Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Naum

Naum, Schüler des Method, Heiliger der slawischen orthodoxen Kirche (Fest am 20.07.), * Mazedonien um 820, † Ohrid 23.12.910.

Leben

Die altslawische Vita des Heiligen, verfaßt von einem seiner Schüler, nennt ihn „Bruder, Gefährten und Mitdulder“ des heiligen Kliment von Ohrid (S. Clemens bulgaricus). Daraus könnte man schließen, daß N. leiblicher Bruder oder Verwandter Kliments gewesen sei. Seine balkanslawische Abstammung wird in der Vita ausdrücklich erwähnt. N. gehörte mit Kliment, Angelarios und Gorazd zum engeren Kreis der Schüler Kyrills und Methods und erhielt mit ihnen seine Priesterweihe, deretwegen er in der Vita meist „Naum Presbyter“ heißt, vom Papst in Rom. Nach der Vertreibung aus Mähren 885/886 zog er mit Kliment und Gorazd die Donau hinab nach Belgrad und wurde von dort an den bulgarischen Hof des Fürsten Boris I. geleitet. In der Nähe von Preslav hat N. dann mehrere Jahre als „Lehrer“ gewirkt, d. h. wohl als Geistlicher, bis er 893, als Kliment Bischof von Ohrid wurde, nach Westmazedonien (Kutmičevica) gesandt wurde. Welchen Einfluß der Streit um die Schriftformen Glagolica und Kyrillica, der 893/894 zugunsten der Kyrillica entschieden wurde, auf diesen Ortswechsel gehabt hat, läßt sich nicht mehr entscheiden. Akzeptiert man aber die Hypothese, N. sei mit dem „Mönch Chrabŭr" identisch, der die bekannte Apologie der glagolitischen Schrift „O pismenech“ (Uber die Schriftzeichen) verfaßt hat, dann ist es nicht unwahrscheinlich, daß N. aus überzeugter Anhängerschaft für diese Schriftform Zentralbulgarien verließ und sich in Ohrid niederließ. Hier erbaute er das heute seinen Namen tragende Kloster, das N. den Erzengeln geweiht hatte und das ihm wahrscheinlich als Ausgangspunkt seines Lehramtes diente. Nach sieben Jahren Dienst zog er sich in das Kloster zurück, in dem er bis zu seinem Tode noch zehn Jahre verbrachte. Die Nachricht der Vita, N. habe erst kurz vor seinem Tode das Mönchskleid angenommen, dürfte sich auf das Große Schima beziehen. Das Kloster „Sveti Naum“ am Ohridsee ist bis heute (wenn auch in säkularisierter Form) eines der wichtigsten Kultzentren Mazedoniens.

Literatur

Lavrov, P[ëtr] A[lekseevič]: Žitija sv. Nauma Ochridskago i služba emu. In: Izvestija otdelenija russkago jazyka i slovesnosti 12 (1907) 4, 1-51.
Mirković, Lazar: Sveti Naum Ohridski. (Odlomak iz heortologije). In: Glasnik. Službeni list srpske pravoslavne patrijaršije 5 (1924) 245-247, 272-274, 294-296, 326-329.
Zlatarski, V[asil N.]: Slovenskoto žitie na Sv. Nauma ot XVI. vek. In: Spis. Bŭlg. Akad. Nauk. 30 (1925) 1-28.
Grivec, Franz: Konstantin und Method, Lehrer der Slaven. Wiesbaden 1960.
Glumac, Dušan: Nešto o životu Nauma Ohridskog. In: Zborn. filoz. Fak., Beograd 10 (1968) 1, 129-139.
Snegarov, Ivan: Manastirŭt Sveti Naum pri Ohridskoto ezero. (Proishod, razvitie i kulturno značenie).

Verfasser

Frank Kämpfer (GND: 129105678)


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