Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Nikolaos I. Mystikos

Nikolaos I. Mystikos, Patriarch von Konstantinopel 01.03.901 - 01.02.907 und 15.05.912 - 15.05.925, * um 852, † Konstantinopel 15.05.925.

Leben

N.’ Verwandtschaft mit dem Patriarchen Photios, die Adoptivbruderschaft, gemeinsame Studienzeit und Freundschaft mit dem späteren Kaiser Leon VI. lassen auf eine vornehme (italienische?) Abkunft schließen. Während der Verfolgung der Photianer 886 wurde N. aus Furcht Mönch, Leon VI. zog ihn bald als Geheimsekretär (Mystikos) wieder in seine Nähe. Im sog. Tetragamiestreit (Streit um die Gültigkeit der vierten Ehe Leons VI.) 906 war N. wohl erst nach der Anrufung des Papstes durch den Kaiser zu Konzessionen bereit, fiel aber in eine unnachgiebige Haltung zurück, als er den großen Teil des Klerus nicht zu einer ähnlichen Haltung bewegen konnte. Die sich überschneidenden Parteien in der folgenden erst 920 offiziell beigelegten Kirchenspaltung sind sich in ihrer Grundanschauung merkwürdig ähnlich, da auch der Nachfolger des N., der Mönch Euthymios, wie N. nicht nur eine vierte, sondern auch eine dritte Ehe ablehnte. Wohl doch noch auf Weisung des reuigen Leon VI. setzte Kaiser Alexander 912 N. wieder als Patriarchen und - für N. überraschend - 913 auch als Leiter des Regentschaftsrates für den unmündigen Konstantin VII. ein. N. ließ deshalb den von ihm zuerst als künftigen Kaiser offensichtlich begünstigten Konstantin Dukas fallen, der N. verfluchend im Straßenkampf starb. Im August 913 gelang es N., den Bulgarenzaren Simeon, der sich mit universalen Weltreichsplänen trug und vor Konstantinopel stand, durch Eheversprechen und eine religiöse Zeremonie zum Umkehren zu bewegen. In 26 Briefen mahnte N. Simeon an seine Stellung in der christlichen Völkerfamilie, an deren Spitze das von Gott eingesetzte byzantinische Kaisertum stehe. Die Versprechungen an Simeon, dazu die Uneinigkeit des Regentschaftsrates und das Fehlen einer schlagkräftigen Gefolgschaft von N. ermöglichten es der Kaiserinwitwe Zoe, N. im Februar 915 kurzzeitig auszuschalten, doch brachten außenpolitische Mißerfolge Zoe selbst zu Fall. N. gelang es offensichtlich aus Mangel an eigenen Machtmitteln nicht, vom August 917 bis März 919 die Regierung wieder in die Hand zu bekommen. Vergeblich wollte er den Emporkömmling Romanos Lakapenos, der sich bald zum Kaiser aufschwang, am Eintritt in den Kaiserpalast hindern. Zwischen N. und Romanos I. entwickelte sich später jedoch ein gutes Verhältnis. N., neben Photios und Kerullarios die profilierteste Persönlichkeit unter den byzantinischen Patriarchen, hat sich - wie seine Briefe zeigen - um die Christianisierung Alaniens (Kaukasus) ebenso bemüht wie um die Disziplin von Klerus und Mönchtum, um Sportelwesen, kirchliche Rangverhältnisse, soziale kirchliche Tätigkeit in der Provinz und um Erleichterung der Lage der Christen unter dem Islam. Die Verstrickung in die hohe Politik wirft zwangsläufig einige Schatten auf seine Tätigkeit.

Literatur

Grumel, V[enance] : Les regestes des actes du patriarcat de Constantinople. Vol. I, Fasc. 2. Socii Assumptionistae Chalcedonenses. Istanbul 1936.
Darrouzès, Jean: Épistoliers Byzantins du Xe siècle. Paris 1960.
Ostrogorsky: S. 216-222.
Beck, Hans-Georg: Die Ostkirche vom Anfang des 10. Jahrhunderts bis Kerullarios. In: Handbuch der Kirchengeschichte. Bd III/l. Freiburg 1966, 462-467.
Konstantinides, Ioannu Chr.: Nikolaos A’, o Mistikos (852-925 m. Ch.), Patriarchis Konstantinupoleos (901-907, 912-925). Athen 1967.
Polemis, Demetrios I.: The Doukai. A contribution to Byzantine prosopographie. London 1968.
Karlin-Hayter, Patricia: Vita Euthymii Patriarchae CP. Bruxelles 1970. = Bibliothèque de Byzantion. 3.
Stavridu-Zafraka, Alkminis: I sinantisi Simeon ke Nikolau Mistiku (Avgustos 913) sta plesia tu bizantinobulgariku antagonismu. Thessaloniki 1972. = Byzantina kimena ke melete. 3.
Nicholas I., Patriarch of Constantinople: Letters. Greek Text and English Translation by R. J. H. Jenkins and L. G. Westerink. Washington 1973. = Corpus Fontium Historiae Byzantinae. 6.

Verfasser

Günter Weiß (GND: 130576549)


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