Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Courtenay

Courtenay, französisches Adelsgeschlecht, das seinen Namen von der Herrschaft Courtenay im Departement Loiret, Arrondissement Montargis im Gâtinais, herleitet. Durch Heirat mit Elisabeth von C. kam die Herrschaft um 1150 an Peter I. (* 1125, † 1182), den siebenten und jüngsten Sohn König Ludwigs VI. von Frankreich. Er nahm den Namen C. für seine Familie an und begründete ein kurzlebiges Geschlecht.

Leben

Peter II. von C., lateinischer Kaiser in Konstantinopel 1217, * 1167, † in epirotischer Gefangenschaft 1217, Sohn von Peter I. und Elisabeth. In zweiter Ehe (erste Ehe mit Agnes von Nevers 1184-1192) heiratete Peter II. 1193 Jolante († 1219), Tochter Balduins VIII., Grafen von Flandern und Hennegau und Schwester der beiden lateinischen Kaiser Balduin I. und Heinrich. Nachdem letzterer 1216 ohne einen unmittelbaren Erben gestorben war, wurde er zum Nachfolger gewählt. Der Aufbruch aus Frankreich erfolgte 1217 mit Zwischenaufenhalt in Rom, wo Papst Honorius III. ihn und Jolante am 9. April 1217 in der Kirche S. Lorenzo fuori le mura zum Kaiser bzw. zur Kaiserin krönte. Nach der Krönung setzte er Wilhelm von Montferrat in die Rechte eines Königs von Thessalonike ein. Von hier zog er nach Dyracchium und belagerte mit 5500 Mann die Stadt, um sie von Theodoros Angelos zurückzuerobern. Die Belagerung mußte aber ergebnislos abgebrochen werden und die Truppen zogen weiter nach Konstantinopel. In den albanischen Gebirgspässen wurde Peter II. mit seinem Gefolge jedoch von dem Despoten Theodoros Angelos von Epirus überfallen und gefangengenommen. Jolante kam indes auf dem Seeweg wohlbehalten nach Konstantinopel. Da ihr ältester Sohn, Philipp von Namur, sich weigerte, Frankreich zu verlassen, übernahm sie die Herrschaft und wurde von 1217 bis 1219 lateinische Kaiserin von Konstantinopel. Sie verheiratete ihre Tochter Maria mit dem byzantinischen Kaiser in Nikaia, Theodoros I. Laskaris, und schloß mit ihm einen Vertrag zur Vermeidung gegenseitiger Feindseligkeiten. Dadurch erreichte sie, daß die Griechen in Kleinasien keine weiteren Eroberungen unternahmen. Sie konnte jedoch nicht verhindern, daß Theodoros Angelos 1218 auf der Balkanhalbinsel große Teile Thessaliens und Makedoniens eroberte und Thessalonike bedrohte.
Robert von C., lateinischer Kaiser in Konstantinopel 1221-1228, † Morea 1228, zweiter Sohn von Peter II. und Jolante, verließ 1220 Frankreich und wurde am 25. März 1221 in Konstantinopel durch den lateinischen Patriarchen Matthäus gekrönt. Der noch junge Kaiser war weder politisch noch militärisch seiner Aufgabe gewachsen, die lateinische Herrschaft in Konstantinopel gegen die Angriffe aus Nikaia und Epirus zu schützen und seine Macht im Orient zu befestigen. Er erneuerte mit Theodoros I. Laskaris den Vertrag seiner Mutter. Der griechische Kaiser bot ihm seine Tochter Eudokia zur Frau an, wogegen aber der Patriarch in Nikaia Einspruch erhob. Beim Tode Theodoros’ I. 1222 waren noch immer die Verhandlungen über diese Heirat im Gange. Robert unterstützte die Rebellion der Brüder des Verstorbenen gegen dessen Nachfolger Johannes III. Dukas Vatatzes, zog selbst gegen ihn und wurde dabei bei Poimanenon 1225 geschlagen. Er verlor darauf alles Land in Kleinasien außer Nikomedeia und einen Küstenstrich gegenüber Konstantinopel. Im Westen eroberte Theodoros Angelos 1221 Serres sowie Ende 1224 Thessalonike und ließ sich in dieser Stadt zum Kaiser krönen. Bereits 1225 war das lateinische Kaiserreich auf Konstantinopel und Umgebung beschränkt. Adrianopel kam 1225 erst in die Hand Johannes III. Dukas Vatatzes, dann in die Gewalt des Theodoros Angelos. Gegen ihn suchte Robert Hilfe bei dem mit ihm weitläufig verwandten Bulgarenzar Asen II., mit dem aber ebenso Theodoros Angelos familär verbunden war. Als Robert sich durch Liebesabenteuer den Zorn seiner Barone zuzog, floh er nach Italien zu Papst Gregor IX., auf dessen Rat er jedoch zurückkehrte. Er starb unterwegs in Morea.
