Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Iancu, Avram
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Iancu, Avram

Iancu, Avram, rumänischer Freiheitskämpfer, Anführer der siebenbürgischen Rumänen in der Revolution 1848/49, * Vidra de Sus (Felsővidra, Komitat Unter-Alba; heute Avram Iancu) 1824, † Baia de Criș (Körösbánya, Komitat Zaránd) 10.09.1872, aus einer Familie leibeigener Bauern im Siebenbürgischen Erzgebirge.

Leben

Der Dorfschulze und Waldhüter Alisandru I. hatte es in der staatlichen Forstverwaltung zu einigem Vermögen und Ansehen gebracht und konnte seine beiden Söhne auf höhere Schulen schicken, um ihnen das Schicksal der Leibeigenschaft zu ersparen. Nach Besuch der katholischen Lateinschule in Zlatna (Zalatna) und des ungarischen Piaristengymnasiums in Klausenburg studierte I. in der siebenbürgischen Hauptstadt bis 1846 Philosophie und Jura. Nach der einjährigen Referendarzeit an der königlichen Tafel in Marosvásárhely (Tîrgu Mureș), wo die 35 rumänischen Praktikanten mit ihren 165 ungarischen Kollegen die Pläne der ungarischen Liberalen für eine Angliederung Siebenbürgens an Ungarn begrüßten (März 1848), distanzierte sich I. von dieser Sympathiekundgebung und wuchs rasch in die Rolle eines Gegners der ungarischen Revolutionsregierung hinein. Wie I. standen die meisten seiner rumänischen Mitstreiter am Anfang ihrer Berufslaufbahn, wodurch sie freie Hand hatten, so die Anwälte Petru Dobra und Ion Buteanu, der Lehrer Sever Ioan Axente und die Pfarrer Simion Balint und Alexandra Papiu-Ilarian.
Nach kurzen Beratungen mit den geistigen Führern des siebenbürgischen Rumänen- tums in Blaj (Balâzsfalva) über die politische Lage der Rumänen, beschäftigten I. zunächst die Probleme der Bauern im Siebenbürgischen Erzgebirge (moţi), eine der zurückgebliebensten Gegenden Siebenbürgens. Durch seine Anwaltschaft zu ihren Gunsten erwarb er sich das volle Vertrauen dieser Bauern. Mit mehreren Tausend von ihnen zog er zu den drei Volksversammlungen der Rumänen auf dem „Freiheitsfeld“ (Cîmpia libertăţii) nach Blaj, um dort gegenüber den maßgeblichen Regierungsstellen in Klausenburg und Pest den rumänischen Standpunkt zu bekunden. Die zweite und größte dieser Versammlungen am 15. Mai 1848 entsandte Abordnungen an den Kaiser und den Landtag zu Klausenburg, um ihnen die in 16 Punkte gefaßte „Nationale Bittschrift“ (Petiţiunea naţională) der Rumänen Siebenbürgens zu erläutern: Aufhebung des Frondienstes und Anerkennung der Rumänen als vierte Nation in Siebenbürgen, mit allen dazugehörenden kulturpolitischen Autonomierechten. L, der an den Entscheidungen in Blaj mitgewirkt und sich als einer der erfolgreichsten und populärsten Redner erwiesen hatte, wurde auch eines der fünf Mitglieder im „Ständigen Rat“ (Comitetul permanent) der Rumänen, der - wie auch das „Rumänische Nationalkomitee“ (Comitetul Naţional Român) - seinen Sitz in Hermannstadt hatte. Da weder der Landtag noch die Regierung in Pest nach der Vereinigung Siebenbürgens mit Ungarn (11. April) auf die rumänischen Forderungen eingingen und den befreiten Bauern auch kein Land zugeteilt wurde, wandten sich die Rumänen auf der dritten Versammlung von Blaj (14.-28.09.1848) mit einer Denkschrift an das liberale Parlament in Wien, in der Hoffnung auf „freie Vereinigung der freien Völker“ der Monarchie. I. erwies sich hier bereits als radikaler Volksführer mit seiner Erklä- Unsere Ansprüche und die Freiheit sind uns heilig. Wir sind bereit, sie um rung: jeden Preis zu verteidigen. Mitte Oktober 1848 faßte das „Rumänische Nationalkomitee“ den Entschluß, auf der Seite der Legitimität zu bleiben, zumal Wien den Rumänen Siebenbürgens die Erfüllung der Forderungen von Blaj in Aussicht gestellt hatte. I. verstand es, seine Bauern in wenigen Wochen zu Lanzenträgern und Soldaten auszubilden. Das Zusammenwirken mit dem österreichischen General Anton Puchner verlief indes nicht immer glücklich. I. baute das Siebenbürgische Erzgebirge zu einer Festung aus, die während des Bürgerkrieges in Siebenbürgen als einzige von den Honveds nicht eingenommen werden konnte. Verhandlungen zwischen Kossuth und I. im April und Mai scheiterten an Verrat. Bei Mărişel (Marisei, Komitat Klausenburg), Roşia (Veresmart, Hermannstädter Stuhl), Abrud (Abrudbânya) und Fmtmele (Fönlak, Komitat Te- mesch; heute Stadtteil von Arad) wurden die Ungarn von L, dem „König der Berge“ (Craiul munţilor), geschlagen. Die Verhandlungen über den künftigen Status der Rumänen Siebenbürgens zogen sich einige Jahre hin. Dem zermürbenden Kampf mit Bittschriften und Delegationen war I. gesundheitlich nicht gewachsen. Er sah sich in seinen Hoffnungen auf Erfüllung der von ihm vorgetragenen Forderungen von der Krone enttäuscht und seine Kampfleistungen mißachtet, weswegen er dem Kaiser die erhaltenen Orden zurücksandte.
Der in geistiger Umnachtung gestorbene I. lebt in Geschichte, Volkslied und Legende als der Held des rumänischen Freiheitskampfes von 1848/49 fort.

Literatur

Dragomir, Silviu: Avram Iancu. Bucureşti 1968(2) (mit Bibliographie).
Maior , Liviu: Avram Iancu - Scrisori. Cluj 1972.
Pascu, Ştefan: Avram Iancu. Bucureşti 1972.

Verfasser

Krista Zach (GND: 120069873)

GND: 118979116


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Empfohlene Zitierweise: Krista Zach, Iancu, Avram, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 205-207 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=992, abgerufen am: (Abrufdatum)

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