Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Orsini, Nikolaos

Orsini, Nikolaos, Graf von Kephallenia 1317-1323, Despot von Epiros 1318-1323, † 1323, und Johannes II., Graf von Kephallenia und Despot von Epiros 1323-1335, † Arta 1335.

Leben

Die beiden Brüder Nikolaos und Johannes - Söhne des Johannes I. Orsini, Graf von Kephallenia, Leukas und Zakynthos, und der Maria, der Tochter des Nikephoros I. Angelos von Epiros - waren bedeutende Gestalten des epirotischen Separatistenstaates. Als Grafen von Kephallenia zwar abhängig von den neapolitanischen Anjous, betrieben sie doch eine eigenständige, den Interessen der Anjous oft entgegengesetzte Politik. 1318 riß Nikolaos, der ebenso wie Johannes zum orthodoxen Glauben konvertierte, die von Philipp von Tarent beanspruchten Gebiete im Epiros durch die Ermordung des dortigen Despoten, seines Onkels Thomas Angelos, und die Heirat mit dessen Witwe, der Enkelin des Kaisers Andronikos II., Anna, an sich, wobei die Herrschaft sich praktisch auf Akarnanien und Südepiros beschränkte, da der Nordteil des Landes mit Janina bereits von byzantinischen Truppen besetzt war. Spätestens Anfang 1320 erhielt Nikolaos zwar von Andronikos II. den Despotes- Titel, aber im Gefolge des Todes von Anna 1321 und des Bürgerkriegs in Byzanz versuchte N. auch den byzantinischen Norden seines Reiches an sich zu ziehen, was aber scheiterte. 1323 wurde er seinerseits schließlich von seinem Bruder Johannes, der sich auch Angelos Dukas Komnenos nannte, mit Unterstützung der byzantinischen Partei in Epiros umgebracht. Johannes, der Anna, die Tochter des Protobestiarios Andronikos Palaiologos, eines Kommandanten in Nordepiros, heiratete, anerkannte zwar durch die Annahme des Despotes-Titel von Kaiser Andronikos III. die byzantinische Suprematie über Epiros, geriet aber nach dem Tod Philipps von Tarent 1332 auch aus dem Westen durch dessen Witwe, die Titularkaiserin Katharina von Valois, unter militärischen Druck, da sie die alten Ansprüche der Anjous erneuerte. Johannes entsandte deshalb 1333 Truppen nach Westthessalien, wurde aber bald von den Byzantinern zurückgeschlagen. Epiros selbst, von Parteienkämpfen und den Übergriffen der Nachbarn zerrüttet, stand kurz vor dem Zusammenbruch, als Johannes von seiner Gattin Anna, mit der er zwei Kinder hatte (Nikephoros II., Despot von Epiros, und Thomais, die Gattin des Simeon Uroš Palaiologos), 1335 in Arta vergiftet wurde. Die Eigenständigkeit seiner Politik dokumentierte er auch durch eine eigene Münzprägung.

Literatur

Hopf, Karl: Geschichte Griechenlands vom Beginn des Mittelalters bis auf unsere Zeit. Bd 1. Leipzig 1867/68 (Neudruck New York 1960), 353-357.
Ders.: Chroniques Gréco-Romanes inédites ou peu connues. Berlin 1873, 529.
Miller, William: Istoria tis Frankokratias stin Ellada (1204-1566). Athen 1960, 311-312, 325, 337 (engl. Ausgabe [Repr.] Cambridge 1964).
Ferjančić, Božidar: Despoti u Vizantiji i južnoslovenskim zemljama. Beograd 1960, 74-76.
Ostrogorsky: S. 410, 418-419.
Bosch, Ursula V.: Kaiser Andronikos III. Palaiologos. Versuch einer Darstellung der byzantinischen Geschichte in den Jahren 1321-1341. Amsterdam 1965, 134-135.
Polemis, Demetrios I.: The Doukai. A contribution to Byzantine prosopography. London 1968, 98-99.
Nicol, Donald M.: The Last Centuries of Byzantium 1261-1453. New York 1972, 183-185.

Verfasser

Rainer Walther (GND: 119004585)

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Empfohlene Zitierweise: Rainer Walther, Orsini, Nikolaos, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 362-363 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1482, abgerufen am: (Abrufdatum)

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