Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Gavrilo

Gavrilo (eigentlich Djordje Dožić), serbischer Patriarch 1938-1950, * Vrujca (Donja Morača, Montenegro) 17.05.1881, † Belgrad 7.05.1950.

Leben

G. besuchte die Volksschule im Kloster Morača, dem zu dieser Zeit sein Onkel, der Archimandrit Mihailo Dožić-Medenica, Vorstand. Danach besuchte er das Gymnasium in Belgrad und das Priesterseminar in Prizren und auf der Insel Chalke bei Istanbul. Am 26. Februar 1900 wurde er im Kloster Sićevo zum Mönch geweiht und bekam den Namen Gavrilo, einen Tag später wurde er bereits Hieromonach. Eine Zeitlang lebte G. im Kloster Jošanica (Serbien) und im Kloster Visoki Dečani (Alt-Serbien). Von 1905 bis 1909 besuchte er die orthodoxe theologische Fakultät in Athen, wo er auch promovierte. Nach dem Abschluß seines Studiums wurde G. zum Sekretär des Klosters Hilandar auf dem Athos ernannt, darauf zum serbischen Vertreter beim ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel. Am 1. Dezember 1911 wurde er zum Metropoliten der Diözese von Prizren gewählt und bereits am 4. Dezember darauf geweiht. Nach den Balkankriegen 1913 wurde G. Metropolit von Peć (Ipek). Die Kapitulation Serbiens und Montenegros 1915 brachte ihm die Verhaftung ein; er wurde in Cegléd (Ungarn) interniert, doch wegen Krankheit 1918 entlassen und nach Ulcinj gebracht.
Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns 1918 nahm G. an der Großen Nationalversammlung von Podgorica (heute Titograd) teil und führte die Delegation an, die die Vereinigung Montenegros mit Serbien beschlossen hatte. Nach dem Tode des Metropoliten von Montenegro, Mitrofan Ban, wurde G. am 17. November 1920 zu dessen Nachfolger bestimmt und nach dem Tode von Patriarch Varnava am 8. Februar 1938 zum Patriarchen der Serbischen orthodoxen Kirche gewählt.
Da G. sich mit dem Staatsstreich der Offiziere vom 27. März 1941, der zum Sturz der Regierung Cvetković führte, solidarisch erklärt und sie unterstützt hatte, wurde er bei der Besetzung Jugoslawiens im April 1941 von den Deutschen verhaftet und aus dem Kloster Ostrog (Montenegro) nach Belgrad ins Gestapogefängnis gebracht, dann im Kloster Rakovica bei Belgrad und im Kloster Vojilovica bei Pančevo interniert. Mitte September 1944 brachte man G. nach Dachau, darauf nach Wien und Kitzbühel, wo er am 8. Mai 1945 von der amerikanischen Armee befreit wurde.
Nach Aufenthalten in Rom und London (hier, um an der Taufe des jugoslawischen Thronfolgers Aleksandar teilzunehmen) folgte G. einer Einladung des Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik, Edvard Beneš, und ging nach Karlsbad. Von dort kehrte G. am 14. November 1946 nach Belgrad zurück und übernahm seinen Posten wieder. Er verschied im Mai 1950 und wurde in der Belgrader Kathedrale beigesetzt.

Literatur

Glasnik. Službeni list Srpske pravoslavne crkve 31 (1950) 2/3, 18-27.
Spomenica pravoslavnih sveštenika 1941-1945. Beograd 1960, 19-21.
Srpska pravoslavna crkva 1920-1970. Beograd 1971, 473-476.
Memoari patrijarha srpskog Gavrila. Pariš 1974.

GND: 103404082

Weiterführende Information (Deutsche Biographie): https://www.deutsche-biographie.de/pnd103404082.html


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Empfohlene Zitierweise: Đoko Slijepčević , Gavrilo, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 17-18 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=855, abgerufen am: (Abrufdatum)

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