Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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 von 1526

Ferdinand I., römisch-deutscher Kaiser

Ferdinand I., König von Böhmen und Ungarn 1526-1564 und römisch-deutscher Kaiser 1556-1564, * Alcalà de Henares (Spanien) 10.03.1503, † Wien 25.07.1564, Sohn Erzherzog Philipps I. des Schönen (Sohn Kaiser Maximilians I. von Habsburg und der Maria von Burgund) und Johannas „der Wahnsinnigen“ (Tochter König Ferdinands V. von Aragonien und Isabellas I. von Kastilien), Bruder Kaiser Karls V.

Leben

F. wurde in Spanien erzogen. Pläne, das spanische Erbe anzutreten, scheiterten ebenso wie eine Kandidatur zur Kaiserwahl von 1519 anstelle seines Bruders. 1518 ging F. in die Niederlande, wo er mit der Ideenwelt des Erasmus von Rotterdam in Berührung kam. Durch den Teilungsvertrag von Worms (1521) erhielt er Ober- und Niederösterreich, Steiermark, Kärnten und Krain, im Vertrag von Brüssel (1522) kamen Tirol, die österreichischen Vorlande und Württemberg hinzu. Noch im gleichen Jahr war F.s österreichische Herrschaft durch sein energisches Vorgehen gegen ständische Bestrebungen gefestigt (Wiener Neustädter Blutgericht). Anfangs als Ausländer und wegen seiner spanischen Umgebung (Gabriel de Salamanca) unbeliebt, konnte sich F. später in den Erbländern ebenso durchsetzen wie im Reich, wo er zunächst seinen öfter abwesenden Bruder vertrat.
1526 ergaben sich für F. Aussichten auf die böhmische und ungarische Krone, nachdem in der Schlacht bei Mohács sein jagellonischer Schwager Ludwig gegen die Türken gefallen war. Die Erwerbung der Wenzelskrone gelang ihm relativ einfach (Oktober 1526 Wahl, Februar 1527 Krönung in Prag). In Ungarn hingegen stand seinen Bestrebungen der nationalungarische Prätendent János Szapolyai, der Woiwode von Siebenbürgen, gegenüber. F. wurde daher am 16. Dezember 1526 in Preßburg nur von einer Minderheit zum König gewählt (Krönung am 3. November 1527 in Stuhlweißenburg), und der größte Teil Ungarns blieb außerhalb seines Machtbereiches. Trotzdem gilt das Jahr 1526 als Beginn der habsburgischen Herrschaft im Donauraum, der späteren Donaumonarchie.
Die Ausbreitung des Protestantismus, die Bannung der türkischen Gefahr und die Wahrung der habsburgischen Rechte in Ungarn beschäftigten F.s Regierung. Das Vordringen des Protestantismus konnte der in religiösen Fragen kompromißbereite König nicht verhindern. Er berief aber die Jesuiten nach Österreich und schuf damit eine wichtige Voraussetzung für die spätere Gegenreformation. Nach der Kaiserkrönung Karls V. am 24. Februar 1530 wurde F. am 5. Januar 1531 in Köln zum römischen König gewählt; seine Wahl führte - trotz des Verlustes von Württemberg (1534) - zu einem stärkeren Hervortreten in der Reichspolitik. Ein türkischer Angriff auf Wien 1529 scheiterte; 1532 versuchten die Osmanen einen neuerlichen Vorstoß auf die Stadt, bei dem die Festung Güns unter dem kroatischen Edelmann Nikola Jurišić erfolgreichen Widerstand leistete. Erst 1537 griffen die habsburgischen Heere Esseg an, die Offensive endete aber mit einer schweren Niederlage bei Gorian. Nachdem schon 1531 erfolglose Verhandlungen mit dem bereits 1526 gleichfalls zum ungarischen König gekrönten Johann (János) Szapolyai stattgefunden hatten, kam es im Februar 1538 neuerlich zu Geheimverhandlungen mit dem Konkurrenten in Großwardein, wo schließlich ein Friede geschlossen wurde, der F. für den Fall des Todes des Gegenkönigs die Herrschaft über ganz Ungarn verhieß. Der Vertrag wurde aber nicht eingehalten, da die Anhänger König Johanns nach dessen Tod (22.07.1540) seinen Sohn Johann Sigismund zum König ausriefen. 1541 wurde das Heer F.s beim zweiten Versuch, Ofen zu erobern, vernichtet. Jetzt setzten sich die Türken in der Stadt und in Mittelungarn fest, und ein Jahr später eroberten sie die wichtigsten Städte zwischen dem Plattensee und der Theiß. 1547 schloß Habsburg einen Waffenstillstand mit den Türken, der ein jährliches „Ehrengeschenk“ von 30 000 Dukaten vorsah.
Nach dem Schmalkaldischen Krieg (1546-1547) geriet F. in Gegensatz zu seinem kaiserlichen Bruder, da dieser seinem Sohn Philipp die Nachfolge im Reich zu verschaffen suchte. In der Fürstenverschwörung von 1552 gegen Karl V. trat F. als Vermittler auf. Auch durch den Augsburger Reichstagsabschied von 1555 mit seinem wichtigsten, den Religionsfrieden betreffenden Teil bestimmte F. entscheidend die politische und religiöse Gestaltung des Reiches. Nach der Abdankung Karls V. wurde er am 24. März 1556 zum Kaiser gekrönt. Nachdem sich 1551 durch den Verzicht Königin Isabellas, der Witwe Johann Szapolyais, die Möglichkeit ergeben hatte, in den Besitz Siebenbürgens zu gelangen, wurde diese Chance durch die Ausschreitungen der in das Land einrückenden Truppen F.s unter General Gianbattista Castaldo - bei denen der Kardinal György Martinuzzi ermordet wurde - zunichte gemacht: Johann Sigismund wurde in Siebenbürgen und den angrenzenden Komitaten („partes“) durch die Pforte als König unter türkischer Oberhoheit anerkannt. Dem Gesandten F.s beim Sultan, Ogier Ghislain de Busbeck, gelang schließlich der Abschluß eines achtjährigen Friedens mit den Türken: im Vertrag von Istanbul (1562) wurde der gegenseitige Besitzstand anerkannt und der Kaiser zur weiteren Zahlung des 1547 vereinbarten Ehrengeschenks verpflichtet.
F. wird welthistorisch nicht so bedeutend eingeschätzt wie sein Bruder Karl, er übertraf ihn aber an politischem Realismus und war daher auch erfolgreicher. Wesentlich bleibt seine Überwindung der konfessionellen Spannungen durch den Augsburger Religionsfrieden und die Schaffung einer dauernden Verbindung Österreichs mit Böhmen und Ungarn.

