Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Eugen, Prinz von Savoyen

Eugen, Prinz von Savoyen, kaiserlicher Feldherr und Staatsmann, * Paris 18.10.1663, † Wien 21.04.1736, Sohn des französischen Generals Eugen Moritz von Savoyen, Graf von Soissons und der Olympia Mancini, einer Bankierstochter aus römischer Patrizierfamilie; väterlicherseits Urenkel Herzog Karl Emanuels I. von Savoyen und König Philipps II. von Spanien, mütterlicherseits Großneffe des Kardinals Mazarin.

Leben

E. verlor bereits mit zehn Jahren den Vater, und die Mutter - ehemals Favoritin König Ludwigs XIV. - mußte Frankreich infolge von Hofintrigen und in Skandale verwickelt 1680 verlassen. Ludwig XIV. und Viktor Amadeus II., Herzog von Savoyen, sahen für den kleinen und unscheinbaren Prinzen die geistliche Laufbahn vor. E. aber, der die militärischen Neigungen seiner Vorfahren geerbt hatte, bewarb sich um die Aufnahme in die französische Armee, wurde jedoch abgewiesen. So flüchtete er Ende Juli 1683 aus Frankreich und bot Kaiser Leopold I. seine Dienste an. Der Prinz hoffte dabei vergeblich auf die Übertragung des Dragonerregimentes seines Bruders Ludwig Julius, der kurz zuvor in habsburgischen Diensten bei Petronell gefallen war und nahm vorerst als Freiwilliger im Heer des Herzogs Karl von Lothringen an der Entsatzschlacht für Wien am Kahlenberg teil (12.09.1683). Durch die Protektion des Markgrafen Ludwig Wilhelm I. von Baden - einem Vetter von ihm - und die Gunst des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel erhielt E. Ende 1683 ein Patent als Oberst, aber noch in den folgenden Jahren erwog er den Eintritt in spanische oder savoyische Dienste. Im Frühjahr 1686 besuchte er Madrid, wo ihm - zum spanischen Granden erhoben - das Goldene Vlies verliehen wurde.
Nach raschem Aufstieg im kaiserlichen Heer entschloß sich E., in den Diensten Habsburgs zu bleiben. In der Folge nahm er an den Türkenkriegen des Lothringers und Ludwig Wilhelms I. von Baden teil; 1687 konnte er die Meldung vom Sieg bei Harsány nach Wien überbringen. Anfang 1688 folgte seine Ernennung zum Feldmarschalleutnant. Im gleichen Jahr wurde E. vor Belgrad verwundet, 1689 neuerlich vor Mainz im Krieg gegen Frankreich. Ein Jahr später erhielt er das Kommando eines Korps zur Unterstützung des verbündeten Herzogs von Savoyen. 1697 empfahl ihn der Hofkriegsratspräsident Rüdiger Graf Starhemberg als Oberbefehlshaber im Türkenkrieg - ein Posten, den E. trotz der prekären militärischen Lage angestrebt hatte. Rasch besserte der Prinz den schlechten Zustand der Truppen und stellte die Kampfkraft wieder her. Am 11. September 1697 griff er das gegen Siebenbürgen über die Theiß marschierende, zahlenmäßig weit überlegene türkische Heer bei Zenta an. Sein großartiger Sieg begründete E.s Ruf als Feldherr. Der am 26. Januar 1699 bei Karlowitz geschlossene Friede mit dem Osmanischen Reich sicherte Habsburg den Besitz von Ungarn und Siebenbürgen.
Bei Beginn des Krieges mit Frankreich um das spanische Erbe marschierte E. 1701 über die Alpen nach Oberitalien und besiegte bei Carpi und Chiari das französische Heer - Erfolge, die zur Haager Allianz zwischen dem Kaiser und den Seemächten (Holland, England, Spanien) beitrugen. Da die Wiener Zentralstellen beim Nachschub von Truppen und Material versagten, sah sich E. vom französischen Feldherrn Louis Joseph Vendôme in die Defensive gedrängt. Die gefährliche Lage für Österreich verschlimmerte sich noch durch das Zusammenwirken der Franzosen und Bayern und überdies durch den bedrohlichen Aufstand Franz II. Rákóczys in Ungarn. Beharrlich bemühte sich E. in Wien um eine Reform der für das Heer zuständigen Stellen; erst Ende Juni 1703 konnte sich Kaiser Leopold I. zur Entlassung seiner bisherigen Berater und zur Ernennung E.s zum Hofkriegsratspräsidenten entschließen, womit dem Savoyer - nach der Berufung zum Mitglied des Geheimen Rates (1700) - noch größerer politischer Einfluß eröffnet wurde. Neben einer Beseitigung der Mängel in der Heeresorganisation betrieb E. von Preßburg aus eine Klärung der Lage in Ungarn. Seit Frühjahr 1704 auf dem Kriegsschauplatz in Süddeutschland, errang er noch im selben Jahr bei Höchstädt den Sieg über Franzosen und Bayern. 