Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Uroš III. Dečanski, Stefan

Uroš III. Dečanski, Stefan, serbischer König 1322-1331, † (erdrosselt?) Zvečan 11.11.1331, Sohn König Milutins und seiner ersten Gattin, Helena Angela; Heiliger der serbisch-orthodoxen Kirche.

Leben

Die politische Biographie U.s beginnt mit einem Aufenthalt am Hof des tatarischen Heerführers Nogaj, dem Milutin hatte Geiseln stellen müssen, um Serbien vor weiteren Feldzügen zu bewahren. Nach seiner Flucht und Rückkehr heiratete U. Teodora, eine Tochter des bulgarischen Zaren Smilec, und wurde Statthalter der Zeta (Dioklitiens). Es ist fraglich, ob er als,, rex iuvenis“ gegolten hat oder in anderer Form zum Nachfolger designiert war, denn sein Vater hatte seine Mutter verstoßen und mehrfach wieder geheiratet, so daß U. als illegitim galt. Das wird in einem Schriftwechsel zwischen Milutin und Papst Benedikt XI. deutlich, wo der Papst bestätigte, man dürfte U. trotz der Illegitimität ein Gebiet übergeben.
Im Februar 1314 versuchte U. mit Hilfe des starken küstenländischen Adels, seinen Vater zu stürzen, unterwarf sich jedoch, bevor es zu einem Zusammenstoß kam. Milutin ließ seinen Sohn (zumindest teilweise) blenden und verbannte ihn nach Konstantinopel. Dort wurde seine Sehkraft bis zu einem gewissen Grade wiederhergestellt, ohne daß diese Tatsache bekannt wurde. Dank der Fürsprache serbischer Athosmönche verzieh Milutin seinem Sohn nach mehreren Jahren, erlaubte ihm die Rückkehr und wies ihm die Župa Budimlje zu. Dort lebte U. bis zum Tode Milutins am 29. Oktober 1321, offensichtlich insgeheim Anhänger sammelnd und - während er als Blinder und darum zur Herrschaft Unfähiger galt - die Machtergreifung vorbereitend. In den Kämpfen mit seinem Halbbruder Konstantin und seinem Vetter Vladislav kam ihm das Wunder des - vom heiligen Nikolaus - neugeschenkten Augenlichtes zugute, ebenso wie die entschiedene Unterstützung der serbischen Kirche. Schon am 6. Januar 1322, lange bevor U. sich endgültig durchgesetzt hatte, krönte ihn Erzbischof Nikodim in Žica zum König und seinen Sohn Dušan zum „jungen König“.
1323 bemühte sich U. um eine Eheverbindung mit den Anjous und freite um Bianca von Tarent. Obwohl er deswegen sogar die kirchliche Union versprach und einleitete, zerschlugen sich diese Pläne im letzten Augenblick. Einige Jahre später heiratete er Maria Palaio-logina.
Aus den byzantinischen Beziehungen U.s, die ihn in die Kämpfe zwischen Andronikos II. und Andronikos III. hineinzogen, erwuchs Gefahr für Serbien, als sich Byzanz und Bulgarien gegen das Land verbündeten. In der Schlacht von Velbužd (Kjustendil) 1330 schlugen die Serben, vor allem dank der persönlichen Kühnheit Dušans, die Bulgaren vollständig und töteten auch den Zaren Michael Šišman. Der Sieg bei Kjustendil bedeutete die Entscheidung im Kampf um die Vorherrschaft auf der südlichen Balkanhalbinsel. Serbien gewann gegenüber Byzanz und Bulgarien die führende Stellung, verleibte sich Makedonien endgültig ein und erhielt eine Ausrichtung zum Ägäischen Meer, die die folgenden Jahrzehnte bestimmte.
Noch im Jahre 1330 gab es innerhalb Serbiens einen Krieg, von dem man nicht weiß, ob Vater oder Sohn ihn angefangen hat. Es mag wohl sein, daß U. seinen Sohn Simeon aus der zweiten Ehe vorzuziehen begonnen hat und Dušan, um einer für ihn gefährlichen Entwicklung zuvorzukommen, sein hohes Ansehen im Lande zu nutzen suchte. Eine ihm aufgezwungene Versöhnung brach er, nahm seinen Vater überraschend gefangen und stellte ihn in der Burg Zvečan (bei Kosovska Mitroviča) unter Arrest. Am 8. September 1331 ließ sich Dušan von Erzbischof Danilo II. zum König krönen, bald darauf, am 11. November 1331, ist U. eines gewaltsamen Todes gestorben, mit Sicherheit nicht ohne Wissen seines Sohnes.
Als Herrscher zwischen den Glanzzeiten Milutins und Dušans stehend, ist U. durch sein persönliches Schicksal eine wichtige Gestalt der serbischen Tradition geworden. Der anonyme altserbische Hagiobiograph löste das Problem, wer an den Grausamkeiten an U. schuld wäre, auf Kosten des Opfers. Durch den begabten Schriftsteller Grigorij Camhlak, der um 1400 Igumen von Dečani, dem Grabkloster U.s war, wurde die Stifterverehrung in Dečani mit Hilfe von Vita und Offizium in den Kult eines „heiligen Großmärtyrers unter den Zaren“ umgeformt. Als Märtyrer und einen ihrer Nationalheiligen feiert die serbisch-orthodoxe Kirche U. unter dem 11. November. Im 17. Jh. wurde dieser Kult sogar Gegenstand katholischen Interesses, als 1642 im Rahmen von Unionsplänen ein Abgesandter der Congregatio de propaganda fide Kult und Reliquien U.s in Dečani begutachtete. Die zunächst wohl geplante Beatifikation entfiel jedoch mit dem Scheitern der Unionsverhandlungen.

Literatur

Jireček: Bd 1.
Zečević, Miloš: Život i vladavina Stevana Dečanskog. Beograd 1903.
Serbisches Mittelalter. Altserbische Herrscherbiographien. Bd 2: Danilo II. und sein Schüler: Die Königsbiographien. Übersetzt, eingeleitet und erklärt von St. Hafner. Graz 1976. = Slavische Geschichtschreiber. 9.

Verfasser

Frank Kämpfer (GND: 129105678)

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Empfohlene Zitierweise: Frank Kämpfer, Uroš III. Dečanski, Stefan, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 373-374 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1818, abgerufen am: (Abrufdatum)

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