Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Batthyány, Lajos Graf

Batthyány, Lajos (Ludwig) Graf, ungarischer Reformpolitiker und Ministerpräsident, * Preßburg 6.02.1806, † Pest 6.10. 1849.

Leben

Nach seinem Jurastudium auf der Rechtsakademie zu Zagreb und unter dem Eindruck einer Westeuropareise setzte sich B. in Ungarn für liberale Reformen ein, zuerst zusammen mit Graf István Széchenyi und Baron Miklós Wesselényi, später unter dem Einfluß von Lajos Kossuth. 1830 wurde B. Mitglied der oberen Tafel des ungarischen Parlaments, 1832/1836 Mitglied und 1839 Leiter der Magnatenopposition dieser Tafel. Seine wichtigsten Forderungen waren: Bauernbefreiung, Amtsfähigkeit der Nichtadeligen, Religionsfreiheit. Ende 1845 wurde B. Präsident des zentralen Ausschusses der Opposition und 1847 Vorsitzender der vereinigten Opposition. In dieser Eigenschaft setzte er sich erfolgreich für die Wahl Kossuths zum Ablegaten im Komitat Pest ein. Am 17. März 1848 ernannte ihn Ferdinand V. zum Ministerpräsidenten, am 31. März übernahm er seinen Posten, und sein Ministerium (Regierung) trat am 4. April ins Amt. Im ersten Volksvertretungs-Parlament vertrat er den Sárvárer Bezirk. Während seiner Amtszeit wurde die ungarische Landwehr (honvédség) gegründet. Vom Sommer 1848 an wurde seine Lage immer kritischer: B. hatte sich für die Legalität zwischen Krone und Nation eingesetzt, worauf sich die Spannung zwischen ihm und Kossuth - seinem Finanzminister - immer mehr zuspitzte und er gleichzeitig das Vertrauen des Hofes verlor. Nachdem der die Unterstützung Wiens genießende kroatische Banus Jelačić mit seinen Truppen gegen Ungarn marschiert war, wollte er abdanken (10. September), auf Wunsch seiner Mitarbeiter blieb er jedoch auf seinem Posten. Sein gleichzeitiger Versuch, seine Regierung umzubilden, scheiterte. Nach der Ermordung des nach Pest geschickten Grafen von Lamberg erlitt seine Vermittlerrolle einen totalen Schiffbruch, sein Standpunkt wurde weder von Kossuth noch vom Hof akzeptiert. Er dankte deshalb am 2. Oktober 1848 ab. Dann setzte er sich als Abgeordneter für einen Ausgleich ein und war Mitglied der Friedensdelegation des ungarischen Parlamentes an den Fürsten von Windischgrätz, den Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee in Ungarn. Dieser lehnte ab, B. zu empfangen, und B. wurde am 8. Januar 1849 in Pest auf seinen Befehl hin verhaftet und bald nachher - wegen angeblicher Verletzung der „Pragmatischen Sanktion“ und des Versuchs, einen Umsturz im Reich angestrebt zu haben - vor Gericht gestellt. B. ernannte zu seinem Verteidiger seinen ehemaligen Justizminister, Ferencz Deák, und berief sich als Zeugen auf den Exkaiser und König Ferdinand sowie die Erzherzoge Stephan und Ludwig. Sein Antrag wurde jedoch abgelehnt und er wurde vom Militärgericht in Olmütz auf den Druck des Fürsten Schwarzenberg hin zum Tode verurteilt. Am 5. Oktober wurde das Todesurteil in Pest verkündet und am folgenden Tag vollstreckt. B.s Worte: „Ihr könnt mich töten, aber urteilen nicht“, wurden zu einem Sprichwort in Ungarn. Der Justizmord rief in ganz Europa große Empörung hervor. Nach dem Ausgleich zwischen Ungarn und der Krone wurde B. am 9. Juni 1869 feierlich beigesetzt.

Literatur

Vahot, Imre: Gróf Batthyány Lajos élete és jellemrajza. Pest 1873.
Károlyi, Árpád: Németújvári gróf Batthyány Lajos első magyar miniszterelnök főbenjáró pőre. Budapest 1932.
Spira, György: A magyar forradalom 1848-49-ben. Budapest 1959.

Verfasser

László Révész (GND: 137536054)


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