Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Orseolo, Pietro (II.)

Orseolo, Pietro (II.), venezianischer Doge, * Venedig 961, † ebd. September 1009, Sohn des Dogen Pietro O. I. und der Felicitas O.

Leben

O. wurde im Frühjahr 991 in das höchste venezianische Staatsamt gewählt. Unter ihm, der Familien- und Staatsinteresse auf das Beste zu verbinden verstand, begann die venezianische Adria- und Levantepolitik erstmals feste Konturen anzunehmen. Bereits im März 992 schloß er einen ersten Handelsvertrag mit Byzanz, der den Venezianern bedeutende Handelsprivilegien im Oströmischen Reich einräumte, sie aber zur Flottenunterstützung für Byzanz im Adriaraum verpflichtete. Gleichzeitig nahm O. allerdings auch Beziehungen zu den meisten Sarazenenfürsten auf. Für die künftige venezianische Geschichte war seine Balkanpolitik von entscheidender Bedeutung: Seit Pietro Candiano III. (942-959) hatte Venedig keine kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Balkanslawen mehr gehabt. Die in den dalmatinischen Küstenstädten ansässigen venezianischen Kaufmannskolonien erkauften sich ihre Handelsfreiheit mit Tributen an die Slawenfürsten. Nach O.s Amtsantritt veränderte sich diese Lage schlagartig; er scheint den venezianischen Kaufleuten die Tributzahlungen untersagt zu haben. Die Feindseligkeiten begannen sofort: 996/97 wurde die Insel Vis durch venezianische Kriegsschiffe unter Badoero Bragadino besetzt; die Slawen ihrerseits begannen die oströmischen Küstenstädte in Dalmatien anzugreifen. Diese boten daraufhin Venedig ihre Unterwerfung an. Am Himmelfahrtstag, dem 9. Mai 1000 (nach anderen 999), brach die venezianische Flotte in Richtung Istrien auf, dessen Küstenstädte die faktisch ohnehin schon existierende venezianische Oberherrschaft anerkannten. Dann unterwarfen sich Osor auf Cres, Ende Mai Zadar, bald darauf Krk und Rab. Während Trogir nach kurzer Belagerung zur Übergabe gezwungen wurde, leisteten Bürger und Klerus von Split im Frühsommer freiwillig den Treueid. Nachdem auch noch die Piratenstützpunkte Korčula und Lastovo gefallen waren, begab sich auch Dubrovnik (Ragusa) unter venezianischen Schutz. Einen Teil seiner Erfolge hatte O. den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Kroatien zu verdanken. Dort hatte nach dem Tode König Držislavs (997) dessen Nachfolger Svetoslav Suronja sich gegen seine jüngeren Brüder Krešimir (III.) und Gojslav nicht lange an der Macht halten können. Mit dem gestürzten Kroatenkönig schloß O. in Trogir ein Bündnis, das später noch durch die Hochzeit von Svetoslavs Sohn Stjepan mit der Dogentochter Hicela bekräftigt wurde. Auf der Heimfahrt alle eroberten Städte noch einmal berührend, zog O. im Spätsommer im Triumph wieder in Venedig ein und fügte seinem Titel dem eines „dux Dalmatiae“ hinzu. Fast keine der Eroberungen O.s war von Dauer. Dalmatien blieb noch Jh.e umstritten, obwohl es sich wirtschaftlich immer mehr auf Venedig konzentrierte. Gerade darin lag dann letzten Endes auch die Bedeutung von O.s Dalmatien-Expedition. Sie legte den Grundstein für die Kette von Handelsstationen, die später das ganze östliche Mittelmeer umspannte, und damit für die künftige Stellung Venedigs als Handelsgroßmacht. Das Jahr 1000 (oder 999) darf deshalb nicht zu Unrecht als „eines der Geburtsjahre der adriatischen Vorherrschaft Venedigs“ (Kretschmayr) gelten. Für die weitergehenden Ambitionen O.s spricht dessen Heiratspolitik: Neben der kroatischen Heirat ist hier zu erwähnen: O.s ältester Sohn Johannes heiratete die byzantinische Prinzessin Maria, eine Nichte Kaiser Basileios’ II., und Otto, der Drittgeborene, Maria, die Schwester König Stephans I. von Ungarn. Aus dieser Ehe ging Peter Orseolo hervor, der 1038-1041 und 1044-1046 ungarischer König war.

Literatur

Kohlschütter, O.: Venedig unter dem Herzog Peter II. Orseolo 991-1009. Göttingen 1868.
Kretschmayr, Heinrich: Geschichte von Venedig. Bd 1. Gotha 1905, 126-143.

Verfasser

Peter Bartl (GND: 133417492)

GND: 1050560566


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Empfohlene Zitierweise: Peter Bartl, Orseolo, Pietro (II.), in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 361-362 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1481, abgerufen am: (Abrufdatum)

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