Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Movilă

Movilă, Großbojarengeschlecht der Moldau.

Leben

Cosma, der erste namentlich bekannte M., bekleidete von 1490 bis 1506 das Amt des Mundschenks (păharnic) im Fürstlichen Rat, dessen Mitglied er bis zu seinem Tode (1513) blieb, ohne noch ein weiteres Hofamt innezuhaben. Sein Sohn Dragotă M. war der Vater von Ioan und Vascan M., die die beiden in ihrem späteren Schicksal recht verschiedenen Linien der M. begründeten. Der glanzvolle Aufstieg der ersteren war der Heirat des Ioan M. (er war 1546 Schatzmeister [vistier] und 1551 -1563 Kanzler [mare logofăt] der Moldau gewesen) mit einer Tochter des Moldaufürsten Petru IV. Rareş zuzuschreiben. Unter seinen Söhnen spielten Ieremia, Simion und Gheorghe M. eine bedeutende Rolle in der Geschichte des Fürstentums. Ieremia M. trat zunächst als Statthalter (mare vornic) in Erscheinung (1583-1591), wurde 1593 zu einem adeligen Mitglied (Indigenat) des polnischen Ständestaates und war vom 27. August 1595 bis zum 30. Juni 1606 Fürst der Moldau. Diesen Thron bestieg er mit Hilfe des Kanzlers von Polen Jan Zamoyski.  Darauf wurde er sowohl vom polnischen König Sigismund III. (1597) wie auch von Sultan Mehmed III. (1599) als erblicher Fürst der Moldau anerkannt. Er unterstützte als Verbündeter Polens und des Osmanischen Reiches die gegen Habsburg gerichtete Politik der Mächte und konnte deswegen einen Konflikt mit Michael dem Tapferen, der auf seiten der Heiligen Liga stand, nicht vermeiden. Michael entthronte Ieremia und nahm für vier Monate (Mai - September 1600) dessen Platz als Fürst der Moldau ein. - Ieremia machte sich um die Verwaltung sowie um Reformen in Kirche und Heer verdient. Auch den künstlerischen und kulturellen Bestrebungen im Lande stand er aufgeschlossen gegenüber. Simion M. wurde 1586 Burggraf von Orhei (pîrcălab), dann Hetman der Moldau (1597-1600). Den Fürstenthron der Walachei hatte er zweimal inne, vom 20. September 1600 bis zum 4. Juli 1601 sowie vom November 1601 bis zum Juli 1602; in der Moldau herrschte er vom Juli 1606 bis zum 14. September 1607. Gbeorghe M. wurde Mönch und gelangte so zu den höchsten Ämtern des Fürstentums: Er war Bischof von Radautz (Rădăuţi, 1579-1587) und Metropolit der Moldau (1587-1606). Er regte den Bau des Klosters Suceviţa in der nördlichen Moldau (Bukovina) an, welches eine Stiftung der gesamten Familie M. werden sollte. Dieses Denkmal mittelalterlicher Kunst der Moldau beherbergt auch die Grabstätten der Fürsten Ieremia und Simion M. In der zweiten Generation verlöschte diese Linie bereits im männlichen Stamm: Aus der Ehe Ieremias mit Elisabeth von Lozna (Lozenski) gingen drei Söhne hervor, die alle keine Erben hinterließen, nämlich Constantin (Fürst der Moldau 1607- 1611), Alexandru (Fürst der Moldau 1615-1616) und Bogdan, sowie vier Töchter, die sich mit Angehörigen des polnischen Hochadels vermählten: Irina heiratete den Prinzen Michael Wiszniowiecki (sie wurden die Großeltern des gleichnamigen Königs von Polen); Maria war in erster Ehe mit Stefan Potocki und in zweiter Ehe mit N. Firley verheiratet; Ecaterina heiratete Samuel Korecki; Anas Ehegatten waren Maximilian Przerembski, dann Jan Czarnkowski, Wladislaw Myszkowski und Stanislaw Potocki.  Aus seiner Ehe mit Marghita ( Melania ) Hâra hatte Simion M. zwei Töchter (die jung verstarben) und sechs Söhne: Mihail (Fürst der Moldau 1607), Gavril (Fürst der Walachei 1618-1620), Petru (Metropolit von Kiev), Pavel (der als Kind verstarb), Moise (Fürst der Moldau 1630-1631 und 1633-1634) - alle Fünf starben ohne Nachkommen - sowie Ioan, dessen einzige Tochter Ileana († 1691) die Gattin des moldauischen Chronisten Miron Costin wurde. Die Genealogie der zweiten Linie des Hauses M. ist noch wenig erforscht. Ihr Begründer Vascan M. wurde Hofmarschall (mare postelnic, 1553-1555) sowie Burggraf von Hotin (1558-1560). Es scheint, daß dieser Zweig der Familie durch Namensänderung (Moviliţă, Diminutiv von M.) in den Kleinbojarenstand der Moldau übertrat.

Literatur

Forst, Otto: Przyczynek do najdawniejszej genealogii Mohyłow. In: Miesięcznik heraldyczny. Lwow 1912.
Ciurea, Dumitru: Despre Ieremia Movilă şi situaţia politică a Moldovei la sfîrşitul sec. XVI şi începutul sec. XVII. In: Studii şi cercetări ştiinţifice, Istorie. Iaşi 8 (1957) 323-337.
Miclescu-Prăjescu, I.: New Data Regarding the Installation of Movilă Princes. In: Slavonic and East Europ. Rev. 49 (1971) 214-234.
Gorovei, Ştefan S.: Movileştii. In: Magazin istoric 7 (1973) 64-72.
Ders.: Movileştii şi înrudirile lor. Studiu genealogic. [Mskr.]
Sion, Costandin: Arhondologia Moldovei. Bucureşti 1973, 159-162.

Verfasser

Ştefan S. Gorovei (GND: 1060086859)

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Empfohlene Zitierweise: Ştefan S. Gorovei, Movilă, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 240-241 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1400, abgerufen am: (Abrufdatum)

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