Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Dragutin, Stefan

Dragutin, Stefan, König von Serbien 1276-1282, König „von Srem“ bis 1316, † 12.03.1316.

Leben

Als ältester Sohn von König Stefan Uroš I. und dessen Gemahlin Jelena (Helena von Anjou) erscheint D. zuerst auf den Stifterkompositionen der Kirche von Sopoćani (um 1265), wo er durch Kleidung und Insignien als Thronfolger und „iunior rex“ dargestellt ist. Verheiratet mit Katherina (Katelina), einer Tochter des späteren ungarischen Königs Stephan V., wurde D. zum Nutznießer einer schweren Niederlage seines Vaters gegen die Ungarn (1268), denn zu den Bedingungen, die Uroš I. anzunehmen gezwungen war, gehörte wohl die Verpflichtung, analog der Reichsteilung zwischen Béla IV. und Stephan V. in Ungarn einen Teil des serbischen Gebiets dem „iunior rex“ D. zu überlassen. Nachdem Uroš diese Regelung längere Zeit hatte hinauszögern können, lehnte D. sich gegen ihn auf und besiegte ihn mit Hilfe ungarischer Truppen in der Schlacht von Gacko (1276). Uroš I. floh außer Landes und starb bald darauf, indes D. den Königsthron bestieg. Seiner Mutter Jelena überließ er den katholischen Teil des Landes, seinem Bruder Milutin ein anderes, nicht näher bekanntes Gebiet.
Außenpolitisch arrangierte sich D. sofort mit Ragusa, mit dem sein Vater in ständigem Konflikt gelegen hatte, und blieb bei seiner engen Bindung an Ungarn. Deshalb scheint er sich auch nicht an der antibyzantinischen Liga Karls von Anjou beteiligt zu haben. Als D. gegen Jahresanfang 1282 vom Pferde stürzte und sich ein Bein brach, dankte er ab und überließ seinem jüngeren Bruder Milutin (Stefan Uroš II.) den Thron. Aus dem Umstand, daß Milutin sofort der Koalition Karls von Anjou beitrat und in byzantinisches Gebiet einfiel, ist zu ersehen, daß wahrscheinlich der mächtige Kriegeradel zum Feldzug gegen Byzanz drängte und der invalide König einen Umsturz zu befürchten hatte. Im Vertrag von Deževo übergab D. Herrschaft und Insignien an seinen Bruder, nicht ohne sich ein Teilgebiet und seinen Söhnen die Nachfolge Milutins zu sichern.
Als Schwager des ungarischen Königs Ladislaus IV. erhielt D. 1284 von diesem das Banat Macsó (Mačva), einen Teil von Srem und Teile von Bosnien. Um 1290 wurde durch einen gemeinsamen Feldzug D.s und Milutins das Gebiet von Braničevo diesem Besitz angeschlossen. Von guten Beziehungen zwischen den Brüdern zeugt auch die Stifterkomposition der Kirche von Arilje (1296), auf der sie gemeinsam, Milutin als „Stefan Uroš, König des ganzen serbischen und des Küstenlandes“, D. lediglich als „Stefan, König und erster Stifter“ tituliert, vor Christus porträtiert sind. Seit 1299 zeigten sich Spannungen, die um 1301 in offenen Krieg übergingen. Als Ursache ist wohl der Ehrgeiz D.s anzusehen, seinen Söhnen den serbischen und den ungarischen Thron zu sichern. Für seinen Sohn Urošic führte er in Serbien Krieg, während er in Ungarn nach dem Aussterben der Arpaden zunächst auf seiten Karl Roberts von Anjou stand, seit ca. 1307 aber versuchte, seinen Sohn Vladislav, einen Enkel König Stephans V., auf den Königsthron zu heben. So kämpfte D. nach zwei Seiten, bis sich sein ungarischer Bundesgenosse, László Apor, Karl Robert unterwarf und D. Friedensverhandlungen begann. In Serbien hatte inzwischen König Milutin den Silberbergbau forciert und von den Erträgen ein Söldnerheer angeworben, mit dessen Hilfe er D. zu Verhandlungen zwang. So mußte D. zwischen 1311 und 1313, obgleich ein großer Teil des serbischen Adels auf seiner Seite stand, seine Absichten auch auf den serbischen Thron aufgeben. Er blieb weiterhin König Milutin untergeordnet, wie aus der Stiftungsurkunde vom Kloster Banjska (1313/15) hervorgeht, denn D. war gezwungen, sich als „frommer Knecht Christi Stefan, zuvor gewesener König“ zu unterschreiben. Die Nachfolgefrage blieb in das Belieben Milutins gestellt, so daß die Unterlegenheit D.s in diesem Kampf deutlich wird. Nach diesem Vertrag scheinen zwischen den Brüdern gute Beziehungen geherrscht zu haben. 1316 starb D., nachdem er sich zum Mönch Theoktist hatte einkleiden lassen, in seiner Hauptstadt Debrc an der Save. Sein Leichnam wurde darauf in die von ihm errichtete Kapelle in Djurdjevi Stupovi bei Ras (Novi Pazar) überführt. Bei dieser Gelegenheit bemächtigte sich König Milutin der Person Vladislavs und besetzte die Gebiete D.s. Der zweite Sohn D.s, Urošic, war schon vor seinem Vater verstorben.

Literatur

Jireček, Constantin: Geschichte der Serben. Bd 1. Gotha 1911.
Dinić, Mihajlo: Stefan Dragutin „rex Serviae“. In: Glasn. ist. Društ. 4 (1931) 436-437.
Ders.: Odnos izmedju kraljeva Milutina i Dragutina. In: Zborn. Rad. vizant. Inst. 3 (1955) 49-82.
Daničić, Djura (Hrsg.): Životi kraljeva i arhiepiskopa srpskih. Napisao arhiepiskop Danilo. Beograd, Zagreb 1866. (Übersetzung in das Neu-Serbokroatische: Arhiepiskop Danilo. Životi kraljeva i arhiepiskopa srpskih. Preveo L. Mirković. Beograd 1935. Neudruck 1969 durch Matica Srpska, Novi Sad).

Verfasser

Frank Kämpfer (GND: 129105678)

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Empfohlene Zitierweise: Frank Kämpfer, Dragutin, Stefan, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 430-431 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=754, abgerufen am: (Abrufdatum)

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