Literatur

Smolka, Stanislaus: Ferdinand des Ersten Bemühungen um die Krone von Ungarn. In: Arch. österr. Gesch. 57 (1879) 1-172.
Huber, Alfons: Die Erwerbung Siebenbürgens durch König Ferdinand I. im Jahre 1551 und Bruder Georgs Ende. In: Arch. österr. Gesch. 75 (1889) 481-545.
Kuppelwieser, Leopold: Die Kämpfe Österreichs mit den Osmanen 1526-1537. Wien, Leipzig 1899.
Bauer, Wilhelm: Die Anfänge Ferdinands I. Wien, Leipzig 1907.
Ders. (Hrsg): Die Korrespondenz Ferdinands I. 2 Bde. (Bd 2/1-2/2 gemeinsam mit Robert Lacroix.) Wien 1912/38.
Eder, Karl: Siegmund von Dietrichstein und die Anfänge Ferdinands I. In: Carinthia I 146 (1956) 620-652.
Lhotsky, Alphons: Das Zeitalter des Hauses Österreich. Die ersten Jahre der Regierung Ferdinands I. in Österreich (1520-1527). Wien 1971.

GND: 118532502


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Empfohlene Zitierweise: Reinhard Rudolf Heinisch, Ferdinand I., römisch-deutscher Kaiser, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 501-503 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=810, abgerufen am: (Abrufdatum)

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