Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Béla III.

Béla III., König von Ungarn 1172-1196, * 1148, † Gran (?) 23.04.1196, zweiter Sohn Gézas II. und der Eufrosina, Tochter des Kiewer Großfürsten Mstislav I.

Leben

B. kam 1163 als Geisel nach Byzanz, wo er 1166-1169 mit der Tochter Manuels I. verlobt war und mit dem Namen Alexios und dem Titel „despotes“ als Nachfolger des Kaisers galt. Nach der Geburt eines Thronerben ließ ihn Manuel zum „kaisar“ degradieren, mit Anna Châtillon, der Halbschwester seiner Gattin, vermählen und schließlich, nach dem Tode Stephans III., nach Ungarn zurückkehren. Obwohl zunächst von der strengen Reformpartei des Erzbischofs Lukács mit Mißtrauen aufgenommen, wurde B. durch päpstliche Erlaubnis am 18. Januar 1173 gekrönt und erwies sich als einer der erfolgreichsten Herrscher Ungarns, der es vermochte, das Land aus der byzantinischen Reichspolitik loszulösen und dem Westen hinzuwenden. Die in Byzanz erlernten Formen und Methoden verwandte er zum Ausbau einer straffen, „wirklich absoluten“ (Bogyay) Regierung. Die Einführung der Schriftlichkeit in die Rechtsgeschäfte, Organisierung einer Königskanzlei und die Errichtung zahlreicher, im Westen längst üblicher Hofämter sicherten eine Blütezeit für das Königtum und lieferten auch die Grundlage der kulturellen Entwicklung der Folgezeit. Obwohl er, treu zur traditionellen Außenpolitik Ungarns, in Galizien eine Sekundogenitur einzurichten, nach dem Tode Manuels (1180) auch den byzantinischen Kaiserthron zu erreichen trachtete (er entriß Byzanz nur Dalmatien, Kroatien und Bosnien, Gebiete, auf die Ungarn 1167 zugunsten Manuels verzichten mußte), rief er westliche, meist französische Prämonstratenser und Zisterzienser ins Land. Auch seine zweite Ehe mit Margaret Capet stärkte die westlichen Verbindungen. Der von ihm in unmittelbarer Nähe des Primassitzes errichtete Königspalast in Gran zeugt von der engen Zusammenarbeit mit der ungarischen Kirche. Er plante auch das Kreuz zu nehmen, doch mußte er dieses Versprechen seinem Sohne Andreas (II.) vererben.

Literatur

Förster, Gyula (Hrsg.): III. Béla magyar király emlékezete. Budapest 1900.
Dölger, Franz: Ungarn in der byzantinischen Reichspolitik. Budapest 1942. = Ostmitteleuropäische Bibliothek. 42.
Bogyay, Thomas von: Grundzüge der Geschichte Ungarns. Darmstadt 1967.

Verfasser

János M. Bak (GND: 12185485X)


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