Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Géza I.

Géza I. (Magnus), König von Ungarn 1074-1077, * um 1044, † 25.04.1077, ältester Sohn von Béla I.

Leben

Nach dem Tode seines Vaters (Sommer 1063) floh G. zunächst vor dem Heer Heinrichs IV., der den Thronanspruch seines Vetters Salomon (Sohn Andreas' I.) unterstützte, doch erkannte er bald Salomon als König an (Raab, 20.01.1064) und erhielt das Herzogtum seines Vaters wieder. In den Jahren 1068-1071 nahm er, zusammen mit seinem Bruder, dem späteren König Ladislaus I., an den Feldzügen Salomons gegen die Karantanen im Westen und die Petschenegen und Byzantiner im Südosten teil. Trotz zunehmender Rivalität zwischen den Vettern war G. auch 1072 mit dem König zusammen bis nach Niš vorgestoßen; sie schenkten die von dort entführten Reliquien des Märtyrers Prokopios dem St. Demetrios-Stift in Syrmien (Sremska Mitrovica).
Die G.s Geschlecht freundlich gesinnte Tradition schreibt die Schuld für den Zwist zwischen G. und Salomon dem „bösen Ratgeber Vid“ zu, der vermutlich das Herzogtum begehrte. Ungeachtet eines Waffenstillstandes überfiel das königliche Heer Ende 1073 G., doch die zunächst am 26. Februar 1074 in der Nähe von Karcag von diesem verlorene Schlacht wurde durch Eingreifen der von Ladislaus geführten Hilfstruppen am 14. März 1074 bei Mogyoród in einen Sieg gegen Salomon umgewandelt. Vid fiel, der König flüchtete zu seinem Schwiegervater ins Reich. G. wurde nach seinem Einzug in Stuhlweißenburg als König anerkannt und gekrönt. König Heinrichs IV. Feldzug zur Unterstützung des vertriebenen Salomon scheiterte an der ungarischen Taktik der „verbrannten Erde“. G. scheint bereits als Herzog das Vertrauen des Papstes Gregor VII. genossen zu haben, besonders als sich sein Gegner, ungeachtet päpstlicher Ansprüche auf die Jurisdiktion über Ungarn, dem gebannten Kaiser anschloß. G. wurde sowohl vom Papst - der ihn nur als dux anschrieb - als auch vom ungarischen Episkopat zum Ausgleich mit Salomon angespornt, doch er starb unerwartet inmitten schwieriger Verhandlungen. Er wurde in der von ihm gestifteten Kirche in Waitzen (Vác) begraben.
Vielleicht anläßlich G.s Heirat mit der griechischen Aristokratin Synadene, oder wegen seines ritterlichen Verhaltens gegenüber byzantinischen Gefangenen bei der Belagerung von Belgrad (1071), wurde G. ein wertvolles Geschenk aus Byzanz übersandt, das früher als eine „griechische Krone“ betrachtet wurde, doch schon wegen seiner Ikonographie ein anderes Objekt gewesen sein mußte. Die Emailplatten dieses kaiserlichen Geschenks, unter anderem eine mit dem Bildnis G.s als „pistos krales tourkias“, fanden später ihre Verwendung auf dem Kronreif der „Stephanskrone“.

Literatur

Rademacher, Otto: Ungarn und das deutsche Reich unter Heinrich IV. Merseburg 1885. = Dom-Gymnasium zu Merseburg.
Hóman: Bd 1, 272-280.
Györffy, György: Das Güterverzeichnis des griechischen Klosters zu Szávaszentdemeter (Sremska Mitrovica) aus dem 12. Jh. In: Stud. slav. Acad. Sci. Hung. 5 (1959) 9-74.
Deér, Josef: Die Heilige Krone Ungarns. Wien 1966

Verfasser

János M. Bak (GND: 12185485X)

GND: 1081566213


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Empfohlene Zitierweise: János M. Bak, Géza I., in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 45-46 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=875, abgerufen am: (Abrufdatum)

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