Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Palaiologos, Theodoros I.

Theodoros I. Palaiologos, Despot in Mistra 1383-1407, * Konstantinopel um 1355, † Mistra 24.(?) 06.(?) 1407, dritter Sohn des Kaisers Johannes V. Palaiologos und der Helene Kantakuzene.

Leben

Th., der beim Aufstand Andronikos' IV. 1376 mit seinem Vater und seinem Bruder Manuel II. eingekerkert worden war, wurde 1383 von Johannes V. auf die Peloponnes geschickt, um den aufsässigen Demetrios Kantakuzenos in die Schranken zu weisen. Nach dessen überraschendem Tod übernahm er selbst dieses von gierigen Feinden umlauerte und von den Großmächten als Spielball angesehene Despotat, in dem sich obendrein noch einige Adlige zu selbstherrlichen Potentaten aufgeschwungen hatten. Th. hatte das Glück, in Nerio I. Acciaiuoli, dem Herzog von Athen, einen Verbündeten zu finden, dessenTochter Bartholomaia er 1385 heiratete. Sein Erzfeind war und blieb Pierre de Saint-Superan, der Anführer der Navarresischen Kompanie, und nach dessen Tod 1402 Centurione II. Zaccaria, der genuesische Baron von Achaja. Die wohl größte Enttäuschung seines Lebens bereitete ihm 1394 das Testament seines Schwiegervaters, in dem nicht er, sondern dessen zweiter Schwiegersohn, der Graf Carlo I. Tocco von Kephallonia, zum Haupterben bestimmt wurde. Th. griff zu den Waffen, Carlo seinerseits rief die Türken unter Evrenos Bey zu Hilfe, der die Byzantiner schlug und die Festungen Leontarion und Akova besetzte; Th. selbst wurde zu Bayezid I. zitiert und nachdrücklich darauf hingewiesen, daß er nur türkischer Vasall und nicht mehr sei. Das bekam Th. oft zu hören und immer wieder auch die Einfälle der Türken zu spüren, die 1396 die von ihm am Isthmus von Korinth errichtete lange Mauer (Hexamilion) zerstörten. Daß es Th. dennoch gelang, seinen Besitz zu festigen und gegen Nordosten sogar etwas auszudehnen sowie die Bevölkerungszahl durch die Ansiedlung von Albanern aufzubessern, spricht für sein taktisches und diplomatisches Geschick, das oft schon an Skrupellosigkeit grenzte; so etwa trat er 1384 Monemvasia an die Venezianer ab und verkaufte 1400 Korinth an den Johanniterorden auf Rhodos. Mit dieser bisweilen derben Politik hat Th., der kurz vor seinem Tod unter dem Namen Theodoretos noch Mönch wurde, zweifelsohne den Grund für die spätere Blüte seines Despotats gelegt.

Literatur

Zakythinos, D. A.: Le Despotat Grec de Morée. 2 Bde. Paris 1932, Athen 1953.
Ostrogorsky: S. 449-458 (mit Bibliographie).
Barker, John W.: Manuel II. Palaeologus (1391-1425). A study in Late Byzantine Statesmanship. New Brunswick, N. J. 1969 (mit Bibliographie).

Verfasser

Erwin Fenster (GND: 106391216)

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Empfohlene Zitierweise: Erwin Fenster, Palaiologos, Theodoros I., in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 301 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1767, abgerufen am: (Abrufdatum)

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