1705 folgte auf Kaiser Leopold I. dessen Sohn Joseph I., der E. für die Kriegführung freie Hand ließ. 1705 und 1706 zwang E. in Oberitalien den Feind zur Räumung des Gebietes und wurde darauf Generalgouverneur von Mailand, kaiserlicher Generalleutnant und auf dem Regensburger Reichstag Reichsfeldmarschall. 1708 siegte der Prinz im Norden gemeinsam mit Marlborough bei Oudenaarde und ein Jahr später bei Malplaquet. Nach Beendigung des ungarischen Aufstandes unter Rákóczy durch den Frieden von Szatmár (30.04.1711) konnte in Rastatt und Baden der Friede mit Frankreich unterzeichnet werden, an dessen Zustandekommen E. nicht unbedeutenden Anteil hatte (1714).
Den Gipfel seiner Erfolge erreichte der Prinz im neuerlichen Krieg gegen das Osmanische Reich, zu dem er Kaiser Karl VI. nach dem Angriff der Türken auf die Republik Venedig geraten hatte. E., wieder mit dem Oberbefehl über die Armee betraut, siegte am 5. August 1716 bei Peterwardein und eroberte Temeschwar. Nach der erfolgreichen Schlacht vor Belgrad gelangte die Stadt in kaiserliche Hand (1717). Hier entstand - wohl durch einen bayerischen Soldaten - das bekannte Lied von „Prinz Eugen, dem edlen Ritter“. In dem am 21. Juli 1718 abgeschlossenen Frieden von Passarowitz (Požarevac) mußte die Pforte das Banat, den bisher türkischen Teil Syrmiens, die kleine Walachei bis zur Alt, Nordserbien und einen Grenzstreifen im nördlichen Bosnien an Österreich abtreten. In den folgenden Jahren blieb E. eine Zentralfigur in der österreichischen Politik, obwohl sich Karl VI. weniger der „deutschen Partei“ des Savoyers als vielmehr seinen, meist spanischen Ratgebern verbunden fühlte. Noch einmal vor seinem Tode führte E. - körperlich und geistig bereits verfallen - das Kommando im Polnischen Erbfolgekrieg am Oberrhein, allerdings ohne Erfolg.
Unbestritten bleibt heute E.s Leistung als Feldherr, als der er zum Lehrmeister Friedrichs des Großen und Napoleons wurde. E. war ein hervorragender Heeresorganisator, der die feste Formierung eines stehenden Heeres weiter vorantrieb. Zweifelhafter ist seine Tätigkeit als Staatsmann, obwohl er auch hier über klares Urteilsvermögen und über Ideen verfügte, die zukunftweisend waren. Ihm ging es um die Begründung und Festigung der österreichischen Großmachtstellung gegenüber der türkischen Bedrohung im Südosten, um eine Arrondierung des habsburgischen Besitzes auf dem Balkan, wobei in diesem Zusammenhang auch auf seine Siedlungs- und Kolonisationstätigkeit in den eroberten Gebieten hingewiesen werden muß. Die Aufgeschlossenheit des Prinzen als Mäzen und Förderer der geistigen Entwicklung seiner Zeit beweisen nicht nur die Bauten in Wien (Belvedere) und Ungarn, seine Bibliothek und Kunstsammlungen, sondern auch seine Kontakte zu Persönlichkeiten wie Jean-Baptiste Rousseau, Leibniz, Muratori, Montesquieu und Voltaire. Schon zu Lebzeiten gewann der Prinz große Popularität, die vor allem in Volks- und Flugschriften, in Dichtung und Geschichtsschreibung zum Ausdruck kam.

Literatur

Arneth, Alfred von: Prinz Eugen von Savoyen. 3 Bde. Wien 1859. (Neudruck München 1937).
Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen. Nach den Feld-Acten und anderen authentischen Quellen hrsg. von der Abtheilung für Kriegsgeschichte des k. k. Kriegs-Archives. 21 Bde. Wien 1876/92.
Bibl, Viktor: Prinz Eugen. Ein Heldenleben. Wien, Leipzig 1941.
Böhm, Bruno: Bibliographie zur Geschichte des Prinzen Eugen und seiner Zeit. Wien 1943. = Veröffentlichungen der Kommission für neuere Geschichte Österreichs. 34.
Braubach, Max: Geschichte und Abenteuer. Gestalten um den Prinzen Eugen. München 1950.
Kallbrunner, Josef: Prinz Eugen und die deutsche Kolonisation im Südosten. In: Südostdt. Heimatbl. 2 (1953) 2, 3-11.
Braubach, Max: Prinz Eugen von Savoyen. Eine Biographie. 5 Bde. München 1963/65.  

GND: 118605941


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Empfohlene Zitierweise: Reinhard Rudolf Heinisch, Eugen, Prinz von Savoyen, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 474-476 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=790, abgerufen am: (Abrufdatum)

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