Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Hermanrich von Ellwangen

Hermanrich (Hermenrich, Ermenrich) von Ellwangen OSB, Bischof von Passau, * um 814, † 26.12.874, vermutlich Sohn vornehmer schwäbischer Eltern.

Leben

Aus der Klosterschule Ellwangen kam H. 831 als Lehrling zu dem Vorsteher der Kanzlei Ludwigs des Frommen, Abt Gauzbald von Niederaltaich, nach Regensburg. Nach Beilegung der Krise auf dem „Lügenfeld“ bei Colmar 833 schloß er sich Grimald, damals Abt von Weißenburg, als dem neuen Oberkanzler Lothars an. Als Diakon wieder in Ellwangen, betätigte sich H. als Hagiograph seines Klosters. In Fulda, der berühmtesten Schule des Reiches wie des Abendlandes, lernte er in den folgenden Jahren Griechisch, mit dessen Kenntnis er nachhaltig prahlte. Zudem ist H. etwa 846-849 als Präzeptor bei Walafrîd Strabo auf der Reichenau und 854 in St. Gallen nachweisbar. In den frühen sechziger Jahren fungierte H. als Stellvertreter seines Gönners Grimald, ehe er Anfang 866 von Ludwig dem Deutschen zum Bischof von Passau ernannt wurde.
Es steht wohl außer Zweifel, daß man diese Wahl im Hinblick auf die seit langem im slawischen Südosten missionierende und an den griechischen Jurisdiktionsbereich grenzende Diözese getroffen hatte. Noch im gleichen Jahr sollte sich zeigen, welche Möglichkeiten dem neuen Oberhirten die kirchenpolitischen Ereignisse in Bulgarien zuspielten.
Im Zug der Einführung des Christentums als Staatsreligion wandte sich Boris I. an seinen Verbündeten Ludwig den Deutschen, ihm geeignete Prediger zu schicken, aber auch an den Papst Nikolaus I., seinem Land eine feste Kirchenordnung zu geben. Das diplomatische Angebot enthielt Perspektiven von geradezu welthistorischer Tragweite. Rom konnte das alte Illyricum wieder in seine Sphäre einbeziehen, die ostfränkische Reichskirche sich Bulgarien unterwerfen. Folgerichtig war Passau zum Zentrum und H. als Motor der erhofften Mission ausersehen. So reiste er schon im Frühjahr 867 an der Spitze einer Gesandtschaft nach Preslav, doch waren ihm die Legaten des Papstes zuvorgekommen. Der Bischof kehrte im Sommer unverrichteter Dinge heim. Der Versuch einer Missionierung Bulgariens von Bayern aus war mißlungen. Daher ist H.s heftige Aversion gegen alles Slawische und Griechische zu verstehen, zumal sich Boris, von Roms Machtansprüchen erschreckt, 870 endgültig der byzantinischen Kirche zuwandte.
Den angestauten Haß H.s bekam noch im gleichen Jahr der Slawenlehrer Method zu spüren, den er auf dem Regensburger Reichstag mit der Reitpeitsche bedrohte, um ihn dann völlig unkanonisch als „intrursus“ in die slawischen Missionsgebiete (Mähren, Pannonien) zweieinhalb Jahre lang in Ellwangen, wie angenommen wird, einzukerkern. Erst Johannes VIII. gelang es, unter Androhung exemplarischer Kirchenstrafen, 873 Method wieder freizubekommen. Dessen Vita stellt übrigens H.s Ende das Jahr darauf als eine von Method vorausgesagte Strafe hin.

Literatur

Heuwieser, Michael: Geschichte des Bistums Passau. Bd 1. Passau 1939, 143-169.
Ziegler, Adolf Wilhelm: Methodius auf dem Wege in die schwäbische Verbannung. In: Jb. Gesch. Osteuropas. N. F. 1 (1953) 369-382.
Schwarz, W.: Die Schriften Ermenrichs von Ellwangen. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 12 (1953) 182-200.
Burr, Viktor: Ermenrich von Ellwangen. In: Ellwangener Jahrbuch 16 (1956) 19-31.

Verfasser

Josef Hahn (GND: 1121331297)

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Empfohlene Zitierweise: Josef Hahn, Hermanrich von Ellwangen, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 155-156 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=957, abgerufen am: (Abrufdatum)

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