Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Cemal Pascha, Ahmed

Cemal Pascha, Ahmed, jungtürkischer Offizier und Staatsmann, * Istanbul 1872, † Tiflis 21.07.1922.

Leben

Nach dem Besuch der Kriegsakademie zu Istanbul bis 1895 avancierte C. zum Hauptmann im Generalstab. Seit 1898 bei der 3. Armee in Mazedonien, gewann er Anschluß an das revolutionäre Jungtürken-Komitee „Einheit und Fortschritt“ und war an der jungtürkischen Revolution vom Juli 1908 beteiligt. Nach der Niederschlagung der Gegenrevolution im April 1909 wurde er Gouverneur von Üsküdar bei Istanbul, im August 1909 Vali von Adana, 1911 Vali von Bagdad. Seit September 1912 Kommandeur der Reservedivision von Konya, kämpfte er im 1. Balkankrieg an der thrakischen Front gegen die Bulgaren. Nach dem Staatsstreich vom 23. Januar 1913 wurde er von Mahmud Şevket Pascha mit dem Posten des Militärgouverneurs von Istanbul betraut.
Nachdem der Großwesir Mahmud Şevket Pascha am 15. Juni 1913 einem Mordanschlag zum Opfer gefallen war, bildeten Enver Pascha, Talaat Bey und C. ein Triumvirat, in dessen Händen die Macht in der Türkei lag. Mitte Dezember 1913 bis Februar 1914 hatte C. das Ministerium für öffentliche Arbeiten inne, anschließend das Marineministerium, wobei er sich um die Reorganisation der Flotte verdient machte.
C.s Versuch, anläßlich einer Reise nach Paris im Juli 1914, eine französisch-türkische Annäherung herbeizuführen, blieb ohne Erfolg. Nachdem er vorübergehend die im Ägäisküstengebiet stehende 2. Armee befehligt hatte, übernahm er im November 1914 das Kommando über die 4. Armee in Damaskus und gleichzeitig den Posten des Militärgouverneurs von Syrien, Palästina und Hedschas. Seine Armee unternahm im Januar/Februar 1915 und im Juli 1916 Vorstöße gegen den Suez-Kanal (Oberst Kreß von Kressenstein!).
C. bewies große Tatkraft beim Bau und der Instandsetzung von Straßen und Eisenbahnen, war auch wissenschaftlich interessiert und veranlaßte die Veröffentlichung des Tafelwerkes „Alte Denkmäler aus Syrien, Palästina und Westarabien“ (Berlin 1918). Gegen die antitürkischen Konspirationen syrisch-arabischer Nationalisten ging er mit großer Strenge vor. Ende August 1915 wurden nach einem kriegsgerichtlichen Verfahren 11 prominente Araber, im Mai 1916 weitere 21 gehängt. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches Ende Oktober 1918 flüchtete C. nach Deutschland und dann in die Schweiz. In der Türkei wurde er 1919 in Abwesenheit zum Tode verurteilt.
Danach im Dienste des Emirs Amanullah, reorganisierte er die afghanische Armee und reiste mehrmals nach Rußland, wo er die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und der türkischen Unabhängigkeitsbewegung Mustafa Kemals (Atatürks) förderte. Auf einer Rückreise nach Afghanistan wurde C. zu Tiflis aus Rache für die Armenierverfolgungen in der Türkei während des Ersten Weltkrieges von zwei Armeniern erschossen. Sein Leichnam wurde später nach Erzurum überführt.

Literatur

Reymond, Georges: Recit du Colonel Djemal sur les operations militaires de Thrace. Paris 1914.
Djemal, Ahmed: Erinnerungen eines türkischen Staatsmannes. München 1922.
Pomiankowski, Josef von: Der Zusammenbruch des Ottomanischen Reiches. Zürich, Leipzig, Wien 1928.


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