Balduin II., lateinischer Kaiser in Konstantinopel 1228-1261, * Konstantinopel 1217, J 1273, Sohn von Peter II. und Jolante. Balduin II., der von 1231 bis 1237 Johann von Brienne als Regenten neben sich hatte, brach 1236 nach Westen auf, um Hilfe gegen Bulgarien und Nikaia zu erhalten. 1239 kehrte er an der Spitze von 30 000 Mann zurück und erhielt auch von Asen II., der mit Nikaia zerstritten war, bulgarische und kumanische Hilfstruppen. Mit deren Hilfe konnte nun Tzurulos in Thrakien zurückerobert werden. Von 1241 bis 1245 kam es zu einem Waffenstillstand mit Nikaia. Von 1245 bis 1248 reiste Balduin II. wieder durch das Abendland, fand aber wenig Unterstützung. Völlig verarmt verpfändete er seinen Sohn Philipp (Titularkaiser 1273-1283) an die Venezianer, da er sich von Venedig und vom Papst, besonders nach der Schlacht bei Pelagonia (1259), noch Hilfe erhoffte. 1260 kam es zu einem Waffenstillstand mit Michael VIII. Palaiologos, 1261 verlor er Konstantinopel völlig an die Byzantiner und floh daraufhin nach Sizilien. Im Jahre 1267 schloß Balduin II. in Viterbo mit Karl von Anjou einen Vertrag zur Wiedereroberung des byzantinischen Reiches.
Katharina von C., Titularkaiserin des lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel 1283-1307, * 1274, † 1307, Tochter von Philipp I. (mit dem die Linie im Mannesstamm erloschen war). Katharina verbrachte ihre Jugend am Hof ihres Onkels Karl II. von Neapel. Michael VIII. Palaiologos versuchte, sie mit seinem Sohn Michael IX. zu verheiraten, um das lateinische Titularkaisertum zu beseitigen. Die Verhandlungen begannen 1288, endeten aber nach mehreren Jahren ergebnislos. 1301 wurde sie die zweite Frau Karls I. von Valois, Bruder des französischen Königs Philipp IV. des Schönen. Zusammen mit Philipp I. von Taranto, dem Sohn Karls II., versuchte Karl von Valois vergeblich, die lateinische Herrschaft in Konstantinopel wiederherzustellen. Venedig scherte aus der Koalition aus und schloß 1310 einen zwölfjährigen Vertrag mit Byzanz. Das Titularkaisertum vererbte Katharina ihrer Tochter gleichen Namens (Katharina II., * 1301, † 1346), die 1313 Philipp I. von Taranto heiratete.

Literatur

Schlumberger, Gustave: Sceaux et bulles des empereurs latins de Constantinople. In: Bulletin monumental 56,6 ser. 6 (1890) 5-29.
Diehl, Charles: L’empire latin de Constantinople. Dans l’orient byzantin. Paris 1917, 167-202.
Dade, Erwin: Versuche zur Wiedererrichtung der lateinischen Herrschaft in Konstantinopel im Rahmen der abendländischen
Politik 1261 bis etwa 1310. Jena 1938.
Wolff, R. L.: Romania. The Latin empire of Constantinople. In: Speculum 23 (1948) 1-34.
Longnon, Jean: L’Empire latin de Constantinople et la principauté de Morée. Paris 1949.
Ostrogorsky: passim. The Cambridge medieval history. Vol. 4: Byzantine Empire, Pt. 1: Byzantium and its neighbours. Hrsg. Joan Mervyn Hussey. Cambridge 1966 (mit Bibliographie).

Verfasser

Wolfgang von Rintelen (GND: 106397435)

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Empfohlene Zitierweise: Wolfgang von Rintelen, Courtenay, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 331-333 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=682, abgerufen am: (Abrufdatum)

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