Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Isaak II. Angelos

Isaak II. Angelos, byzantinischer Kaiser 1185-1195, 1203-1204, * Konstantinopel um 1155, † ebd. kurz nach dem 28.01.1204, Sohn von Andronikos Angelos und Euphrosyne Kastamonitissa, Enkel der Tochter Alexios’ I. Komnenos, Theodora.

Leben

I. hatte sich an einer Verschwörung gegen Andronikos I. beteiligt und mußte nach deren Aufdeckung flüchten. Nach einem Aufenthalt in Syrien kam er im September 1183 nach Nikaia, das sich dem Andronikos widersetzte. Nach der Einnahme der Stadt wurde I. begnadigt und lebte in Konstantinopel. Als man ihn im September 1185 aus im Aberglauben begründeten Verdacht einsperren wollte, tötete er den verhaßten Günstling des Kaisers, Stephanos Hagiochristophorites, und gelangte, nachdem Andronikos I. vom aufgebrachten Pöbel gestürzt war, auf den Thron. Seine Erhebung war ein Sieg des Adels, dessen Macht Andronikos hatte brechen wollen. I. machte die Maßnahmen seines Vorgängers gegen diese Klasse rückgängig und sofort kehrten Ämterkauf, Bestechung und Korruption jeder Art in die Reichsverwaltung zurück. Durch die schwache Führung I.s, der die Staatsgeschäfle seinen Günstlingen aus dem Beamtenadel überließ, nahmen sie sogar in ungekanntem Maße zu. Am Hof herrschten Luxus und Verschwendung. Eine falsche Steuerpolitik trug zur Zerrüttung der Staatsfinanzen bei. Über Kirchenbesitz und Kirchenführung bestimmte I. selbstherrlich. Militärisch und diplomatisch erzielte I. anfangs Erfolge. Die Normannen, die Thessalonike erobert hatten, wurden zurückgeschlagen. Um die Jahreswende 1185/86 heiratete I. die neunjährige Tochter Bélas III.  von Ungarn, Margarete. Eine Tochter seines Bruders Alexios (III.), Eudokia, vermählte er mit dem Erbprinzen Serbiens, dem späteren Stephan dem Erstgekrönten (Stefan Prvovencani). Seine Schwester Theodora ehelichte Konrád von Montferrat, den I. zum Kaisar erhob. Nicht gelang es ihm, Zypern wieder unter seine Gewalt zu bringen. Die ausgesandte Flotte wurde geschlagen. Einen verhängnisvollen Fehler machte L, als er den Bojaren Petür und Äsen ein Lehen verweigerte und bei den schon von drückenden Steuern geplagten Walachen und Bulgaren ganze Rinderherden für seine Hochzeitsfeier wegtreiben ließ. Die dadurch hervorgerufene Revolte bekämpfte er mit Ausdauer, aber ohne Erfolg. Zwar konnte er 1186 die Führer über die Donau treiben, sie kehrten aber mit kumanischen Hilfstruppen zurück. Sein fähigster Feldherr Alexios Branas brach 1186 einen vielversprechenden Feldzug ab und versuchte I. zu stürzen. Konrád von Montjerrat rettete seinem Schwager jedoch den Thron. 1189 mußte I. Friedrich I. Barbarossa vertraglich einen friedlichen Durchzug nach Palästina gewähren. Bulgarien und Serbien versuchten die Ankunft des deutschen Kaisers zu Verhandlungen gegen Byzanz auszunutzen. I. schadete gleichwohl den Deutschen, wo er konnte. Diese Haltung wie auch sein Bündnis mit dem Sultan von Ägypten und Syrien, Saladin, verschlimmerten die byzanzfeindliche Haltung des Westens, die zur Wendung des 4. Kreuzzuges gegen Konstantinopel beitragen sollte. Nach Friedrichs Abzug und seinem tragischen Tod erneuerte I. seine ergebnislosen Versuche zur Wiederherstellung der byzantinischen Macht auf dem Balkan. Siegreich gegenüber den Serben unter Stefan Nemanja, erlitten seine Generäle 1194 eine besonders schwere Niederlage durch die Bulgaren bei Arkadiopolis (Lüleburgaz). Im kleinasiatischen Reichsteil hatte I. wiederholt Usurpatoren zu bekämpfen, die oft von den Seldschuken unterstützt wurden, doch gelang es ihm mit diplomatischem Geschick, dieser Lage Herr zu bleiben. Gold sicherte den Frieden mit den türkischen Nachbarn.
 1194 gelang es I., Bela III. für eine gemeinsame Aktion gegen Bulgarien zu gewinnen. Im März 1195 startete er einen großangelegten Feldzug, wurde aber schon Anfang April vom unzufriedenen Hofadel, der sich von der Staatsführung ausgeschlossen sah, gestürzt und von seinem älteren Bruder Alexios (III.), der sich nun der Kaiserkrone bemächtigte, geblendet und zusammen mit seinem Sohn Alexios (IV.) eingekerkert. Da man sie jedoch nicht streng genug bewachte, gelang es 1201 dem jungen Alexios, nach Sizilien zu entkommen, dessen Herrscher Philipp von Schwaben I.s Tochter Irene geheiratet hatte. Die Kreuzritter des 4. Kreuzzuges hatten nun den Vorwand für ihren Zug gegen Konstantinopel gefunden, da sie ihren Eroberungsplänen den Nimbus des Gerechtigkeitsstrebens und der Rache für I. und seine Familie geben konnten. Zusammen mit seinem Sohn erhielt I. am 18. Juli 1203 von ihnen seinen Thron zurück, um schon Ende Januar 1204 von der lateinerfeindlichen Partei unter Alexios V. Dukas Murtzuphlos erneut gestürzt zu werden. Er starb bald darauf im Gefängnis.

Literatur

Cognasso, Ferdinando: Un imperatore della decadenza: Isacco II Angelo. In: Bessarione 31 (1915) 29-60, 247-289.
Brand, Charles M.: Byzantium confronts the West 1180-1204. Cambridge/Mass. 1968.
Van Dieten, Jan-Louis: Niketas Choniates. Erläuterungen zu den Reden und Briefen nebst einer Biographie. Berlin, New York 1971.
Hendrickx, B.: Baudouin IX de Flandre et les empereurs byzantins Isaac II l’Ange et Alexis IV. In: Revue Beige 49 (1971) 482-489.

Verfasser

Jan Louis van Dieten (GND: 1047967324)


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