Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Smilec

Smilec, bulgarischer Zar 1292-1298, † 1298.

Leben

 Nachdem Georgi I. Terter 1292 aus Bulgarien geflohen war, setzte der Tatarenkhan Nogaj den Boljaren S., der sein Vertrauen genoß, zum neuen bulgarischen Zaren ein. Gemeinsam mit seinen Brüdern Radoslav und Vojsil hatte sich S. in den 80er Jahren in der westlichen Sredna Gora selbständig gemacht, zu einer Zeit also, als die Zentralmacht in Tŭrnovo immer mehr an Bedeutung verlor. Der neue Zar bemühte sich nicht, sich mit den mächtigen Boljaren des Reiches zu arrangieren, die ihrerseits auch kein Interesse an einer zentralistischen Führung haben konnten. S. fehlte das Bewußtsein für eine staatliche Gemeinschaft und bemerkte nicht die partikularistischen Bestrebungen einzelner Fürsten, die sich wie absolutistische Herrscher gebärdeten. Andererseits waren seine Hände gebunden, da er sonst das Mißfallen Nogajs erregt hätte. Das mochte der Grund sein, warum er nicht versuchte, die einzelnen Fürstentümer wieder unter einer Führung zusammenzufassen. Die jahrelangen Thronwirren hatten dazu geführt, daß Bulgarien über kein schlagkräftiges Heer mehr verfügte; so war es auch unmöglich, die in früheren Jahren an Byzanz und Serbien verlorengegangenen Gebiete zurückzuerobern. Während sich die Beziehungen zu Byzanz friedlich entwickelten, vielleicht auch, weil S. mit der Enkelin des byzantinischen Kaisers Andronikos II. vermählt war, gingen im Norden Gebiete an Serbien verloren. Die Fürsten von Braničevo, die beiden Brüder Drman und Kudelin, lebten mit dem 1282 abgedankten serbischen König Dragutin in jahrelanger Feindschaft, bis dieser mit Unterstützung seines Bruders Milutin das Gebiet um 1290 sogar eroberte und die beiden Fürsten vertrieb. Nicht S., sondern der Boljahre Šišman griff ein, der dabei zunächst sein Fürstentum Vidin verlor, bis er es durch die Unterstützung des Tatarenkhans Nogaj zurückerhielt. Das Gebiet von Braničevo blieb jedoch bis zur Eroberung der Balkanhalbinsel durch die Türken serbisch. Da S. keine direkten männlichen Nachkommen hinterließ, wurde seine Witwe Theodora Nachfolgerin auf dem Zarenthron, bis kurz darauf der Sohn Nogajs, Čaka, die Macht in Bulgarien selbst übernahm. Die Regierungszeit des S. stellt einen Tiefpunkt in der Geschichte des mittelalterlichen Bulgarien dar.

Literatur

Nikov, Petŭr: Tatarobŭlgarski otnošenija prez srednite vekove s ogled kŭm caruvaneto na Smileca. In: God.Sof.Univ., ist.-filos. Fak. 15/16 (1919/20) 1-95.
Ders.: Bŭlgari i tatari v srednite vekove. In: Bŭlg.Ist.Bibl. 2 (1929) 97-142.
Mutafčiev, Petŭr: Istorija na bŭlgarskija narod. Bd 2. Sofija 1943, 151-156.
Istorija: Bd 1, 217-218.

Verfasser

Detlef Kulman (GND: 128703393)

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Empfohlene Zitierweise: Detlef Kulman, Smilec, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 147-148 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1668, abgerufen am: (Abrufdatum)

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