Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Michael VII. Dukas Parapinakes

Michael VII. Dukas Parapinakes, byzantinischer Kaiser 1071-1078, * Konstantinopel, † ebd. um 1090, Sohn des Kaisers Konstantin X. Dukas und der Eudokia Makrembolitissa.

Leben

Als die Hiobsbotschaft von Mantzikert, wo die Byzantiner am 19. August 1071 den Seldschuken unter Alp Arslan unterlagen, in Konstantinopel eintraf, wurde auf Betreiben des Cäsars Johannes Dukas, des Onkels von M., der in Gefangenschaft geratene Kaiser Romanos IV. Diogenes abgesetzt und dessen Frau Eudokia zusammen mit ihrem Sohn aus erster Ehe mit Konstantin X., dem um 1060/70 zum Mitkaiser gekrönten M., mit der Regierung betraut; wenige Wochen später, am 24. Oktober 1071, wurde M. Alleinherrscher über ein allenthalben brüchiges Reich. Kleinasien war den Seldschuken schutzlos ausgeliefert. Robert Guiskard eroberte 1071 mit Bari die letzte Bastion in Italien. In Prizren ließ sich 1072 Konstantin Bodin, Sohn des Fürsten Michael von Zeta, zum Zaren ausrufen. Seine Bewegung konnte zwar noch unter Kontrolle gebracht werden, nicht aber die des Demetrius Zvonimir von Kroatien und des Michael von Zeta, die von Papst Gregor VII. 1076 bzw. 1077 die Königskrone erhielten. Außerdem gärte überall der Unmut über die staatliche Monopolisierung des Getreidehandels und über die wachsende Teuerung: für ein Goldstück erhielt man nicht mehr einen Scheffel Getreide, sondern ein Parapinaki (ein Viertelscheffel) weniger. Usurpationsversuche kamen zwangsläufig: der Cäsar Johannes Dukas suchte die Unterstützung des normannischen Söldnerführers Ursel von Bailleul; letzteren ließ man durch die Türken festnehmen, um ihn dann gegen neue Prätendenten einzusetzen, gegen den Strategen von Durazzo Nikephoros Bryennios und gegen den Strategen des anatolischen Themais Nikephoros Botaneiates. Dieser trug den Sieg davon; M. mußte sich am 7. Januar 1078 ins Studitenkloster zurückziehen, seine Frau, die Alanenprinzessin Maria, wurde dem Legitimitätsprinzip zuliebe mit Nikephoros (III.) verheiratet. Alle diese Ereignisse berührten M. wenig, der sich hauptsächlich für Bücher interessierte. Regiert, und zwar schlecht regiert, haben seine rasch wechselnden Ratgeber: Eudokia, der Cäsar Johannes, sein Lehrer Michael Psellos, schließlich der übermächtige Logothet Nikephoritzes. Vonnöten wäre ein Mann vom Schlag der heldenhaften Dukas vergangener Zeiten gewesen, doch mit jenen hatte M. nur noch den Namen gemein.

Literatur

Litavrin, Gennadij G.: Bolgarija i Vizantija v XI-XII vv. Moskva 1960, 397-410.
Ostrogorsky: S. 284-289 (mit Bibliographie).
Polemis, Demetrios I.: The Doukai. A Contribution to Byzantine Prosopography. London 1968, 42-46.  

Verfasser

Erwin Fenster (GND: 106391216)

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Empfohlene Zitierweise: Erwin Fenster, Michael VII. Dukas Parapinakes, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 178 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1346, abgerufen am: (Abrufdatum)

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