Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Eustathios

Eustathios, Metropolit von Saloniki, * Konstantinopel (?) um 1115, † Saloniki 1195/96.

Leben

Über E.s Herkunft ist nichts bekannt. Ein Byzantiner namens Kataphloros, in welchem man wohl den bekannten Redner Nikolaos Kataphloros erblicken darf, nahm sich um den bildungsbeflissenen jungen Mann an. E. durchlief den Schulungsgang des zeitgenössischen Byzantiners - Trivium und Quadrivium - und öffnete sich durch seine Gelehrsamkeit den Weg zum Lehramt an der konstantinopolitanischen Patriarchatsschule. In diesen Jahren ist das Gros seiner berühmten philologischen Schriften entstanden. Relativ spät, doch sicher noch vor Antritt seiner Lehrtätigkeit, trat E. nach seinem Selbstzeugnis in die Reihen des hauptstädtischen Klerus ein. In dieser Funktion rückte der berühmte Philologe unter Patriarch Michael III. in die Zahl der dotierten Diakone der Hagia Sophia auf; zeitweilig zurückgesetzt verdankte E. den Zugang zum hohen Klerus zweifellos nicht zuletzt seinen persönlichen Verbindungen zum Komnenenhaus. Wahrscheinlich Ende 1174, spätestens jedoch 1178, wurde E. auf Fürsprache Kaiser Manuels I. Kandidat auf den Bischofsthron von Myra, kurz danach, jedoch noch vor Amtsantritt, auf den erzbischöfliehen Stuhl von Saloniki berufen. Als Metropolit der zweitgrößten Stadt des damaligen griechischen Kaiserreiches entwickelte E. eine rege seelsorgerische Aktivität, die angesichts des starren, kompromißlosen Charakters des Bischofs bald zu erbitterter Gegnerschaft gegenüber einer liberalen Strömung im zeitgenössischen athonitischen Mönchtum und zu harter Konfrontation auch innerhalb der thessalonizensischen Bevölkerung führte. E. sah sich schließlich zu zweimaliger Flucht vor seinen renitenten Diözesanen veranlaßt, nahm nach kaiserlicher Intervention dann indes seinen Kirchenstuhl bis gegen Ende des 12. Jh.s wieder ein. Als Metropolit mußte E. im Jahre 1185 die Eroberung seiner Bischofsstadt und die Verwüstung seiner Kirchen durch die Normannen erleben. Als Kirchenpolitiker gelangte er in den letzten Regierungsjahren Manuels I. vor allem auf den großen Synoden zu großem Einfluß.
E. hinterließ ein reiches Schrifttum. Dieses zerfällt in Publikationen zur Zeitgeschichte, religiös-praktische Werke, insbesondere Homilien und philologische Abhandlungen. Hinzu treten die für Leben und Denken des Metropoliten aufschlußreichen, literarisch wertvollen Briefe. Unter den Schriften zur Zeitgeschichte ist neben den Hofreden seine Schilderung der Eroberung Salonikis von besonderer Bedeutung. Seine Predigten greifen mit Vorliebe ethisch-religiöse Mißstände seiner Zeit auf. Den mit Abstand überzeitlich wertvollsten Beitrag bilden indes seine philologischen Traktate, darunter in erster Linie der bis zur Gegenwart weltberühmte Kommentar zu Ilias und Odyssee - außer Zweifel die bedeutendste Leistung des griechischen Mittelalters auf dem Felde der klassischen Philologie überhaupt. Der Pindarkommentar des E. ist heute verschollen, dagegen blieben eine ausführliche Erklärung des Geographen Dionysios Periegetes und des Pfingsthymnus des Johannes von Damaskos erhalten.

Literatur

Bonis, Konstantin: Efstathios archiepiskopos Thessalonikis. In: Epistimoniki Epetiris tis Theolojikis Scholis tu Panepistimiu Thessalonikis 1 (1950) 45-88.
Wirth, Peter: Untersuchungen zur byzantinischen Rhetorik des 12. Jahrhunderts. München 1960.
Každan, Aleksej Petrovič: Vizantijskij publicist XII v. Evstafij Solunskij. In: Viz. Vrem. N. F. 27 (1967) 87-106; 28 (1968) 60-84; 29 (1968) 177-195.

Verfasser

Peter Wirth (GND: 132882191)


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