Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Hunyadi, János

Hunyadi, Johann (János), Reichsverweser von Ungarn 1446-1452, Feldherr, * 1407/ 1409, † Semiin (Zemun) 11.08.1456.

Leben

So sehr die Anfänge der Familie Hunyadi bisher ungeklärt sind, kann festgestellt werden, daß H. aus einer walachischen Bojarenfamilie stammte und sein Vater Vajk gegen Ende des 14. Jh.s nach Siebenbürgen einwanderte und dort 1409 von König Sigismund mit der Burg Vajdahunyad sowie dem Adelstitel ausgezeichnet wurde. H. heiratete 1428/30 (?) die  aus dem ungarischen Mitteladel stammende Erzsébet Szilágyi († 1483). Aus dieser Ehe gingen die beiden Söhne Ladislaus († 1457) und Matthias, der spätere König von Ungarn, hervor.
Am Ende der 1420er Jahre wurde H. - gelegentlich als familiaris - im Dienst südungarischer Magnaten sowie des serbischen Despoten Stefan Lazarević erwähnt. Um 1430 trat er in den Dienst König Sigismunds, den er 1431 auf dessen Krönungsreise nach Rom bis Mailand begleitete, wo er sich zwei Jahre lang am Hof von Filippo Visconti aufhielt und durch Francesco Sforza u. a. in der italienischen Kriegstechnik unterwiesen wurde. 1433/34 hielt sich H. wiederum im Gefolge Sigismunds auf dem Weg nach Basel auf und begleitete den König in dessen letztem Regierungsjahr nach Böhmen, wo er die Kampfweise der hussitischen Söldnerheere kennenlernte. Ab 1439 erwarb sich H. seine ersten Verdienste bei der Abwehr der Türken an der ungarischen Südgrenze. Seinen ersten Erfolgen folgte die Ernennung zum Banus von Severin (1439-1446).
Nach dem Tod König Albrechts II. unterstützte H. die Wahl des Jagiellonen Wladislaw I. zum König von Ungarn gegen die Königinwitwe Elisabeth und deren mächtigsten Parteigänger László Garai.  Der gewählte König Wladislaw, dessen vertrauter Rat H. wurde, ernannte H. zusammen mit Miklós Ujlaki zum Woiwoden von Siebenbürgen (1441-1446) und zum Obergespan von Temesch (1441-1446). Mit der Verleihung dieser neuen Würden stand der Kampf gegen das Vordringen der Osmanen in direktem Zusammenhang. Aus dem Kreis seiner familiares sowie aus Söldnergruppen, die z. T. aus Böhmen kamen, setzte sich zunächst das Heer H.s zusammen, das seine ersten größeren Siege 1442 bei Marosszentimre gegen Mezid Bey errang. Im Sommer 1443 nahm H. an dem von König Wladislaw geführten „balkanischen“ oder „langen Feldzug" gegen die Türken teil. Mit einer Heeresgruppe nahm er Nisch und Sofia ein. Mit dem Ziel, die Osmanen aus ganz Europa zu verdrängen, half H. bei dem Plan einer großen Koalition Ungarns mit den rumänischen Woiwoden Stephan II. und Vlad II. (Dracul), dem Serben Georg Branković und dem Albaner Skanderbeg gegen den Sultan Murad II. Inzwischen aufgenommene und von H. begrüßte Waffenstillstandsverhandlungen führten zum Abschluß eines zehnjährigen Waffenstillstandes mit den Türken, den Wladislaw mit Unterstützung des päpstlichen Legaten Giuliano Cesarini und dem stillschweigenden Einverständnis von H. brach. Nach der Niederlage von Warna 1444 konnte H. in die Walachei flüchten, wo ihn der Woiwode Vlad II. nach kurzer Gefangenschaft wieder freilassen mußte. Nach seiner Rückkehr übertrug der ungarische Reichstag im Februar 1445 die Exekutive an sieben Oberkapitäne, von denen H. mit dem Gebiet Siebenbürgens und östlich der Theiß betraut und zum Mitglied der curia regis ernannt wurde. Bei der weiteren Bekämpfung der Türken unterstützte H. den walachischen Fürstensohn Dan und setzte 1446 gegen dessen Vater Vlad II. die Nachfolge von Dan III. (Danicul) durch. Indessen führten die Verhandlungen Ungarns mit Friedrich III. über die Herausgabe von König Ladislaus Postumus zu keinem Ergebnis - ebensowenig ein Feldzug H.s gegen die Anhänger der kaiserlichen Partei in Ungarn, vor allem gegen die Cillis. Als Ausweg wählten die ungarischen Stände am 