Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Husrev Bey, Gazi

Husrev Bey, Gazi, osmanischer Heerführer und Statthalter, * Seres (Serrai) um 1480, † Sarajevo 18.06.1541, sein Vater Ferhad war ein Verwandter des Knjaz Radivoj von Trebinje, seine Mutter Selguk Sultan eine Tochter Bayezids II.

Leben

 Über H.s erste Lebenshälfte ist nichts Sicheres bekannt. Nach dem Tode seines Vaters (gefallen als Statthalter von Adana im Kampf gegen die ägyptischen Mamluken) dürfte er mit seiner Mutter nach Istanbul übersiedelt und dort wie Söhne anderer osmanischer Prinzessinnen erzogen worden sein. Eine Reise mit seinem Onkel Prinz Mehmed 1503/04 nach Kefe (Kaffa) und von dort als Gesandter nach Moskau ist ebenso ungewiß wie sein gleichzeitiges Amt als Statthalter von lakodra (Shkoder) und 1506/07 von Bosnien. Seine erste bedeutende Rolle spielte er als Sandschakbey von Se- mendire (Smederevo) 1521 während der erfolgreichen Belagerung von Belgrad durch die Eroberung von Sémiin (Zemun). Im September des gleichen Jahres wurde er nach Bosnien versetzt und begann sofort mit der Erweiterung der osmanischen Herrschaft durch die Einnahme der Festungen Knin, Skradin und Ostrovica. Bei der Belagerung von Jajce hatte er indessen keinen Erfolg, weshalb er für kurze Zeit in Ungnade fiel; doch noch im selben Jahr erhielt er sein altes Amt zurück. 1526 zeichnete er sich in der Schlacht bei Mohács aus und setzte dann die Eroberungen an den Grenzen Bosniens (1527 Fall von Obrovac und Udbina) fort. 1528 zog er erneut gegen Jajce, konnte die Festung diesmal zur Übergabe zwingen und auch Banjaluka einnehmen. Im folgenden Jahr nahm er an dem Feldzug Sultan Süleymans nach Ungarn und Wien und danach an der Verteidigung von Ofen gegen die Österreicher teil. Von 1533 bis 1536 wurde seine Statthalterschaft in Bosnien unterbrochen, und es scheint, daß er in diesen Jahren noch einmal Sandschakbey von Semendire (mit Belgrad) gewesen ist. 1536 kehrte er nach Sarajevo zurück und blieb dort bis zu seinem Tode. Die Abrundung des Gebietes wurde fortgesetzt durch die Eroberung von Brod an der Save (1536) und Požega (1537; zu einem eigenen Sandschak erhoben). In Dalmatien kämpfte sein freigelassener Sklave und erster Vertreter Mur ad Bey Tardic, der Bruder eines Kanonikers in Šibenik, erzwang die Übergabe von Klis und wurde erster Sand- schakbey dieser Grenzfestung (1537). In den wechselvollen Kämpfen der folgenden Jahre gingen Skradin, Obrovac und Ostrovica noch einmal verloren, andererseits stießen die Osmanen bis Trogir und Sinj vor. H. erwarb sich besondere Verdienste um die Entwicklung Sarajevos, das er mit vielen öffentlichen Gebäuden schmückte. Die bedeutendsten von ihnen, die die Zerstörungen durch den Feldzug des Prinzen Eugen 1697 überstanden haben und noch heute das Stadtbild prägen, sind: die Gazi-Husrev-Bey-Moschee (Begova džamija), deren Bau dem der Atik-Ali-Pascha-Moschee in Istanbul ähnelt (1530), die damit verbundene Medrese (Kuršumlija medresa; 1537), die jahrhundertelang das theologische Zentrum des muslimischen Lebens in Bosnien war, die Grabmäler von Gazi Husrev und Murad Bey (f 1545) auf dem Gelände der Moschee, der Bezistan (Kaufhalle; 1537-1555) und das Bad (1537-1556); der Tašlihan (Karawanserai; 1540-1543) neben dem Bezistan wurde bei dem großen Brand von 1879 zerstört. Die im Lauf der Zeit beträchtlich zusammengeschmolzenen religiösen Stiftungen (vakif/vakuf) H.s hatten noch 1912 einen Jahresertrag von 164 535 Kronen (140 000 Goldmark), 1933/34 von mehr als 3,7 Mill. Dinar (200 000 Reichsmark).

Literatur

Truhelka, Ćiro: Gazi Husref-beg, njegov život i njegovo doba. In: Glasn. zemaljsk. Muz. 24 (1912) 91-233.
Šabanović, Hazim: Bosanski pašaluk. Sarajevo 1959. = Naučno društvo Bosne i Hercegovine. Djela. 14. Odjeljenje istorisko-filoloških nauka. 10.
Okić, M. Tayyib: Husrev. Ḫusrav Beg, Gāzī. In Islâm Ansiklopedisi. Bd 5. Istanbul 1967(2), 601-605 (mit Bibliographie).

GND: 134203704


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Empfohlene Zitierweise: Hans-Jürgen Kornrumpf, Husrev Bey, Gazi, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 203-204 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=990, abgerufen am: (Abrufdatum)

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