seinem Onkel Platon und Mönchen aus Sakkudion, das Studioskloster zu einem Modell des erneuerten koinobitischen Lebens.
Nach der Entmachtung der Irene (802) und besonders nach dem Tod des Tarasios (806) überwarf Th. sich erneut mit der kaiserlichen Regierung (Nikephoros I., 802-811) und dem Patriarchen Nikephoros (806-815), der den obengenannten Priester Joseph in Amt und Würde wiederherstellte. Festgenommen (808) und verurteilt (809), appellierte Th. an den Papst, mußte aber trotzdem ins Exil gehen. Der Kaiserwechsel des Jahres 811 erlaubte ihm die Rückkehr in sein Kloster, und die endgültige Verurteilung des Priesters Joseph (812) stellte den Frieden mit Patriarch Nikephoros wieder her. Bald darauf jedoch erneuerte Leon V. (813-820) den Ikonoklasmos, und nach der Absetzung des Patriarchen Nikephoros wurde Th. der Führer der Bilderverehrer, was ihm wiederum Haft und Verbannung eintrug. Nach der Machtübernahme durch Michael II. (Weihnachten 820) scheiterte eine Aussöhnung mit der kaiserlichen Regierung an seiner Forderung, der abgesetzte Patriarch Nikephoros müsse sein Amt wiedererhalten. Da ihm auch die Rückkehr in das Studioskloster versagt blieb, verließ Th. mit seinen Mönchen die Hauptstadt und ließ sich nach einigen anderen Stationen auf der Insel Prinkipo nieder, wo er auch starb. Sein Leichnam wurde 844 nach Konstantinopel überführt. Als Verteidiger des Bilderkultes und als Klosterreformer hatte Th. großen Einfluß auf die slawische Kirche.
Th. hinterließ viele Schriften, vor allem polemische gegen den Ikonoklasmus, asketische für seine Mönche, und Briefe. Seine Epigramme befassen sich mit dem Mönchsleben, dem Bilderkult und der Liturgie. Mehrere seiner Werke wurden ins Slawische übersetzt.

Literatur

Schneider, Gustav Adolf: Der hl. Theodor von Studion. Sein Leben und Wirken. Münster 1900.
Dobroklonsky, Aleksandr P.: Prepodobnij Feodor ispodvjednik i igumen studijskij. 2 Bde. Odessa 1913/14.
Hausherr, Irénée: Saint Théodore Studite, l’homme et l’ascète. In: Orient. Christ. Period. 6 (1926) 22, 1-87.
Moravcsik: Bd 1, 528-529.
Beck: S. 491-495.
Dujčev, Ivan: San Teodoro Studita ed i Bulgari. In: Bullettino dell’ Istituto Storico Italiano per il Medio Evo e Archivio Muratoriano 73 (1962) 71-83 (= Ders.: Medioevo Bizantino-Slavo. Bd 1. Roma 1965, 157-169.)
Isčenko, D. S.: Starejšij russkij spisok studijskogo ustava. In: Issledovanija istočnikov po istorii russkogo jazyka i pismennosti. Moskva 1966, 140-161.
Speck, Paul: Theodoros Studites. Jamben auf verschiedene Gegenstände. Berlin 1968.
Stiernon, Daniele: Theodoro Studita. In: Bibliotheca Sanctorum. Bd 12. Roma 1969, Sp. 265-270.
Mouriki, Doula: The Portraits of Theodore Studites in Byzantine Art. In: Jb. Österr. Byzant. Ges. 20 (1971) 249-280.
Corugă, M.: Sfîntul Teodor Studitul şi opera sa în vechea literatură românescă. In: Studii teologice 24 (1972) 723-731.

Verfasser

Jan Louis van Dieten (GND: 1047967324)


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