Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Ivan Sišman

Ivan Sišman, bulgarischer Zar 1371-1393, † Plovdiv (?) 1395, Sohn von Ivan Aleksandŭr und dessen zweiter Frau, der zur Orthodoxie übergetretenen Jüdin Teodora (Sara).

Leben

Teodora hatte nach dem Tode des rechtmäßigen Thronfolgers Michail Äsen erreicht, daß nicht der Nächstgeborene aus des Zaren erster Ehe, sondern ihr ältester Sohn I. zum Herrscher über das Reich von Türnovo, dem Nachfolger des ehemaligen Gesamtbulgarien, bestimmt wurde. Ivan Sracimir, der Stiefbruder I.s, mußte sich dagegen mit dem Reich von Vidin begnügen. Nach dem Tode Ivan Aleksandŭrs 1371 trat I. ein Erbe an, das innenpolitisch durch Bruderzwist belastet war und nach außen gegen die immer näherrückenden Türken verteidigt werden mußte. Gleich zu Beginn seiner Regierungszeit verschlechterte sich das Verhältnis zu den Türken, die 1371 in der Schlacht bei Čirmen (Cernomen) an der Marica siegreich hervorgegangen waren und daraufhin weite Teile Mazedoniens und der Rhodopen eroberten. Um größere Gefahr abzuwenden, hielt es I. für ratsam, die Oberhoheit des Sultans anzuerkennen. Besiegelt wurde die Abhängigkeit durch Stellung von Hilfstruppen und die Verehelichung seiner Schwester Mara (Tamara) mit Murad I. Ruhigere Jahre folgten, bis die Türken 1382 die wirtschaftlich und strategisch wichtige Stadt Sofia angriffen und eroberten. Nach der blutigen Schlacht um das serbische Niš, das 1386 von den Türken eingenommen wurde, schlossen sich der serbische Fürst Lazar, der Schwiegervater I.s, und der bosnische König Tvrtko, der Schwiegersohn Ivan Sracimirs, gegen die Eindringlinge zusammen. Als heimlicher Teilnehmer an der Koalition galt auch I. Ihr einziger Erfolg blieb aber die Schlacht bei Pločnik an der Toplica 1387. Gegen I. richtete sich daraufhin der Zorn Murads, der mit einem großen Heer in Nordostbulgarien einbrach und Städte wie Provadija, Šumen und Madara eroberte. Varna hielt den Angreifern dagegen stand. Der Zar selbst hatte sich in der Festung Nikopolis an der Donau verschanzt. Durch das Angebot, Silistra zu übergeben, konnte die Festung zunächst gerettet werden. I. brach aber sein Versprechen, was ihm eine neuerliche Belagerung von Nikopolis einbrachte. Schließlich mußte I. aufgeben und sein Angebot, das realisiert wurde, wiederholen. Faktisch setzte der Kampf um Nikopolis dem unabhängigen Bulgarien ein Ende. Nach der Schlacht am Kosovopolje (Amselfeld) am 15. Juni 1389 konnte es nur noch eine Frage der Zeit sein, wann Bulgarien endgültig und vollständig in türkische Hände fallen sollte. Nach der Eroberung der Dobrudscha und der Walachei rüstete Murads Nachfolger Bayezid I. zu einem großangelegten Feldzug gegen die Bulgaren, zumal er I. der Zusammenarbeit mit Ungarn verdächtigte. Im Frühjahr 1393 erschien gelebt, der Sohn des Sultans, vor den Toren der Zarenstadt. Türnovo verteidigte sich so heftig, daß im Sommer der Sultan selbst mit Truppen anrückte. Am 17. Juli 1393 mußte Türnovo kapitulieren. Patriarch Evtimij, der gewissermaßen das Volk anführte, wurde in die Verbannung geschickt, führende Boljaren hingerichtet und zahlreiche Familien nach Kleinasien deportiert. Den Quellen nach weilte I. in jenen verhängnisvollen Tagen nicht in Tŭrnovo, sondern wieder in dem befestigteren Nikopolis, das sich aber auch bald den Türken ergeben mußte. Die Überlieferungen berichten, daß der bulgarische Zar gefangengenommen wurde und in einem Gefängnis in Plovdiv starb oder auf Befehl Bayezids hingerichtet wurde.

Literatur

Nikov, Petŭr: Turskoto zavladjavane na Bŭlgarija i sŭdbata na poslednite Šišmanovci. In: Izv. ist. Druž. 7/8 (1928) 41-112.
Angelov, Dimitŭr: Turskoto zavoevanie i borbata na balkanskite narodi protiv našestvenicite. In: Ist. Pregled 9 (1953) 374-398.
Ders.: Certains aspects de la conquête des peuples balkaniques par les Turcs. In: Byzantinoslavica 17 (1956) 220-274.
Mutafčieva , Vera: Poslednite Šišmanovci. Sofija 1969.

Verfasser

Detlef Kulman (GND: 128703393)

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Empfohlene Zitierweise: Detlef Kulman, Ivan Sišman, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 253-254 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1026, abgerufen am: (Abrufdatum)

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