Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Ibrahim Edhem Pascha

Ibrahim Edhem Pascha, osmanischer Staatsmann, * auf Chios 1818 (?), † Istanbul 19.03.1893.

Leben

Der wahrscheinlichsten Version zufolge war I. griechischer Herkunft, wurde 1822 bei der Verwüstung seiner Heimat im Zusammenhang mit dem griechischen Aufstand von den Osmanen verschleppt und im Hause des Großadmirals und späteren Großwesirs Koca Hüsrev Pascha aufgezogen. 1830 wurde er zusammen mit drei anderen Jungen von Hüsrev Pascha nach Frankreich geschieht; in der Institution Barbet in Paris lernte er Französisch und studierte danach Bergbau. 1839 erhielt I. das Diplom und kehrte nach einer ausgedehnten Studienreise durch Mitteleuropa nach Istanbul zurück. Er trat mit dem Rang eines Obersten in den Staatsdienst ein und war in den folgenden Jahren als Direktor und Chefingenieur bei den Bergwerken von Sariyer (1840), Gümüşhacıköy (1842) sowie Keban und Ergani (1845) tätig. 1847 wurde er in den Hofdienst übernommen, wo er u. a. Sultan Abdülmecid I. Unterricht in der französischen Sprache und in modernen Wissensgebieten gab, erhielt 1849 den Rang eines Generalmajors und 1851 den eines Generalleutnants. Danach finden wir ihn auf Mission in Belgrad und während des Krimkrieges als Überbringer von kaiserlichen Botschaften und Orden vor Sevastopol. 1856 erhielt er den Wesirsrang, war einige Monate Außenminister und wurde Mitglied des Hohen Tanzimat-Rates (Meclis-i Äli- yi Tanzimat). 1858 verhandelte er erneut in Belgrad, wobei er erfolgreich zwischen Alexander Karadjordjević und den Senatoren zu vermitteln und die aus dem Ustav von 1838 herrührenden Rechte der Pforte zu wahren wußte; 1859-1861 und wiederum 1863 und 1866 leitete er das Handelsministerium. Klagen über die grausame Herrschaft des Mutasarrif von Tirhala (Trikala) Hasan Pascha veranlaßten Sultan Abdülaziz I. 1866 zum Wali von Tirhala und 1867/68 auch von Yanya (Janina) zu ernennen. Nach weiteren Stationen u. a. als Mitglied des Staatsrates ($ura-yi Devlet), Justizminister (1870) und Minister für öffentliche Arbeiten wurde er 1872 aus dem Staatsdienst entlassen, doch schon kurz darauf in den genannten Staatsrat zurückgeholt, erneut Minister für öffentliche Arbeiten (1874) und Botschafter in Berlin (1876). Gegen Ende desselben Jahres nahm er zusammen mit dem osmanischen Außenminister Safvet Pascha an der Botschafterkonferenz in Istanbul teil. Am 5. Februar 1877 wurde er nach dem Sturz und der Verbannung Midhat Paschas Großwesir, und er sollte dieses Amt durch die bitteren Monate der türkischen Niederlage in Europa bis zum 11. Januar 1878 innehaben, als er durch Ahmed Hamdi Pascha abgelöst wurde. Als Grund für seine Absetzung wird weniger die außenpolitische Lage der Türkei als vielmehr seine mangelnde Festigkeit gegenüber dem von Abdülhamid II. verabscheuten Parlament angenommen. Die Gunst des Sultans, der ihn als Lehrer seines Vaters achtete, verlor er indessen nicht. 1879 ging er als Botschafter nach Wien, 1883 wurde er Innenminister, 1885 war er vorübergehend für den Posten des Botschafters in Paris vorgesehen. 1886 schied er endgültig aus dem Staatsdienst aus. Er starb sieben Jahre später auf seinem Landsitz am Bosporus und wurde bei der Mihrimah-Moschee in Üsküdar beigesetzt. Von seinen vier Söhnen haben sich drei in der Wissenschaft einen Namen gemacht: Osman Hamdi Bey (1842-1910) war Museumsfachmann und Kunstmaler, Halil Edhem (1861-1938) Kunsthistoriker und Nachfolger seines Bruders als Direktor der türkischen Museen und Ismail Galih Bey (1848-1895) der erste türkische Numismatiker.

Literatur

Inal, Mahmud Kemal: Osmanlı devrinde son sadrıazamlar. Teil IV. Istanbul 1943.
Devereux, Robert: The First Ottoman Constitutional Period. A Study of the Midhat Constitution and Parliament. Baltimore 1963.

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Empfohlene Zitierweise: Hans-Jürgen Kornrumpf, Ibrahim Edhem Pascha, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 208-209 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=994, abgerufen am: (Abrufdatum)

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