Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Johannes VI. Kantakuzenos

Johannes VI. Kantakuzenos, byzantinischer Kaiser 1347-1354, * Mistra(?) um 1295, † Mistra 15.06.1383.

Leben

 J. war über seine Mutter Theodora Palaiologina Angelina mit dem herrschenden Kaiserhaus verwandt und wurde vermutlich mit dem etwa gleichaltrigen Andronikos (III.) zusammen erzogen. Nach seiner Heirat (vor 1320) mit Irene, der Enkelin des Bulgarenzaren Ivan Äsen III., wurde er 1321 Statthalter in Thessalien - ein Amt, das er nie antrat, weil er 1321-1328 neben einigen kurzen Feldzügen gegen Mongolen, Türken und Bulgaren (1323 Michael Sisman) innerhalb der Auseinandersetzungen zwischen dem von ihm unterstützten Andronikos III. und Andronikos II. in Anspruch genommen war. Nachdem er als Großdomestikos unter Andronikos III. die Politik maßgeblich bestimmt hatte, ließ er sich nach dessen Tod am 26. Oktober 1341 in Didymoteichos zum Kaiser ausrufen. Da Anna, die Mutter des legitimen Kaisers Johannes V. Palaiologos, unterstützt vom Patriarchen Johannes XIV. Kalekas und dem Megás Dux Alexios Apokaukos, J.’ Anspruch auf den Kaiserthron zurückwies, kam es zum Bürgerkrieg, der durch den im Sommer 1342 in Thessalonike ausgebrochenen Zelotenaufstand, bei dem alle Anhänger des J. aus der Stadt vertrieben wurden, und durch die heftigen Diskussionen über den Hesychasmus, einer von Gregorios Sinaites verbreiteten, vornehmlich von Gregorios Palamas gegen den Mönch Barlaam von Kalabrien verteidigten mystisch-asketischen Lehre, verschärft wurde. J. baute zunächst auf die Hilfe von Stefan Dusán, der jedoch - wie Ivan Aleksandür von Bulgarien - 1343 von der Gegenpartei gewonnen wurde; schließlich gelang ihm mit Hilfe des Emirs von Aydin, Umur, und (ab 1346) des osmanischen Sultans Orhan am 2. Februar 1347 der Einmarsch in Konstantinopel, wo er sich am 13. Mai 1347 nach der ein Jahr zuvor vom Patriarchen Lazaros von Antiocheia in Adrianopel vollzogenen Krönung nochmals vom neuen Patriarchen Isidoros zum Kaiser krönen ließ, als welcher er als „geistiger Bruder“ und „gemeinsamer Vater“ für Johannes V. zehn Jahre regieren wollte. Im gleichen Jahr vermählte er - auch hier Legitimist - seine Tochter Helene mit Johannes V. Dringendstes Anliegen war, die (vor allem in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht) im Grunde irreparablen Schäden des Bürgerkriegs wenigstens zu verkitten; an dem Profit des Hauptgewinners Stefan Dusán, der sich nach der Eroberung von Serrhes (1345) zum „Kaiser der Serben und Griechen" krönen ließ, war ohnehin nicht zu rütteln. 1350 wurde Thessalonike nach dem Ende der Zelotenherrschaft wieder besetzt und ein Jahr später die Rechtgläubigkeit des Hesychasmus offiziell anerkannt. Unter weitreichender Heranziehung von Privatkapital wurde eine Flotte aufgebaut, die jedoch 1349 von den Genuesen vernichtet wurde. Dies wie auch die entgegen der versprochenen Einhaltung des Legitimitätsprinzips 1353 erfolgte Krönung des Sohnes Matthäos zum Mitkaiser sowie die 1354 mit der Besetzung von Gallipoli begonnene Einnistung der Türken auf dem europäischen Festland führten am 21. oder 22. November 1354 zur erzwungenen Abdankung des J. Er zog sich zuerst in das Mangana-, danach in das Charsianites-Kloster zurück, spielte aber weiterhin - durchaus im Einvernehmen mit Johannes V. - als graue Eminenz eine Rolle in der Politik, voran bei den Unionsverhandlungen 1367 und in der Peloponnes, wo er auch die beiden letzten Lebensjahre verbrachte. J. hinterließ eine „História“ - Memoiren über die Zeit von 1320-1356 (in einigen Zusätzen bis 1364), weshalb wir viel und viel Gutes über ihn wissen. Daneben gibt es - unter dem Mönchs- oder Decknamen Joasaph oder Theodolus - mehrere Verteidigungsschriften für den Hesychasmus und eine an den Islam gerichtete Apologie des christlichen Glaubens.

Literatur

Moravcsik: Bd 1, S. 321-323 (mit Bibliographie).
Ostrogorsky: S. 420-438 (mit Bibliographie).
Loenertz, Raymond-Joseph: Ordre et désordre dans les mémoires de Jean Cantacuzène. In: Rev. Ét. byzant. 22 (1964) 222-237.
Ders.: Byzantina et Franco-Graeca. Roma 1970, 113-130.
Maksimović, Ljubomir: Politička uloga Jovana Kantakuzina posle abdikacije. In: Zborn. Rad. vizant. Inst. 9 (1966) 119-193.
Nicol, Donald M.: The abdication of John VI Cantacuzène. In: Byzant. Forsch. 2 (1967) 269-283.
Frances, E.: Quelques aspects de la politique de Jean Cantacuzène. In: Riv. stud. bizant. e neoellen. N. S. 5 (1968) 167-176.
Nicol, Donald M.: The byzantine family of Kantakouzenos (Cantacuzenos) ca. 1100-1460. Washington 1968.
Weiß, Günter: Joannes Kantakuzenos - Aristokrat, Staatsmann, Kaiser und Mönch in der Gesellschaftsentwicklung von Byzanz im 14. Jh. Wiesbaden 1969.

Verfasser

Erwin Fenster (GND: 106391216)

GND: 118712470


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Empfohlene Zitierweise: Erwin Fenster, Johannes VI. Kantakuzenos, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 283-284 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1047, abgerufen am: (Abrufdatum)

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