Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Method(ios)

Method(ios) (weltlicher Name unbekannt), Erzbischof des großmährischen Reiches, Ehrentitel Slawenapostel oder (richtiger) Slawenlehrer, Heiliger beider Kirchen (Feste jetzt: in der östlichen 11. (24.) Mai, in der westlichen 7. Juli, früher andere Daten), * Thessaloniki um 815, † Velehrad (Mähren) 06.04. 885, Sohn des Unterstrategen (Drungarios) Leon, älterer Bruder Konstantin-Kyrills des Philosophen.

Leben

 Von M.s Leben vor seiner Beteiligung am missionarischen Lebenswerk Kyrills ist nur wenig bekannt. Seine Vita erwähnt ihn lediglich als Verwalter eines „slawischen Fürstentums“, dessen übliche Verlegung in das makedonische Strumagebiet jedoch so hypothetisch bleibt wie die angenommene Dauer dieser Tätigkeit zwischen 843 und 856. Doch scheint der Staatsstreich des Bardas M. veranlaßt zu haben, sich freiwillig oder gezwungen in ein Kloster auf dem kleinasiatischen Olymp zurückzuziehen, wo er in den Mönchsstand trat. Dorthin kam auch Kyrill aus Byzanz. Nach der gemeinsam mit seinem Bruder überstandenen Gesandtschaft zu den Chazaren (860/61) wurde M. gegen seinen Willen zum Hegemon (Abt) des reichen Klosters Polychron ernannt, jedoch bald darauf auf Wunsch des Kaisers Michael III. und des Patriarchen Photios der Slawenmission Kyrills nach Mähren zugeteilt, dem er sich - offenbar mit allen organisatorischen und juristischen Angelegenheiten dieses Unternehmens betraut - freiwillig unterordnete. Auf die ausdrücklichen Bitten seines Bruders setzte er nach dessen Tod auch die Mission fort. Vor Papst Hadrian II. (867-872) hatten sich die Brüder glänzend gerechtfertigt, so daß der Papst die Liturgie in slawischer Sprache gelten ließ. Auch entsprach er Kocels Bitte, der sich M. als Lehrer ausbedungen hatte. Der neue Missionsbischof für Pannonien wurde jedoch bald nach seiner Ankunft in Mosapurc auf Betreiben der bairischen Bischöfe festgenommen, auf dem Hoftag von Regensburg im November 870 in Gegenwart Ludwigs des Deutschen als Intrursus verurteilt und in einem schwäbischen Kloster (Ellwangen?) eingekerkert. Erst 873 vermochte ihn Papst Johannes VIII. durch eine energische Intervention zu befreien. Das Ende von Kocels Herrschaft bewog vermutlich Fürst Svatopluk, der sich um diese Zeit gerade von der ostfränkischen Oberhoheit befreit hatte, M. als Erzbischof seines großmährischen Reches anzufordern, worauf der Papst ohne großes Zögern einging. Es folgten für M. etwas ruhigere Jahre, in deren Verlauf er mit seinem Stab an Helfern und Schülern das Missionswerk seines Bruders durch zahlreiche Bekehrungsreisen, Heranbildung einheimischer Geistlicher, eifrige Übersetzungstätigkeit mächtig vorantrieb. In dieser Zeitspanne scheinen die wichtigsten slawischen Kirchenbücher vollendet oder ergänzt worden zu sein. Den Nomokanon übersetzte M. selber, außerdem verfaßte er Homilien. Dennoch gab es weiterhin Schwierigkeiten. Die bairischen Bischöfe verleumdeten M. abermals in Rom, wobei man den Griechen außer dem slawischen Gottesdienst auch ketzerische Lehren vorwarf. Selbst Svatopluks Haltung seinem Erzbischof gegenüber bestimmten immer mehr diplomatische Rücksichtnahme auf den fränkischen Nachbarn. So mußte M. zum zweitenmal nach Rom reisen, um sich vor Johannes VIII. zu verantworten. Dies gelang ihm zwar im vollen Umfang, doch wählte der Papst einen Kompromiß, um beiden Parteien gerecht zu werden. Er genehmigte weiterhin die slawische Kirchensprache, setzte aber den Lateiner Wiching als M.s Suffragan in Neutra ein. Das Verhältnis zwischen den beiden Bischöfen war von Anfang an wenig freundlich. Zudem betätigte sich Wiching gleich als Fälscher eines päpstlichen Schreibens, das angeblich M.s Verurteilung und Absetzung enthielt; der später in Mähren eintreffende Erzbischof mußte sich erst den richtigen Wortlaut mit dem Gegenteil von Rom bestätigen lassen. Nach M.s Tod zum Verweser der mährischen Erzdiözese bestellt, sorgte Wieching (880-892) für deren gründliche Latinisierung. Der von M. bestellte Nachfolger Gorazd kam nicht mehr zum Zug, die slawischen Geistlichen und Schüler wurden grausam vertrieben und fanden größtenteils auf dem Balkan eine Zufluchtstätte, Papst Stephan VI. (V.) verurteilte alle „Überheblichkeiten und Irrtümer“ M.s, so daß er im Westen als Ketzer galt. Letzten Endes blieb also die mährische Mission der Brüder eine Episode, ihr weltgeschichtlich bedeutsames Erbe traten die zum griechischen Christentum bekehrten Slawenreiche an.

Literatur

Stanislav, Ján: Slovienska liturgia na Slovensku a sídlo Metodovo i Gorazdovo. In: Historica Slovaka 1/2 (1940/41) 5-43.
Ders.: Osudy Cyrila a Metoda a ich učenikov v živote Klimentovom. Bratislava 1950.
Ziegler, Adolf Wilhelm: Methodius auf dem Weg in die schwäbische Verbannung. In: Jb. Gesch. Osteuropas 1 (1953) 369-382.
Zibermayr, Ignaz: Noricum, Bayern und Österreich. Horn 1956(2).
Cibulka, Josef: Velkomoravský kostel v Modré u Velehradu a začátky křesťanství na Moravě. Praha 1958.
Magna Moravia. Sborník k 1100. výročí příchodu byzantské mise na Moravu. Commentationes ad memoriam missionis byzantinae ante XI saecula in Moraviam adventus editae. Praha 1965.
Vašica, Josef: Literární památky epochy velkomoravské 863-885. Praha 1966.
Dittrich, Zdenek: Erzbischof Method und Fürst Svätopluk. In: Cyrillo-methodianische Fragen, slavische Philologie und Altertumskunde. Wiesbaden 1968, 58-62. = Annales Instituti Slavici. 1/4.
Methodiana. Beiträge zur Zeit und Persönlichkeit, sowie zum Schicksal und Werk des hl. Method. Salzburg, Wien 1976. = Annales Instituti Slavici. 9.

Verfasser

Josef Hahn (GND: 1121331297)

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Empfohlene Zitierweise: Josef Hahn, Method(ios), in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 165-167 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1337, abgerufen am: (Abrufdatum)

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