Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Kiril von Bulgarien

Kiril (auch Kirill, Kyrill, Cyrill), „Prinz von Preslav“, Regent von Bulgarien 9.09.1943 - 9.09.1944, * Sofia 17.11.1895, † (hingerichtet) ebd. 1.02.1945, Zweitältester Sohn des Zaren Ferdinand I.

Leben

In den Balkankriegen und im Ersten Weltkrieg war K. Offizier, 1935 Generalmajor, und 1943 führte er den Titel eines Generalleutnants. Trotz seiner Ränge in der bulgarischen Armee verfügte er über keine militärische Ausbildung. Nach dem Ersten Weltkriege absolvierte er vielmehr die Landwirtschaftliche Hochschule in Stuttgart, wo er auch seine perfekten deutschen Sprachkenntnisse erwarb. Ansonsten hatte er den Ruf eines erheblich verschuldeten „Lebemannes“, der in Offizierskreisen als liebenswürdiger Gesellschafter geschätzt, aber auch nicht immer ernst genommen wurde. Als der Prinz seinen Lebensstil allmählich zum Seriöseren änderte, betraute ihn sein älterer Bruder Zar Boris III. mit der Funktion des ersten königlichen Adjutanten. Allerdings gehörte der Prinz dann zu den Förderern des Professors Aleksandŭr Cankov, dessen Putschpläne im Herbst 1936 mißglückten. Während des Zweiten Weltkrieges besserte sich das Verhältnis des Prinzen zum Zaren wieder, so daß er in Verantwortung für dessen persönliche Sicherheit diesen ständig begleitete. Nach dem Tode von Boris III. am 28. August 1943 wurde K., der bis dahin „im Schatten seines Bruders“ gelebt hatte, am 9. September 1943 zusammen mit Ministerpräsident Filov und Kriegsminister Michov zum Regenten für den minderjährigen Kronprinzen Simeon II. gewählt. Auf die an sich verfassungswidrige Wahl des Prinzen drängten höchste Politiker und Militärs, „weil die politische Kontinuität die Herausstellung der Dynastie erforderlich mache“ (Bericht des deutschen Gesandten Adolf Heinz Beckerle). In Fortsetzung der Linie des verstorbenen Zaren waren die Regenten zusammen mit dem Kabinett von Dobri Božilov bestrebt, eine Konfrontation mit den Feindmächten zu vermeiden und innenpolitisch die Basis des Regimes zu erweitern. Mit dem am 1. Juni 1944 gebildeten Kabinett Bagrjanov leiteten sie eine „vorsichtige Distanzierung von Deutschland“ ein, und mit der Parteienregierung Muraviev (2.-9.09.1944) suchten sie, Bulgarien vor dem sowjetischen Einmarsch in Verhandlungen mit den Westmächten zu bewahren. Schon Ende August hatte K. geäußert, „daß Bulgarien selbst für den Preis der Zarenkrone gerettet werden müßte“. Am 9. Septem- mer 1944 gelangte jedoch die kommunistisch geführte „Vaterländische Front“ mit Hilfe der Sowjetarmee zur Macht; K. wurde abgesetzt, vor ein „Volksgericht“ gestellt und am 1. Februar 1945 hingerichtet.

Literatur

Obvinitelnijat akt sreštu bivšite regenti, ministri i narodni predstaviteli. In: Blg. zu „Otečestven Front“, 21.12. 1944, Nr. 93 (dass, unter dem Titel Obvinitelen akt po centralnite procesi na Narodnija sŭd. Sofija 1944).
Bretholz, Wolfgang: Ich sah sie stürzen. München 1955.
Heiber, Helmut: Der Tod des Zaren Boris. In: Vjh. Zeitgesch. 9 (1961) 384-416.
Dimitrov, Ilčo: Buržoaznata opozicija v Bŭlgarija 1939-1944. Sofija 1969.
Ders.: Demokratična obštestvenost, fašizmŭt i vojnata 1934-1939. Sofija 1972.

Verfasser

Hans-Joachim Hoppe (GND: 143931040)

GND: 119126737

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