Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Varnava

Varnava (Petar Rosić), serbischer Patriarch 1930-1937, * Pljevlja (Montenegro) 29.08.1880, † Belgrad 24.07.1937, Sohn des Landarbeiters Djordje Rosić.

Leben

V. besuchte zunächst die Grundschule in seinem Heimatort und dann bis 1898/99 das Lehrer- und Priesterseminar in Prizren. Mit einem Stipendium des Hl. Synods der russischen Kirche studierte er von 1900 bis 1905 Theologie an der Geistlichen Akademie in St. Petersburg, wo er auch Bekanntschaft mit dem religionsphilosophischen Zirkel um Dmitrij Merezkovskij machte. Am 30. April 1905 wurde er von dem Direktor der Akademie, Bischof Sergij (Stragorodskij), dem späteren Patriarchen von Moskau, in den Mönchsstand aufgenommen, um kurz darauf zum Ierodiakon (6.05.1905) und zum Ieromonach (5.06.1905) geweiht zu werden. Von 1905 bis 1910 wirkte er als Geistlicher in Konstantinopel an der serbischen Botschaft, als Lehrer der dortigen serbischen Schule und als Mitarbeiter der Zeitung „Carigradski glasnik“ (Konstantinopler Bote). König Peter I. Karadjordjević erwirkte anläßlich seines Besuches bei Patriarch Joakim III., daß dieser V. am 10. April 1910 zum Bischof der neuerrichteten Eparchie Debar-Veles mit Sitz in Kicevo weihte.
Mit großem Eifer widmete sich der junge Bischof dem Aufbau des serbischen Kirchenwesens in Auseinandersetzung mit dem bulgarischen Exarchat. 1917 unternahm er eine Reise nach Rußland, um in Aufsätzen und Vorträgen die Öffentlichkeit über die Lage der serbischen Nation zu informieren. In Petrograd erlebte er die Februarrevolution mit. Als Abgesandter der serbischen Kirche nahm er dann in Moskau am Landeskonzil der russischen Kirche teil. Aus Char’kov, der dritten Station, kehrte er über Skandinavien, England und Frankreich in seine Eparchie zurück, die mitten im Gebiet der Salonikifront lag. Mit  dem serbischen Heer kam er in die eroberten Städte Makedoniens und kümmerte sich um die notleidende Bevölkerung aller Konfessionen. Am 17. November 1920 wählte man ihn zum Metropoliten von Skoplje innerhalb der Jurisdiktion des serbischen Patriarchats. Zusammen mit dem berühmten Bischof von Ohrid-Bitolj Nikolaj (Velimirovic) ging er daran, das kirchliche Leben in Makedonien zu erneuern.
Am 12. April 1930 bestieg V. den Thron des hl. Sava und wurde in einer für die serbische Kirche kritischen Zeit deren geistliches Oberhaupt. Innenpolitisch war das Verhältnis zwischen Staat und Kirche, genauer zur Regierung, zu klären, außenpolitisch, eng damit verbunden, drohte ein allgemein auf Ablehnung stoßendes Konkordat Jugoslawiens mit dem Vatikan. Nach der Ermordung König Alexanders I. Karadjordjević (1934) spitzte sich die Situation immer mehr zu. Auf dem Höhepunkt der Diskussion, gerade als das Konkordat mit geringer Mehrheit im Parlament angenommen worden war, starb Patriarch V. erst 57 jährig in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli 1937 in Belgrad.
Unter V.s Leitung wurde die innere Organisation der serbischen Kirche durch die Promulgierung der schon lange vorbereiteten Verfassung am 3. September 1931 gefestigt. Unter anderem wurde dadurch das Theologiestudium neu geregelt und eine Ausbildungsstätte für Mönche gegründet. Die Seelsorge suchte V. durch Errichtung von kirchlichen Druckereien und Herausgabe religiöser und theologischer Zeitschriften sowie durch Ausbildung von Volksmissionaren und Militärpfarrern zu intensivieren. Durch Vereinbarungen mit anderen orthodoxen Kirchen, so mit dem rumänischen Patriarchat, mit der bulgarischen Kirche (Resolutionen von Rila 1934 und Ohrid 1936) gelang es V., die Seelsorge der Serben im Ausland zu sichern und gute zwischenkirchliche Beziehungen herzustellen. Auch der russischen Auslandskirche, die in Karlowitz (Sremski Karlovci) Zuflucht gefunden hatte, ließ er seine Unterstützung zukommen. Auf seine Unterstützung geht die Gründung orthodoxer Gemeinden in Slowenien zurück, deren Kirchen in Laibach (Ljubljana) „Ciril i Metod“ und in Cilli (Celje) „Sava“ er geweiht hat. Von der auch sonst regen Bautätigkeit während seines Patriarchats legen die neue Patriaršija (erbaut 1935) und die Markuskirche in Belgrad ein beredtes Zeugnis ab. In Rakovica ließ V. eine Schule für Ikonenmalerei einrichten. In der verhältnismäßig kurzen Amtszeit von nur sieben Jahren konnte Patriarch V. nur wenige seiner Konzeptionen verwirklichen, zumal sie von den Ereignissen, die auf einen neuen Krieg hinwiesen, überschattet wurden.

Literatur

Kostić, Trajan: Barnabas. In: Threskeutike kai ethike encyklopaideia. Bd 3. Athen 1963, 638- 639.
Slijepčević, Djoko: Istorija Srpske pravoslavne crkve. Bd 2. München 1966, 643-647.
Kovačević, Božidar: Srpski patriarsi poslednjih pedeset godina. In: Srpska pravoslavna crkva 1920-1970. Beograd 1971, 469-473.
Memoari patrijarha srpskog Gavrila. Paris 1974.

Verfasser

Hans-Joachim Härtel (GND: 120323648)

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Empfohlene Zitierweise: Hans-Joachim Härtel, Varnava, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 386-387 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1829, abgerufen am: (Abrufdatum)

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