Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Snegarov, Ivan Ivanov

Snegarov, Ivan Ivanov, bulgarischer Historiker und Kirchengeschichtler, * Ohrid 12.10.1883, † Sofia 01.03.1971, einziger Sohn des Handwerkers Jončo P. S.

Leben

 Das alte kirchliche und kulturelle Zentrum der Balkanslawen, Ohrid, war die Heimat von S., der er zeitlebens verbunden blieb. Bereits sein Vater Jončo S. war an der Geschichte seines Volkes interessiert und hatte selbst die Viten der hll. Naum, Ivan Vladimir und Erasmus aus dem Griechischen übersetzt. Nach Beendigung des Progymnasiums seiner Vaterstadt mußte S. im Alter von fünfzehn Jahren auf Wanderschaft gehen. In Bessarabien verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Hilfsarbeiter auf dem Bau. 1899 begann er, wieder zu Hause, die Lehre bei einem Seiler. Der einzige Weg zu höherer Bildung führte zu jener Zeit für einen mittellosen Jungen über das geistliche Seminar. Da der Metropolit von Ohrid, Meletij, sich geweigert hatte, ihm eine Empfehlung zu geben, war ihm der Zugang zum Seminar in Kišinev verwehrt. Mit Hilfe eines weitläufigen Verwandten, der zu den Vertrauten des Exarchen Josif gehörte, gelang es ihm, in das bulgarische Seminar in Konstantinopel aufgenommen zu werden, das er nach vierjährigen Studien 1906 als bester Absolvent verließ. 1902 schon war er der revolutionären Bewegung zur Befreiung Mazedoniens und Thraziens beigetreten. Den Vorschlag des Exarchen, Mönch zu werden, um so in die Hierarchie aufsteigen zu können, lehnte S. entschieden ab. Für kurze Zeit arbeitete er am Gymnasium in Yenice Vardar (heute Yianitsa, Griechenland). Von 1908 bis 1912 studierte er an der Geistlichen Akademie in Kiev, wo er den Grad eines Kandidaten der Theologie erlangte. Ab dieser Zeit verband ihn tiefe Verehrung mit der russischen Kultur. In die Heimat zurückgekehrt, arbeitete S. als Lehrer für Geschichte, Literatur, Russisch und Griechisch an verschiedenen Orten. Daneben veröffentlichte er bereits eine Reihe von Aufsätzen zu historischen Problemen und redigierte die Zeitschriften „Cŭrkoven vestnik“ (Kirchliche Zeitung, 1914-1919) und „Naroden straž“ (Volkswächter, 1919-1933). 1924 erschien dann der erste Band des grundlegenden Werkes zur Geschichte des Erzbistums Ohrid „Istorija na Ochridskata archiepiskopija-patriaršija“, wofür er am 1. April 1926 die Stelle eines ordentlichen Dozenten für Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Sofia erhielt. Am 1. Juli 1929 wurde er aufgrund seines Werkes „Otnošenijata meždu bŭlgarskata cŭrkva i drugite pravoslavni cŭrkvi sled provŭzglasjavaneto na schizmata“ (Die Beziehungen zwischen der bulgarischen Kirche und den anderen orthodoxen Kirchen nach der Proklamierung des Schismas) zum außerordentlichen Professor für Kirchengeschichte ernannt. Wie alle kirchlich gesonnenen Bulgaren seiner Zeit ging es ihm darum, den kanonisch unnatürlichen Zustand des bulgarischen Exarchats innerhalb der Gesamtorthodoxie zu beheben. Nach der Veröffentlichung des zweiten Bandes der Geschichte des Erzbistums von Ohrid (1932) erhielt er am 11. März 1933 die Stelle eines ordentlichen Professors. Er hatte nunmehr allgemeine und bulgarische sowie Geschichte der übrigen orthodoxen Kirchen zu vertreten. Aus dieser Tätigkeit entstand das dreibändige Standardwerk „Kratka istorija na sŭvremennite pravoslavni cŭrkvi“ (Kurze Geschichte der zeitgenössischen orthodoxen Kirche, 1944/48). Neben zahlreichen Aufsätzen zur älteren und neueren bulgarischen Kirchengeschichte verfaßte er in diesen Jahren ein Werk über Saloniki in der bulgarischen geistigen Kultur, „Solun v bŭlgarskata duchovna kultura“ (1937) und setzte sich kritisch mit dem serbischen Historiker Radoslav Grujić über die Metropolie Skopje auseinander, „Skopskata eparchija. Istoričeski očerk i vŭzraženija vŭrchu smčinenieto na prof. R. Gruić ,Skopska mitropolija‘“ (in: God.Sof.Univ., bogosl. Fak. 15 [1938] 1-132 u. 16 [1939] 1-184). Auf Vorschlag von Vasil Nikolov Zlatarski und Ivan Jurdanov Trifonov wurde S. am 18. Juni 1933 zum korrespondierenden Mitglied in die Bulgarische Akademie der Wissenschaften gewählt. Zehn Jahre später wurde er ordentliches Mitglied (27.06.1943). Nach Auflösung der Theologischen Fakultät im Jahre 1950 lehrte er noch bis 1958 an der neuen Geistlichen Akademie Kirchengeschichte, wofür er 1959 den Doktor der Theologie verliehen bekam. Bis ins hohe Alter unermüdlich tätig, leitete er von 1947 bis 1950 das neuerrichtete „Institut für bulgarische Geschichte“ und von 1951 bis 1959 das Archiv-Institut an der Akademie. Seine wissenschaftlichen Leistungen wurden wiederholt durch Verleihung von Orden und Titeln öffentlich gewürdigt. Seine soziale Einstellung, sein kritisches Bewußtsein und seine umfassende Bildung werden einhellig hervorgehoben.

Literatur

Almanach na Sofijskija universitet. Sofija 1940(2), 548-549.
Angelov, Dimitŭr und Jordan Nikolov: Naučnoto delo na akademik Ivan Snegarov. In: Izvestija na Instituta za istorija 14/15 (1964) 5-25.
Kovačev, Michail: Po-važni trudove i statii na akademik Ivan Snegarov. In: ebd. 27-35.
Sto godini Bŭlgarskata Akademija na Naukite 1869-1969. Bd 1. Akademici i členove-korespondenti. Sofija 1969, 636-639.
Sŭbev, Todor: V pamet na edin mnogozaslužil istorik, cŭrkovnoobštestven deec i patriot. In: Cŭrkoven vestnik 75 (1974) H. 3, 4-5.

Verfasser

Hans-Joachim Härtel (GND: 120323648)

GND: 123834287


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Empfohlene Zitierweise: Hans-Joachim Härtel, Snegarov, Ivan Ivanov, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 148-150 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1669, abgerufen am: (Abrufdatum)

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