Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Béla IV.

Béla IV., König von Ungarn 1235-1270, * November 1206, † Haseninsel (heute: Margareteninsel) bei Ofen 3.05. 1270, ältester Sohn Andreas’ II. und der Herzogin Gertrud von Meran.

Leben

B. erlebte als Kind die Ermordung seiner Mutter und wurde, wohl auf Druck von Gegnern seines Vaters, 1214 zum „rex iunior“ gekrönt. Er geriet u. a. wegen der Verschwendung des Königsgutes und der Königsrechte - wie er die Goldene Bulle von 1222 ansah - mehrfach in Widerspruch zu Andreas II. und mußte oft außer Landes fliehen, doch zeitweilig regierte er als Thronfolger Slawonien, später Siebenbürgen, und dehnte die ungarische Oberherrschaft in den Süden und Südosten (Banat von Syrmien) aus, wo er auch die Dominikanermission begünstigte. Nach dem Tode des Vaters wurde er am 14. Oktober 1235 zum König gekrönt und dürfte die Erhaltung der Königsrechte - und nicht wie sein Vater die Freiheiten des Adels - beschworen haben. Er entließ sofort die Regierung seines Vorgängers, bestrafte die Teilnehmer der 1212er Rebellion und begann sofort, mit päpstlicher Unterstützung, die verschenkten Königsgüter zurückzufordern. B. wählte sich die Regierung seines Großvaters, Bélas III., zum Vorbild, wodurch er manche Verluste der Königsmacht wettzumachen vermochte, doch die Feindschaft der in der Zwischenzeit stark gewordenen Großen heraufbeschwor. Dies sollte sich in der Entscheidungsstunde des Jahres 1241 rächen: der Mongoleneinfall, in Ungarn bereits seit 1236 durch die Nachrichten des nach Innerasien entsandten Dominikaners Julianus bekannt und gefürchtet, fand den König an der Spitze eines sehr begrenzten Eigenheeres, das den Sturm nicht aufzuhalten vermochte. B. gewährte zwar einigen Volksgruppen (Kumanen), die vor den Mongolen flohen, Aufnahme im Lande, doch diesen wertvollen Krieeerscharen wurde er genau vor der Schlacht verlustig: Konflikte zwischen den Neuankömmlingen und den Magyaren führten zum Mord am Kumanenfürsten, dessen Leute brennend und wüstend das Land verließen. Am 11. April 1241 wurden B. und das Königsheer, u. a. wegen des Fernbleibens vieler Herren, in der Schlacht bei Mohi geschlagen. Der König floh zunächst nach Österreich, dann nach Dalmatien. Die Mongolen verwüsteten das Land, vor allem östlich der Donau, doch sie zogen unerwartet, da die Nachricht vom Tode des Großkhans eintraf, nach Asien zurück.
B. erwies seine staatsmännische Größe beim Wiederaufbau: um das Land durch befestigte Orte, deren es 1241 so gut wie keine gab, zu stärken, änderte er seine Haltung zum weltlichen Grundbesitz. Er vergab Güter für Burgbauten an die Großen und unterstützte den Aufstieg der Dienstmannenschicht, indem er sie zu Burgherren werden ließ. Auch manche Städte - unter ihnen Ofen - wurden mit königlicher Hilfe umwallt. Weise Siedlungspolitik und das Regenerationsvermögen der Landesbewohner bewirkten, daß Ungarn sich nach der Katastrophe überraschend schnell erholte. Bereits 1246 konnte B. die von Herzog Friedrich von Babenberg erbeuteten Westgebiete wiedergewinnen; er versuchte sogar ein Stück vom Babenbergischen Erbe für Ungarn zu erhalten. Die dynastische Politik dieser Jahre galt auch dem Ziel, die mögliche Wiederholung des Mongoleneinfalls zu vermeiden. Da er im Westen und in Rom nur ermutigende Worte erhielt, band er durch Familienverbindungen die Kumanen und die Galizier an Ungarn. Nach dem Scheitern der steiermärkischen Eroberung wurde Ottokar von Böhmen durch Heirat mit einer ungarischen Königstochter zum Verbündeten.
Die letzten Regierungsjahre B.s waren durch wiederholte Aufstände des 1245 zum „rex iunior“ gekrönten Sohnes Stephan (V.), dem schließlich 1262 Siebenbürgen als de facto unabhängiges Regierungsgebiet zugeteilt wurde, verbittert. Noch 1267 erließ B., gemeinsam mit seinen Söhnen, ein Dekret, in dem der Aufstieg der Servienten in den Adel förmlich anerkannt wurde und in demselben Jahr dürfte auch eine Landesversammlung der Komitatsabgesandten (?) stattgefunden haben. Der alte Herrscher zog sich schließlich in das Dominikanerkloster auf der Haseninsel zurück, wo seine im Ruf der Heiligkeit stehende Tochter Margarethe lebte.

Literatur

Hóman: Bd 1.
Lederer, Emma: Tatarskoe našestvie na Vengriju svjazi s meždunarodnymi sobytijami epochy. In: Acta Hist. Acad. Sci. Hung. 2 (1953) 1-45.
Ferdinandy, Michael de: Tschingis Khan. Der Einbruch des Steppenmenschen. Hamburg 1958. = Rowohlts deutsche Enzyklopädie. 64.

Verfasser

János M. Bak (GND: 12185485X)


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