Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Palamas, Gregorios

Palamas, Gregorios, byzantinischer Theologe, Hesychastenführer, * Konstantinopel 1296/97, † Thessalonike 14.11.1359.

Leben

P. brach seine Studien in der Hauptstadt frühzeitig ab. Von dem Mystiker Theoleptos, Metropolit von Philadelpheia, stark beeinflußt, trat er 22jährig als Mönch in das Athoskloster Vatopedi ein, wo Gregorios Sinaites sein Lehrer wurde. Die politischen Unruhen der Zeit veranlaßten ihn, zeitweise in Thessalonike Aufenthalt zu nehmen, ehe er 1326 zum Priester geweiht wurde und sich dann in der Umgebung von Berrhoia niederließ. Zur Zeit der serbischen Okkupation unter Stefan Uroš III. Dečanski kehrte P. auf den Athos zurück und wirkte vorübergehend als Abt des Lavra-Klosters. Vielleicht wäre P.’ Leben weiterhin in der Abgeschiedenheit mystischer Betrachtung verlaufen, hätten ihn nicht die Streitschriften des Mönches Barlaam, der aus Kalabrien nach Konstantinopel gekommen war und dort gegen die Abendländer polemisierte, zur literarischen Fehde herausgefordert. Barlaam beantwortete die Replik des P. mit scharfen Angriffen wider das zeitgenössische Mönchsleben auf dem Athos und die dort praktizierte Mystik, welche während der Versunkenheit ins Gebet das göttliche Licht auf dem Berge Tabor schauen zu können wähnte. Die Zweifel des Barlaam veranlaßten P., die Mystik der „Hesychasten“ philosophisch-theologisch mit der Differenzierung zwischen göttlichem Wesen (Ousia) und göttlicher Wirkungsweise (Enérgeia) zu begründen. Auf der Synode vom 10. Juni 1341 in der Hagia Sophia suchte Kaiser Andronikos III. eine dogmatische Klärung des Streits zwischen den beiden Theologen, nachdem die religiöse Unruhe weite Teile des Mönchtums erfaßt hatte. Die Synode wich einer Entscheidung aus. Erst im August 1341 entschied sich eine neue Kirchenversammlung für den Standpunkt des P. Da sich der Usurpatorenkaiser Johannes VI. Kantakuzenos zu seinem Förderer gemacht hatte, landete P. während der Regentschaft der Kaiserinwitwe Anna von Savoyen im Gefängnis, ehe er nach dem Sieg des Usurpators (1347) die Freiheit wiedererlangte und zum Metropoliten von Thessalonike ernannt wurde (1350) und schließlich im Juli 1351 auf einem Reichskonzil zu Konstantinopel eine glänzende Rechtfertigung seiner dogmatischen Position erfuhr. Wenig später geriet P. auf See in die Hand türkischer Freibeuter und verbrachte lange Jahre in türkischer Haft, ehe ihn die Byzantiner freikauften. Den Rest seines Lebens füllten pastorales Wirken und eifrige literarische Tätigkeit aus. 1368 erhob ihn Philotheos Kokkinos auf einer Synode in die Schar der ostkirchlichen Heiligen.

Literatur

Beck: S. 712-715.
Meyendorff, Jean: Introduction à l’étude de Grégoire Palamas. Paris 1959.

Verfasser

Peter Wirth (GND: 132882191)

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Empfohlene Zitierweise: Peter Wirth, Palamas, Gregorios, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 384-385 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1385, abgerufen am: (Abrufdatum)

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