Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Magheru, Gheorghe

 Magheru, Gheorghe, rumänischer General und Politiker, * Bîrzeiul de Gilort (Bezirk Gorj) 1804, † Bukarest 4.04.1880, Sohn des Ioan und der Bălașa M., aus einer Kleinbojarenfamilie Olteniens, die ursprünglich aus Siebenbürgen kam.

Leben

Die militärische und politische Laufbahn M.s begann im Jahre 1821, als die Erhebung von Tudor Vladimirescu und die Politik des Geheimbundes „Filiki Eteria“ (unter Alexandros Ipsilantis) die Befreiung der Balkanvölker von der türkischen Herrschaft einleiteten. Nach 1821 führte M. Pandureneinheiten gegen die türkischen Rebelleneinheiten (pasvangii, cirjalii, adalii), die in der Walachei plünderten. Im russisch-türkischen Krieg 1828/29 erwies sich M. als befähigter Kommandant. In den Schlachten von Glogova, Siseşti und Kladovo zeichnete er sich durch persönlichen Mut aus und wurde deswegen von Zar Nikolaus I. zum Ritter des „Hl. Anna“- Ordens geschlagen. Um 1831 begann er in der Stadt Tîrgu Jiu (Oltenien) öffentlich zu wirken. Er war wohlhabend und besaß darüber hinaus die Gunst des Hospodařen Gheorghe Bihescu.. Da sich M. aber der nachteiligen Auswirkungen der osmanischen Oberhoheit in den Donaufürstentümern und der Unzulänglichkeiten des „Règlement organique“ bewußt war, trat er der Nationalpartei (Partida Naţională) bei, die für die Unabhängigkeit kämpfte und für bürgerlich-liberale Reformen sowie für die Vereinigung aller Rumänen eintrat. Mit Ion Câmpineanu, dem Führer der national-rumänischen Opposition gegen das „Règlement organique“, stand M. in regem Austausch. Als 1848 in der Walachei das Zeichen zur Revolution gegeben wurde, hatte M. maßgebenden Anteil an deren Auslösung in Oltenien am 21. (9.) Juni. Er wurde Mitglied der Provisorischen Regierung, die in Islaz zusammentrat. Als ehemaliger Bezirkshauptmann von Romanaţi (Oltenien) zur Zeit Bibescus gelang es M., das gegen die Revolution gerichtete Komplott von Craiova zu zerschlagen. Im Provisorischen Revolutionskabinett von Bukarest (vom 26.06.1848) wurde M. Finanzminister, um kurz darauf zum „Oberbefehlshaber“ des Revolutionsheeres und der Nationalgardisten der Walachei ernannt zu werden. Von der Regierung nach Oltenien entsandt, gelang es ihm, den Widerstand der konterrevolutionären Bojarenschaft zu brechen und die Autorität Bukarests in diesem Teil des Landes wiederherzustellen. Sein Ruhm als General der Revolution wuchs noch dadurch, daß er den Widerstand der rumänischen Truppen gegen die Fleere Zar Nikolaus' I. und Sultan Abdülmecids I. organisierte: Im Militärlager von Rîureni (nördliches Oltenien) sammelte M. etwa 30 000 Soldaten. Doch war diese Truppe den beiden die Donaufürstentümer besetzenden Reichen hoffnungslos an Zahl und Stärke unterlegen. M. gab es nach Beratungen mit anderen Revolutionsführern auf, allein Widerstand zu leisten. Dennoch fand sein dreister Wille zum Widerstand große Beachtung in Europa. Nach der Auflösung des Heerlagers von Rîureni am 10. Oktober (28. IX.) 1848 emigrierte M. zunächst nach Siebenbürgen, dann nach Triest und schließlich nach Wien. Während seines neun Jahre andauernden Exils setzte sich M. weiter für die politische Vereinigung und die staatliche Unabhängigkeit der Rumänen ein. Nach Ausbruch des Krimkrieges wurde er im März 1854 nach Istanbul gerufen, um eine rumänische Legion aufzustellen, die gegen das Zarenreich kämpfen sollte. Erst im August 1857 wurde ihm die Rückkehr in die Heimat gestattet. Er wurde wieder politisch tätig: Im Dezember 1857 zog er als Deputierter des Bezirkes Gorj in die ad hoc-Versammlung von Bukarest ein, später dann auch in das Parlament Rumäniens. Am Ende seines Lebens konnte M. mit Genugtuung dem Sieg des rumänischen Heeres beiwohnen, das im rumänisch-russischen-türkischen Krieg von 1877 die Unabhängigkeit seines Landes erkämpfte. Auch heute noch erweckt der Name des Generals M. die Vorstellung von einem volkstümlichen Helden.

Literatur

St. Ştefulescu, Alexandru: Istoria Tîrgu-Jiului. Tg. Jiu 1906.
Lupaş Ioan: Descendenţa transilvană a lui Gheorghe Magheru şi relaţiunile lui ca ţăranii sălişteni, în deosebi cu familia lui Dumitru Răcuciu. In: Analele Academiei Române, Memoriile Secţiunii istorice. Ser. III, tom. XXII (1939-1940) 259-290.
Stan, Apostol u. Constantin Vlăduţ: Un révolutionnaire roumain de 1848: Gheorghe Magheru. In: Revue Roumaine d’Histoire 7 (1958) 708-723.
Diess.: Gheorghe Magheru. Bucureşti 1969 (mit Bibliographie).

Verfasser

Teodor Pavel (GND: 123102154)

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Empfohlene Zitierweise: Teodor Pavel, Magheru, Gheorghe, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 68-69 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1276, abgerufen am: (Abrufdatum)

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