Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Tervel

Tervel, bulgarischer Khan 701-718, Sohn und Nachfolger Asparuchs aus dem Geschlecht Dulo.

Leben

Bereits in den ersten Jahren seiner Herrschaft lernte T. die inneren Zwistigkeiten im byzantinischen Reich für sich auszunutzen. Der im Jahre 695 abgesetzte Kaiser Justinian II. war nach Cherson auf die Krim verbannt worden, von hier weiter zu den Chazaren geflüchtet, bis er sich an T. um Unterstützung wandte, weil er den Thron in Byzanz zurückgewinnen wollte. T. versprach seine Hilfe und zog mit einem Heer von fünfzehntausend Bulgaren und Slawen vor die byzantinische Hauptstadt. Durch List gelang es Justinian, in die Stadt einzudringen, wo er nach kurzen Kämpfen zum zweiten Mal den Thron bestieg. Als Belohnung wurden T. und seine Soldaten reich beschenkt, dem bulgarischen Khan wurde der Kaisartitel, nach der Kaiserwürde der höchste byzantinische Ehrentitel, verliehen, und als territorialen Zuwachs erhielt das bulgarische Reich Zagore, also die Gebiete um Sliven, Jambol und Ajtos südlich der Stara Planina.
Als sich die Lage in Byzanz konsolidiert hatte, unternahm Justinian II. jedoch im Jahre 708 einen Feldzug gegen T. In der entscheidenden Schlacht bei Anchialo trugen die Bulgaren aber den Sieg davon, und die friedlichen Beziehungen wurden wiederhergestellt. Nach sechsjähriger Herrschaft wurde Justinian 711 zum zweiten Male gestürzt. Bulgarische und slawische Truppen zogen angriffsbereit vor die byzantinische Hauptstadt, kehrten aber zurück, nachdem Justinian getötet worden war. In den folgenden Jahren, die in Byzanz durch Thronwirren geprägt sind, erschien T. noch mehrmals vor den Toren der Hauptstadt. Erst Kaiser Theodosios III. suchte die friedlichen Beziehungen zu T. wieder aufzunehmen und untermauerte sie 716 mit einem bedeutenden Vertrag. In ihm wurden die Grenze zwischen dem byzantinischen und bulgarischen Reich festgelegt, eine jährliche Abgabe an Kleidern und rohen Häuten im Wert von 30 Pfund Gold durch den byzantinischen Kaiser vereinbart, der Austausch politischer Flüchtlinge verabredet und schließlich Handelsvereinbarungen für Import- und Exportwaren getroffen.
Als 717 die Araber Byzanz belagerten, war es wieder T., der mit Truppen zu Hilfe kam, die 20.000 Araber in Thrakien besiegte und somit Byzanz aus einer ernsten Gefahr rettete.
Unter T. vermehrte der junge bulgarisch-slawische Staat seine politische Macht, indem er sich geschickt in die byzantinische Politik einmischte und beinahe zu einem gleichberechtigten Partner des byzantinischen Reiches wurde.

Literatur

Zlatarski, Vasil N.: Istorija na bŭlgarskata dŭržava prež srednite vekove. T. I/1. Sofija 1918, 162-192.
Cankova-Petkova, Genoveva: Bŭlgaro-vizantijskijat miren dogovor ot 716 g. In: Izsledvanija v čest na Dimitŭr Dečev. Sofija 1958, 743-746.
Dies.: Bŭlgaro-vizantijskite otnošenija pri upravlenieto na Tervel i Kormesij. In: Studia in honorem M. Drinov. Sofija 1960, 615-627.
Kutikov, Vladimir: Ošte za vŭprosa za priloženieto na bŭlgaro-vizantijskija dogovor ot 716 g. In: Ist. Pregled 18 (1962) 3, 79-84.
Radulov, Dimitŭr: Chan Tervel, beležit dŭržavnik i pŭlkovodec, 701-718 g. In: Voenno-ist. sborn. 37 (1968) 3, 41-54.
Zaimov, Jordan: Die slavische Herkunft des Namens des bulgarischen Herrschers Tervel (702-718/719). In: Serta slavica in memoriam Aloisii Schmaus. München 1971, 757-761.

Verfasser

Detlef Kulman (GND: 128703393)

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Empfohlene Zitierweise: Detlef Kulman, Tervel, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 4. Hgg. Mathias Bernath / Karl Nehring. München 1981, S. 287-288 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1757, abgerufen am: (Abrufdatum)

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