Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Michael II. Traulos

Michael II. Traulos (der Stammler), byzantinischer Kaiser 820-829, Amorion (Phrygien), † Konstantinopel Oktober 829, Begründer der amorischen Dynastie.

Leben

 M.s Aufstieg verlief parallel zu dem seines Vorgängers Leon V. Eintritt in die Gefolgschaft des Oberbefehlshabers Barclanes Turkos und anfängliche Unterstützung bei dessen Putschversuch gegen Nikephoros I., dann aber Übertritt zum siegreichen Gegner. Beiden glückte damit der Sprung an den Hof, doch blieb M. lange im Schatten Leons. Erst als dieser mit seiner radikalen Ikonoklastenpolitik immer unbeliebter wurde, nützte er seine Chance und ließ den einstigen Kameraden ermorden und sich selbst am 25. Dezember 820 auf den Thron erheben. M. sympathisierte zweifelsohne mit den Bilderstürmern; so ließ er seinen aus der Ehe mit Thekla hervorgegangenen Sohn Theophilos - seine erste Frau Euphrosyne, die Tochter Konstantins VI., verbannte er ins Kloster - durch den Ikonoklasten Johannes Grammatikos erziehen und auch dem Patriarchenstuhl besetzte er 821 mit dem bilderfeindlichen Antonios I. Kassimates. Derselbe M. - er hatte von seinem Vorgänger gelernt - rief aber auch die verbannten Bilderfreunde, voran den ehemaligen Patriarchen Nikephoros I. und Tbeodoros Studites, aus dem Exil zurück. Die Restaurierung des Bilderkults freilich blieb aus; hier entschied M. lakonisch, daß künftig jegliche Diskussion über die Bilderfrage zu unterlassen sei. Für die größte Krise seiner Regierung sorgte ein anderer einstiger Gefolgschaftsgefährte, Thomas, ein an den Garzula-See verschlagener Slawe. Dieser gab sich als Konstantin VI. und Beschützer der Armen aus und sammelte eine bunte Schar von politisch, religiös und sozial Unzufriedenen um sich. Mit Unterstützung der Araber und der Mehrzahl der kleinasiatischen Themen ging er im Dezember 821 an die Belagerung Konstantinopels, die erst nach über einjähriger Dauer erfolglos abgebrochen werden mußte, nicht zuletzt, weil der Bulgarenkhan Omurtag M. zu Hilfe kam. Thomas selbst wurde im Oktober 823 in Arkadiupolis zu Tode gemartert. Die größten Nutznießer dieser Revolution waren die Araber, die Kreta besetzten (825) und mit der Eroberung Siziliens begannen (827). M., ein tatkräftiger Herrscher, der zeitlebens der biedere Haudegen blieb, über dessen Unbildung man sich lustig machte, versuchte vergeblich, den verlorenen Boden wiederzugewinnen.

Literatur

Zlatarski: Bd 1/1, S. 395-400.
Ostrogorsky: S. 170-173 (mit Bibliographie).
Lemerle, Paul: Thomas le Slave. In: Travaux et Mémoires 1 (1965) 255-297.

Verfasser

Erwin Fenster (GND: 106391216)

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Empfohlene Zitierweise: Erwin Fenster, Michael II. Traulos, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 175-176 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1343, abgerufen am: (Abrufdatum)

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