5. Juni 1446 H. zum Reichsverweser für die Zeit bis zur Mündigkeit von Ladislaus Postumus. Bei einem noch im gleichen Jahr unternommenen Kriegszug konnte H. in die Steiermark, Kärnten und Krain einfallen und Wien bedrohen, doch auch bei den Waffenstillstandsverhandlungen war Friedrich III. nicht bereit, Ladislaus auszuliefern. Im Sommer 1448 bereitete H. einen neuen Zug gegen Sultan Murad II. vor. Der Verrat des serbischen Despoten und Schwiegersohnes Ulrichs von Cilli, Georg Branković, trug nicht unwesentlich zu der darauf folgenden Niederlage H.s auf dem Amselfeld (18.-19.10. 1448) bei. Unter dem Druck eines Teils des ungarischen Heeres mußte Branković den gefangengenommenen H. wieder freilassen. Im Oktober 1450 führte H. in Preßburg persönliche Verhandlungen mit Friedrich III. und war gezwungen, die Vormundschaft des Kaisers über den ungarischen König anzuerkennen. Als Ladislaus das Alter seiner Mündigkeit erreicht hatte, legte H. auf dem Reichstag von 1452/53 die Würde des Reichsverwesers nieder und huldigte Ladislaus 1453 in Wien. Der König ernannte ihn darauf zum Erbgrafen von Bistritz, zum Landeskapitän und zum Hauptverwalter der Landeseinnahmen. Den Rest seines Lebens widmete sich H. wieder insbesondere der Türkenbekämpfung. Nach seinem Sieg 1454 bei Kruševac über Feriz Bey stellte er mit Hilfe des Johannes von Capestrano ein Kreuzzugsheer zusammen, um das von Mehmed II. belagerte Belgrad zu verteidigen. Der großartige Sieg H.s über das zahlenmäßig überlegene Heer fand im christlichen Europa starken Widerhall und stärkte die Hoffnungen auf ein Zurückdrängen der osmanischen Bedrohung. Im Lager bei Belgrad fiel H. der Pest zum Opfer.
Bei der Fortsetzung der unter König Sigismund begonnenen Zentralisationsbemühungen stützte sich H. auf die Institution der familiaritas. Unter seiner Leitung wurde diese ungarische Sonderform des Lehenswesens ein praktikables Mittel zur Erhaltung der staatlichen Einheit. Nach H.s Abdankung als Reichsverweser teilte sich die Macht in den nominalen Anspruch des Königs und die praktische Exekutivgewalt H.s als Administrator der königlichen Einnahmen und des Militärs. Dieser Antagonismus verhinderte eine entscheidende Weiterentwicklung der staatlichen Zentralisation, eine Aufgabe, die H.s Sohn - gestützt auf den beträchtlichen Landerwerb seines Vaters - fortführte.
H.s Leben war vor allem gekennzeichnet durch die Zeit der letzten großen Feldzüge gegen das Vordringen der Osmanen, durch die letzten Versuche der - z. T. vereinten - südosteuropäischen Staaten, sich selbständig gegen die Bedrohung aus dem Süden zu behaupten. In seiner verfassungsrechtlich und politisch unsicheren Stellung zwischen dem Amt eines Königs und dem eines Condottiere verstand es H., gestützt auf seine familiaritas, sich gegen die verschiedenen ungarischen Adelsparteien durchzusetzen und loyal drei ungarischen Königen zu dienen. H.s realistisches Vorgehen bei der Ausdehnung des eigenen Landbesitzes machte das Geschlecht der Hunyaden zu einem der mächtigsten Grundbesitzer in Ungarn.

Literatur

Elekes, Lajos: Hunyadi. Budapest 1952.
Mályusz, Elemér: A magyar rendi állam Hunyadi korában. In: Századok 91 (1957) 46-123, 529-602.
Pall, Francisc: Intervenţia lui lancu de Hunedoara în Ţara Românească şi Moldova în anii 1447-1448. In: Studii 16 (1963) 1049-1072.
Ders.: Skanderbeg et Iancu de Hunedoara. In: Rév. Ét. sud-est europ. 3 (1965) 433-463.
Zsolnay, Vilmos von: Vereinigungsversuche Südosteuropas im XV. Jahrhundert. Johannes von Hunyadi. Frankfurt, Koblenz 1967.
Pall, Francisc: Byzance à la veille de sa chute et Janco de Hunedoara (Hunyadi). In: Byzantinoslavica 30 (1969) 119-126.
Pataki, Iosif: Domeniul Hunedoara. Bucureşti 1973.

Verfasser

Karl Nehring (GND: 170892018)


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